Seit zwölf Jahren Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke

Jutta Wendland-Park: Von der Pastorin zur Managerin

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Jutta Wendland-Park ist seit fast zwölf Jahren als Vorstandsvorsitzende die starke Frau an der Spitze der Rotenburger Werke. Ihre pastorale Identität hat sie sich bis heute bewahrt.

Rotenburg - Von Guido Menker. Jutta Wendland-Park muss selbst ein wenig schmunzeln. Der Zettel mit ihrer Vita liegt vor ihr auf dem großen Besprechungstisch in ihrem Büro. Sie wirft noch einmal einen Blick darauf und sagt: „Hätte man mir damals erzählt, was ich heute machen würde, ich hätte ungläubig geguckt.“ Heute ist die 61-Jährige Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke.

Und das seit fast zwölf Jahren. Damals wollte sie eigentlich nur eines: „Eine gute Pastorin sein.“ Das ist ihr gelungen. Aber der Job, den sie jetzt macht, hat nur noch wenige pastorale Anteile. In erster Linie ist sie Managerin des zweitgrößten Arbeitgebers im Landkreis.

Kein Zweifel: Jutta Wendland-Park ist eine jener starken Frauen, die an entscheidenden Stellen die Fäden in der Hand halten. Aus dieser Position heraus sei es ihr ein besonderes Anliegen, Frauen zu ermutigen, es sich zuzutrauen, auch Führungspositionen zu besetzen. „Es gibt gute Gründe für eine Frauenquote – aber ich war nie ein Fan von ihr. Wer möchte schon gerne eine Quotenfrau sein?“

Seit 2006 bei den Rotenburger Werken

Jutta Wendland-Park ist 1956 in Westrhauderfehn (Ostfriesland) zur Welt gekommen und hat 1975 in Leer ihr Abitur gemacht. Anschließend hat sie Theologie und Sozialwissenschaften in Göttingen studiert. Von 1982 bis 1984 nahm sie sich Pause für die Kinder, danach folgten ein Vikariat in Friedland sowie das zweite Theologische Examen. 

Nach der Ordination 1986 wirkte sie als Pastorin in den Kirchengemeinden Loquard und Leybuchtpolder (Krummhörn). Von 1993 bis 1998 hat sie an der Ostfriesischen Evangelischen Landvolkhochschule Potshausen mitgearbeitet, sie war stellvertretende Schulleiterin und Inhaberin der Pfarrstelle der Martin-Kirchengemeinde Potshausen. Es folgten acht weitere Jahre als Leiterin der Bildungsstätte Lutherstift in Falkenburg, und sie war Vorsteherin des Diakoniekonvents der Brüder- und Schwesternschaft Lutherstift Falkenburg. 2006 wechselte sie als Vorstandsvorsitzende zu den Rotenburger Werken.

„Ich war immer voll berufstätig“, sagt die Mutter von zwei Söhnen. Drei Umständen habe sie es zu verdanken, dass dieser Weg für sie überhaupt möglich geworden ist.

Gegen Vorbehalte durchgesetzt

„Meine Eltern haben mir das Abitur und auch das Studium ermöglicht. Das war zu der damaligen Zeit nicht selbstverständlich.“ Sie sei dankbar dafür, denn sie wisse: „Der Schlüssel liegt in einer guten Ausbildung.“ Und: „Ich habe einen Mann, der mich immer unterstützt und sich selbst zurückgenommen hat.“ Ohne die Einigung am „Familien-Konferenztisch“ wären auch die Umzüge so nicht möglich gewesen. „Mein Mann hat mir viel abgenommen und mir den Rücken freigehalten – und sich um die Kinder gekümmert.“ Der dritte glückliche Umstand: „Ich bin meiner Kirche dankbar, die viele berufliche Facetten bietet. Diakonie ist Kirche für mich. Mir geht es um die Verkündigung in Wort und Tat.“

Jede Woche schickt Jutta Wendland-Park einen Montagsgruß an die Mitarbeiter der Werke. Zuletzt hat sie den Frauentag zum Thema gemacht. „Es hat sich schon vieles verbessert, aber damit ist noch längst nicht alles gut. Auch bei uns muss man stellenweise noch genau hinschauen.“ Bemerkenswert: Jutta Wendland-Park war in allen Positionen, die sie bislang besetzt hat, stets die erste Frau. „Ja, das zieht sich bei mir so durch.“ 

Dass das nicht immer leicht gewesen ist, verschweigt sie nicht. Es habe hier und da auch Vorbehalte gegeben, aber sie habe viel gelernt – auch, sich durchzusetzen. „Männer und Frauen – beide haben ihre Stärken. Die Mischung macht’s“, ist Wendland-Park überzeugt. Sie setzt auf eine gute Zusammenarbeit, letztendlich gehe es um die Qualitäten. Die Pastorin: „Es hat sich da in den vergangenen Jahren schon viel verändert, aber nach oben hin wird es immer noch etwas dünner.“ Wichtig sei, sich ein gewisses Standing zu erarbeiten und klar zu sagen, was man will. „Aber das muss man in Führungspositionen eh.“

Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern

Und doch ist für die Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke der Spagat zwischen Beruf und Familie nach wie vor ein sehr wichtiges Thema. Rund 75 Prozent der Werke-Beschäftigten sind Frauen. Frauen, von denen viele ihren Weg in diesem Spannungsfeld finden müssen. „Wir sind für das Thema Beruf und Familie zertifiziert und bemühen uns, die Frauen entsprechend zu unterstützen und ihnen die Perspektiven zu verschaffen“, sagt Wendland-Park. 

Mit flexiblen Verträgen zum Beispiel. Und das gelinge in den meisten Fällen sehr gut. Zu erleben seien nämlich auch Frauen, die selbstbewusst sind und sagen, dass sie Karriere machen möchten. „Das ist gut, und dabei kann man sie unterstützen.“ Zu 100 Prozent sei das nicht immer umzusetzen, weil es um einen Betrieb geht, in dem Menschen rund um die Uhr entsprechend betreut sein müssen. „Es gibt also auch Grenzen der Flexibilität.“

Sie selbst war seinerzeit nicht angetreten, um Karriere zu machen. Das alles habe sich erst nach und nach so ergeben. Auf jeden Fall aber würde sie ihren bisherigen Weg heute genauso gehen wollen. „Ich mag es, zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen – das geht in Führungspositionen, und das mache ich bis heute gerne“, erklärt die 61-Jährige. Sie sei glücklich über ihr engagiertes Team. „Das ist ein Riesenschatz.“ Allerdings: Jutta Wendland-Park predigt heute nur noch recht selten, wenngleich sie sich ihre pastorale Identität bewahrt habe, die sich auf jeden Fall auch im Dienst am Nächsten wiederfinde. Doch heute wird sie eben als Managerin, und nicht so sehr als die gute Pastorin wahrgenommen.

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