Der Argentinier Federico Enriquez Blanco macht ein FSJ in der Lebenshilfe

Von Buenos Aires nach Rotenburg

Federico Enriquez Blanco schneidet Elefanten aus Pappe aus.
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Für die Elefantengruppe schneidet der FSJler Federico Enriquez Blanco erstmal ein paar bunte Elefanten aus Pappe aus.

Der Argentinier Federico Enriquez Blanco tauscht seine Heimatstadt Buenos Aires für ein Jahr gegen das beschaulichere Rotenburg ein. Er macht ein Freiwilliges Soziales Jahr im Haus für Kinder der Lebenshilfe.

Rotenburg – „Hallo“, schallt es dem Besucher im Haus für Kinder der Lebenshilfe Rotenburg-Verden fröhlich entgegen. Ein paar Kinder werden gerade von ihren Eltern gebracht, andere sind schon da. Wer links um die Ecke durch den Flur geht, landet bei der Elefantengruppe. Krippenkinder im Alter von einem bis drei Jahren wuseln durch den Raum. Mittendrin sitzt Federico Enriquez Blanco. Er ist jetzt seit gut zwei Monaten in Rotenburg. Der Argentinier hat sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) entschieden und unterstützt die Erzieher bei der Arbeit.

Es ist das erste Mal, dass die Lebenshilfe am Standort Rotenburg sich beteiligt und einem Jugendlichen aus dem Ausland die Möglichkeit gibt, ein FSJ bei ihr zu absolvieren. Verden nimmt schon länger FSJler bei sich auf, überwiegend aus Südafrika. Zum einen soll Enriquez Blanco, der aus Buenos Aires kommt, den beruflichen Alltag kennenlernen, zum anderen soll der 18-Jährige das Leben, die Kultur und Freizeit in Deutschland erleben. „Es ist eine wertvolle Erfahrung, auch für die Mitarbeiter und Kinder“, sagt Geschäftsführer Marc Brockmann.

Um die ganze organisatorische Abwicklung rund um Flüge und Visa kümmert sich das evangelisch-lutherische Missionswerk (ELM) in Hermannsburg. Über die damit verbundene argentinische Partnerorganisation IERP (Iglesia Evangélica del Río de la Plata) kam Enriquez Blanco schließlich nach Deutschland. Nicht ohne Hindernisse: Sein Einsatz in Rotenburg hätte eigentlich viel früher beginnen sollen. Doch da Argentinien zeitweise wieder als Hochinzidenzland galt, durfte der junge Mann nicht ausreisen – das FSJ verlängert sich im Ganzen dadurch aber nicht.

In Rotenburg ist noch alles ein wenig Neuland für den Argentinier, auch wenn er sich so langsam einlebt. Dabei geht es von der Großstadt ins beschauliche Rotenburg beziehungsweise nach Waffensen: Denn dort ist er bei Familie Sayk – der Vater ist ein Arbeitskollege von Enriquez Blanco – untergekommen. Einen Platz zu finden, war in Corona-Zeiten gar nicht so einfach, erklärt Brockmann. Da waren die Familien eher zögerlich, jemanden aufzunehmen. „Aber es ist auch eine Bereicherung für die Familie“, findet er.

Die Unterbringung in einer Gastfamilie hat zudem viele Vorteile. Eine Wohnung anmieten, in der der FSJler dann alleine wäre, kam für die Lebenshilfe nicht infrage. So ist Enriquez Blanco nach der Arbeit nicht alleine, er hat Familienanschluss. Sogar mehr, als das Einzelkind gewohnt ist, denn plötzlich hat er vier kleine „Geschwister“ dazu bekommen. Das hilft vor allem in der Anfangsphase. „Die Organisation hat uns schon gesagt, dass die erste Zeit schwieriger ist. Aber es ist eine gute Erfahrung“, erzählt er. Enriquez Blanco vermisst zwar seine Familie und Freunde, doch über Whatsapp und Videotelefonate halten sie Kontakt. Sie unterstützen ihn da sehr, erzählt er, weil es eine tolle Erfahrung für ihn ist.

Durch den Familienanschluss ist er auch nach Feierabend gezwungen, Deutsch zu sprechen. Die Sprache ist eine Herausforderung, aber „ich möchte weiterlernen“, sagt der 18-Jährige, der bereits in seiner Heimat Unterricht genommen hat, als fest stand, dass es nach Deutschland geht. Zur Auswahl standen für ihn auch Paraguay und Uruguay, aber er ist froh, dass er nach Deutschland konnte. „Das ist nochmal eine ganz andere, besondere Erfahrung, eine neue Kultur, neue Leute.“

Das Sprechen fällt dem Argentinier sicherlich von Woche zu Woche ein wenig leichter – und im Notfall hilft ein Mix aus Spanisch, Englisch und Deutsch. „Oder es in das Telefon eintippen und übersetzen lassen“, sagt er und lacht. Auch die Krippenkinder fordern den Jugendlichen, er muss sich anstrengen, damit sie ihn verstehen. Die Sprache weiter lernen, ist eines der wichtigsten Ziele in den kommenden Wochen.

Ansonsten ist er fest in den Alltag integriert. Er hilft mit bei den Vorbereitungen, fasst dort an, wo Hilfe benötigt wird in der Versorgung der Kinder. Und natürlich: spielen und basteln. Das macht ihm Spaß, sagt er. Der Jugendliche hatte mehrere Optionen, als es um die Auswahl des Arbeitsbereichs ging – die Arbeit mit Kindern war sein Favorit. Für sein FSJ erhofft er sich mehr Klarheit, was er in seiner Zukunft machen möchte, zudem will er seine Stärken erkunden. Etwas mit Kindern kann er sich gut vorstellen, aber auch den Bereich soziale Arbeit. „Das möchte ich in diesem Jahr für mich herausfinden.“

Am Ende kramt Brockmann einen Artikel aus seiner Mappe hervor. Er ist schon etwas vergilbt. „Vor 30 Jahren war ich mal in Mexiko“, erzählt er. Dort sei auch er von einer Zeitung interviewt worden – und kennt die Herausforderung, sich in einer noch fremden Sprache zu äußern. Zum Üben hat Enriquez Blanco aber noch ganz viel Zeit – vor allem in den Ferien, die jetzt erstmal angefangen haben.

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