Vorschlag kommt an

Stadt und Politik signalisieren Zustimmung zur Von-Düring-Kaserne

Auf dem Gelände der Kaserne ist Johann Christian von Düring begraben. Foto: Röhrs
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Auf dem Gelände der Kaserne ist Johann Christian von Düring begraben.

Rotenburg – Viele Jahre sah die Politik parteiübergreifend in Rotenburg keine Notwendigkeit, am Namen der Kaserne zu rütteln. Dass am Eingangstor der Name Lent zu sehen war, obwohl eben jener Nachtjäger-Pilot der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg historisch mittlerweile eher kritisch gesehen wird, wollte Bürgermeister Andreas Weber (SPD) vielmehr mit einer Informationstafel vor Ort befrieden.

Doch nach 54 Jahren stand im Herbst 2018 endgültig fest: Die Benennung nach Helmut Lent ist nach dem neuen Traditionserlass der Bundeswehr nicht mehr zeitgemäß.

Eine jahrelange Debatte in Rotenburg wurde beendet, und ein Jahr später gab es aus den Reihen der Soldaten einen neuen Vorschlag: Die Benennung nach Johann Christian von Düring, im 19. Jahrhundert hannoverscher Forstbeamter und Freikorpsführer in Diensten des Kurfürstentums und Königreichs Hannover in den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Sein Körper ist auf dem Kasernengelände begraben. Jetzt sagt auch Weber: „Eine gute Wahl.“ Das bestätigten ihm Rückmeldungen aus allen Kreisen der Rotenburger Bevölkerung sowie der Politik. Am Mittwoch hat der Verwaltungschef den nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss des Stadtrats über die Umbenennung informiert, dort habe es „ausschließlich Übereinstimmung“ gegeben. Nun sollen auch die restlichen Ratsmitglieder digital informiert werden. Eine Unterrichtung im Stadtrat, wie zunächst vorgesehen, hält Weber in Corona-Zeiten nicht für notwendig. Die Sitzung das Rates speziell dafür am Donnerstag ist abgesagt.

Politisch bedarf es keiner Zustimmung der Kommune zur Umbenennung. Dennoch ist es dem Standortältesten und Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Maik Münzner, wichtig, die lokalen Gremien mit einzubinden, wie es auch das militärische Beteiligungsverfahren vorsieht. Es spricht nun von einem „Signal, das wir uns erhofft haben“. Den Vorschlag werde er nun auch offiziell der Bundesverteidigungsministerin zur Unterschrift vorlegen. Hat Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) ihr Okay gegeben, könnte der neue Name schon bald am Eingangstor angebracht werden. Dort, wo jetzt noch „Lent-Kaserne“ unübersehbar an der B 71 steht, soll dann möglichst noch bis zum Sommer „Von-Düring-Kaserne“ erscheinen.

Mit der Umbenennung wolle man aber nicht den Namen Lent tilgen, sondern ihn schützen. Das sagt Bürgermeister Weber. Gerade die Familie Lents habe unter der jahrelangen Debatte leiden müssen. Auch wenn es Zweifel gebe, so bleibe Weber doch bei der Formulierung: „Helmut Lent kann man nicht nachsagen, dass er ein Nazi war.“ Die Familie von Düring wiederum – ein altes niedersächsisches Adelsgeschlecht mit Stammsitz im Kreis Cuxhaven – ist „hoch erfreut“ über das Vorhaben der Bundeswehr, wie Kommandeur Münzner betont. Er habe mit den heutigen Vertretern mehrfach gesprochen. Dass es darüber hinaus innerhalb der Soldatenschaft und der Zivilbevölkerung einen „breiten demokratischen Rückhalt gibt“, zeuge von der richtigen Wahl. Münzner, der im September 2018 mitten in der Namensdebatte das Kommando in Rotenburg übernommen hatte, sei froh, dass nun endlich ein Prozess zu Ende geführt werden könne, „der aufgewühlt hat“.

Dass man einen „Urvater der Jägertruppe“ als Namensgeber für die Kaserne, in der das Jägerbataillon 91 stationiert, gefunden habe, sei einer der guten Gründe für den Namen. Der andere seien die militärischen und menschlichen Vorzüge von Johann Christian von Düring, so wie sie überliefert sind. Von Düring habe sich durch Vaterlandsliebe und das Eintreten für seine Überzeugungen wie Treue verdient gemacht. Von Düring sei durch seine Dienstzeit als Fortsbeamter von 1820 bis 1838 in der heutigen Garnisonsstadt jemand, „der sich um Rotenburg verdient gemacht hat“. Mehr als 2 600 Hektar Fläche habe er mit Kiefern, Eichen und Buchen aufgeforstet. Wie sehr ihn das trotz seiner vielen zivilen und militärischen Stationen in bewegten Zeiten geprägt habe, beweist wohl auch sein letzter Wille: Von Düring ist 1862 in seinem selbst geschaffenen Rotenburger Eichenhain begraben. Sein Körper liegt dort – sein Herz mit dem seiner Frau auf dem Kirchhof.

Zur Person

„v. D. war ein tapferer, seinem Vaterland und angestammten Fürstenhaus mit aller Treue ergebener Soldat und ein durch und durch praktischer Forstwirth“, heißt es in der „Allgemeinen Deutsche Biographie“ über den neuen Namensgeber Johann Christian von Düring (der Jüngere). Von Düring wurde diesen Angaben zufolge am 16. April 1792 geboren und starb am 19. Januar 1862 in Hannover. Einem alten niedersächsischen Adelsgeschlecht entstammend, strebte er wie sein Vater eine Karriere als Forstwirt an. Da er so ein Patent als Fort- und Jagdjunker erwarb, entging er nach der Annexion Hannovers durch das Französische Kaiserreich dem französischen Militärdienst. Stattdessen schloss er sich während der Erhebung gegen Napoleon 1813 den Hannoverschen Truppen an und half dabei, ein Feldjägercorps aufzustellen. Mit diesem nahm er an den Kriegen gegen Napoleon teil, unter anderem bei der Schlacht von Waterloo 1815, wie es heißt.

1820 schied von Düring aus dem Militärdienst aus. Nur wenige Monate später wurde er Forstmeister zu „Rotenburg im Bremischen“. Hier war er bis 1838 tätig, anschließend übernahm er einem Rufe seines Königs Ernst August folgend als Gouverneur die Ausbildung des Kronprinzen Georg von Hannover. In Rotenburg wird ihm die Aufforstung großer Flächen im Luhner Forst zugeschrieben. Von Düring wurde schließlich 1862 im von ihm geschaffenen Rotenburger Eichenhain an der Seite seines Kampfgefährten der Befreiungskriege, Christian Schultz, beerdigt. Dort steht heute ein Granitdenkmal. Sein Herz liegt mit dem Leichnam seiner Ehefrau Marie Ulrike Friederike von Lindau auf dem Kirchhof. In Rotenburg erinnert die Düringstraße in der Ahe an den Forstwirt und Freiheitskämpfer – und bald der Kasernenname.

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