Damwild-Brunftzeit beginnt und birgt Gefahren im Straßenverkehr

Vorsicht in der Dämmerung

Damwild ist dämmerungs- und tagaktiv. Autofahrer sollten daher besonders aufmerksam sein. - Foto: Kumpins

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Es ist Herbst und die warmen sonnigen Tage weichen zusehends kühleren und nebeligen Herbsttagen. Mit diesem Umschwung beginnt Anfang Oktober die Paarungszeit des heimischen Damwildes. Sie wird im jagdlichen Sprachgebrauch Brunftzeit genannt und dauert bis Anfang November. Der Höhepunkt, die sogenannte Hochbrunft, liegt in der zweiten Oktoberhälfte.

Das Damwild zieht während dieser Zeit besonders viel umher. Die Gefahr durch Wildunfälle ist jetzt gerade in der Morgen- und Abenddämmerung sehr hoch, speziell im Landkreis Rotenburg. Schließlich gilt dieser im Land Niedersachsen aufgrund der Größe des Bestandes dieser Wildtiere als Damwild-Hochburg, wie der Sprecher der Jägerschaft Rotenburg, Kuno Kumpins, erklärt. Die Jägerschaft rät daher Autofahrern, sich in den kommenden Wochen vor allem in der Dämmerung morgens und abends besonders vorsichtig im Verkehr zu bewegen und auf über die Straßen wechselndes Wild zu achten. Das Damwild ist dämmerungs- und tagaktiv und suche auch tagsüber freie Flächen zur Äsung auf, verbringt während der Vegetationszeit den Tag aber auch in großen Getreide- oder Maisäckern.

Dass das Damwild so häufig im Landkreis Rotenburg vorkommt, sei eine erstaunliche Entwicklung, so Kumpins. Schließlich wurde es erst in den Jahren 1935 bis 1940 in der Region angesiedelt. Wie hoch die Population von Damwild tatsächlich ist, „ist schwer einzuschätzen“, erklärt Kumpins auf Nachfrage. Die Tiere seien nicht zählbar, der Aufwand für eine Erhebung viel zu groß, da das Damwild unter anderem einen riesigen Flächenbedarf hat.

Hohe Abschusszahl erforderlich

Die Zahlen beruhen dabei auf den Streckenzahlen – also wie viele Tiere von den Jägern in der Saison geschossen werden. Im Landkreis Rotenburg kamen in den zurückliegenden Jagdjahren jeweils zirka 2500 Stück Damwild zur Strecke. „Das ist mit Abstand der höchste Wert in Niedersachsen“, sagt Kumpins. Dieser zahlenmäßig hohe Abschuss sei aber erforderlich, um Beeinträchtigungen durch Wildschäden in der Land- und Forstwirtschaft möglichst zu vermeiden. Die Zahl wird dabei nicht von der Jägerschaft bestimmt, sondern von der Landkreisverwaltung und beruht laut Kumpins auf Erfahrungswerten.

Dass so viel Damwild in der Region zuhause ist, „liegt wohl daran, dass unsere Kulturlandschaft mit ihren ausgedehnten Wäldern und naturbelassenen Mooren seiner Populationsentwicklung sehr entgegen kommt“, vermutet der Jäger. Eine besondere Rolle spiele aber auch die gravierende Verbesserung des Äsungsangebotes, die mit der Veränderung der landwirtschaftlichen Produktionsprozesse einhergegangen sei. Der vermehrte Anbau von Energiepflanzen wie Mais, Raps und Getreide würde die Bestandsentwicklung fördern, ebenso die in den letzten Jahrzehnten ausbleibenden strengen Winter. „Insbesondere die Einführung der sogenannten ,00-Raps-Sorte‘ in den 80er Jahren, der die Bitterstoffe weggezüchtet wurden, eröffnete dem Damwild ein enormes zusätzliches Nahrungsangebot“, so Kumpins. Die bessere Kondition des Damwildes zeige sich auch in vermehrt auftretenden Zwillingsgeburten.

Abseits der Gefahr im Straßenverkehr sei die Brunftzeit des Damwilds aber auch eine Chance, so Kumpins. Untersuchungen hätten ergeben, dass Damwild über einen langen Zeitraum immer wieder dieselben Brunftplätze aufsucht. Waldspaziergänger, die sich jetzt sehr ruhig verhalten, hätten also gute Chancen, die Brunft mit zu erleben.

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