Statement vom Rotenburger Bürgermeister 

Weber über Angel-Kritik: „Vollkommen realitätsfern“

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Bürgermeister Andreas Weber

Rotenburg - Von Michael Krüger. Zur Debatte über Angelkurse im Rotenburger Kinderferienprogramm hat sich Bürgermeister Andreas Weber (SPD) noch einmal in einem ausführlichen Statement zu Wort gemeldet. 

Am Dienstag hatte die Tierrechtsorganisation Peta wie in anderen Kommunen bundesweit das Angebot in der Kreisstadt als „Tiere töten als Freizeitspaß für Kinder“ bezeichnet und mit einer Klage wegen Tierquälerei gedroht. Daraufhin hieß es zunächst, die Angelkurse würden gestrichen. Am Mittwochabend wurde dann bekannt, dass zumindest die Kooperation mit dem Angelsportverein Wümme im Kinderferienprogramm fortgesetzt werden soll.

Zur Klarstellung hat sich Bürgermeister Weber noch einmal ausführlich zu Wort gemeldet. Er war in der Debatte heftig attackiert worden, weil er gegenüber der durchaus umstrittenen Tierrechtler von Peta „eingeknickt“ sei.

„Überzogen und falsch“

Die Erklärung im Wortlaut: „Nach der intensiven Diskussion in der Rotenburger Kreiszeitung bezüglich der Forderung der Tierrechtsorganisation Peta und der undifferenzierten Reaktionen einzelner aufgrund der Berichterstattung der Rotenburger Kreiszeitung am 12. und 13. April möchte ich unsere Haltung in der Stadtverwaltung dazu einmal ausdrücklich erläutern: Die Kritik der Tierrechtsorganisation Peta, Angeln für Jugendliche und Kinder in Ferienprogrammen von den Städten anzubieten, halten wir für unverhältnismäßig überzogen und falsch. 

Die generelle Verunglimpfung des Angelns ist vollkommen realitätsfern und unangebracht. Denn diese Angebote der Angelvereine in den Ferienprogrammen vieler Städte und Gemeinden haben den unschätzbaren Vorteil der Nachwuchsgewinnung für die vielen Angelvereine in Deutschland.

Kinder und Angeln: Darüber ist in Rotenburg eine hitzige Debatte entbrannt.

In unseren Angelvereinen wird der sachgerechte Umgang mit Fischen gelehrt, der respektvolle Umgang mit unserer Umwelt, der Vermittlung von Kenntnissen über die frühzeitige Feststellung von Indikatoren von Störungen unseres Ökosystems, des Natur- und Artenschutzes, insbesondere aber des Gewässerschutzes. Um die Nachwuchsgewinnung sicherzustellen, sind die Teilnahmen an Kinderferienprogrammen von großem Wert. Davon habe ich mich in der Vergangenheit bei zahlreichen Veranstaltungen des Angelsportvereins Rotenburg überzeugt.

Deshalb wird dieses auch weiterhin Bestandteil unseres facettenreichen Kinderferien-Programmes in Rotenburg bleiben. Dieses habe ich auch mit dem Vorsitzenden des Angelsportverein Rotenburg besprochen und festgelegt. Die über 20-jährige gute Tradition wird weiterhin fortgesetzt.

„Populistische Tierschutzdiskussion“

Mein Ziel, unser so umfangreiches, arbeitsintensives und anspruchsvolles Kinderferienprogramm aus einer populistischen und nicht sachgerechten Tierschutzdiskussion mit dem Teilverzicht des Angelns bei einer Abenteuernacht mit Grillen und Übernachten am See herauszuhalten, ist fehlgeschlagen. Das bedauere ich für die vielen verantwortlichen Mitveranstalter sehr.

Den vielen ,guten Ratgebern', die ausschließlich aufgrund der Berichterstattung in der Rotenburger Kreiszeitung die beliebte, teils auch sehr unsachliche Bürgermeisterschelte geübt haben, geben ich den guten Rat, etwas mehr Gelassenheit an den Tag zu legen und sich vorher einmal bezüglich der grundsätzlichen Haltung und Motivation der Verantwortlichen zu erkundigen, bevor auch sie schnell ,die Keule' rausholen. Da sind sie offensichtlich im gleichen Boot – gemeinsam mit Peta.“

Peta kritisiert Kurswechsel 

Auch die Tierrechtsorganisation Peta hat sich am Donnerstag zu dem Thema geäußert. Auf ihrer Homepage schreiben die Aktivisten, dass sie sich bei der Stadt für die "mitfühlende und vorbildliche Entscheidung bedankt" hatten. Nun bedauern sie jedoch, dass die Stadt dem Druck, der durch die CDU und dem Angelverband angeübt worden wäre, nicht standgehalten hätte. Daher wäre das Angeln wieder in das Freizeitangebot aufgenommen worden. 

Weiter schreibt Peta: "'Der Druck seitens der CDU und des Angelverbands auf die Stadt muss aufhören', so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei Peta. „Kinder sind zwar gerne in der Natur, aber es kann traumatisierend für sie sein, zuzusehen, wie ein Fisch erschlagen und aufgeschnitten wird. Fische sind sensible Lebewesen und kein Spielzeug.“

Angeln als Ferienaktivität ist weder ethisch noch pädagogisch sinnvoll. Kinder lernen dabei, wie man friedliche Wirbeltiere in eine Falle lockt, ihnen einen Haken durch den Mund bohrt und sie tötet. Für Fische und Kinder ist dies eine traumatisierende Erfahrung.

Das Tierschutzgesetz erlaubt das Töten eines Wirbeltiers nur zum Verzehr. Beim Ferienangeln für Kinder steht jedoch der Freizeitfaktor im Vordergrund."

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