KOMMUNALWAHL Landratskandidat gibt gesundheitliche Gründe an

Volker Harling zieht zurück

 Volker Harling bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur in einem Livestream.
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Im April hatte der bis dahin politisch nicht in Erscheinung getretene Volker Harling in einem Livestream seine Landratskandidatur bekannt gegeben. Nun zieht er sie wieder zurück.

Rotenburg – Plötzlich ist alles anders. Nachdem SPD und Grüne im Landkreis Rotenburg über viele Monate gemeinsam nach einem geeigneten Kandidaten für die Landratswahl am 12. September gesucht und diesen schließlich im parteilosen Volker Harling aus Rotenburg gefunden haben, stehen sie jetzt wieder mit leeren Händen da: Aus gesundheitlichen Gründen zieht Harling seine Kandidatur zurück – das hat er den Vorständen der beiden Parteien in einer Video-Konferenz mitgeteilt.

  • Volker Harling: Rückzug aus gesundheitlichen Gründen
  • SPD und Grüne stehen plötzlich ohne Landratskandidat da
  • CDU-Kandidat Marco Prietz wünscht Volker Harling alles Gute

Erst am 22. April hatten diese ihn in Zeven offiziell vorgestellt. Weder die SPD noch Bündnis 90 / Die Grünen werden die noch verbleibende Zeit nutzen, um einen neuen Kandidaten aus dem Hut zu zaubern. Das erklären Ina Helwig für die SPD und Hans-Jürgen Schnellrieder für die Grünen. Die SPD-Vorsitzende: „Allein schon aufgrund der Kürze der Zeit.“

Vor diesem Hintergrund sieht es danach aus, als sollte CDU-Politiker Marco Prietz als einziger Kandidat am 12. September ins Rennen gehen. Die SPD, sagt er, habe ihn über die neue Situation informiert. Hans-Jürgen Schnellrieder: „Das ist eine Sache des Anstands. Man kann unterschiedlicher Meinung sein, aber man sollte immer respektvoll miteinander umgehen.“ Auch für Ina Helwig und ihren Co-Vorsitzenden Nils Bassen sei das eine Sache des Anstands und der Wertschätzung. Werte, die im kommunalen Wahlkampf ohnehin wieder mehr Gewicht bekommen sollten.

Prietz reagiert mit nur wenigen Sätzen auf die Entscheidung des Mitbewerbers im Kampf um den Chefposten im Kreishaus: „Ich wünsche Herrn Harling eine rasche Genesung und für seine persönliche Zukunft alles Gute.“ Die aktuelle Situation ändere allerdings nichts an seiner Wahlkampfplanung. „Mir ist es unverändert wichtig, mit möglichst vielen Menschen bis zur Wahl ins Gespräch zu kommen und auf die Kommunalwahlen aufmerksam zu machen.“ Deshalb setze er seine Zukunftsgespräche, Wanderungen sowie seine Sommertour wie geplant fort.

Volker Harling

Die Redaktion erreicht am Mittwoch eine E-Mail mit einer Pressemitteilung zu der neuen Situation. Ein Zitat von Harling fehlt darin. Telefonisch ist der Rotenburger ebenfalls nicht zu erreichen. Grüne und SPD beteuern, wie sehr sie die Entscheidung Harlings respektieren. Aber dennoch stehe die Kommunalwahl für sie weiterhin klar im Fokus. Beide Parteien drücken ihr Bedauern darüber aus, dass es ihnen nicht möglich ist, „den Menschen im Landkreis eine echte Wahl-Möglichkeit anbieten zu können“.

Ina Helwig unterstreicht, dass man dennoch Ziele habe. „Die neue Situation ändert nichts daran, dass wir in der Politik mitbestimmen wollen. Wir wissen nicht, was am 12. September dabei herauskommt, aber wir setzen alles daran, ein Super-Ergebnis zu erzielen.“ Hans-Jürgen Schnellrieder stößt ins gleiche Horn und ist überzeugt davon, stark besetzte Kandidatenlisten zu haben.

Helwig sieht in Harlings Rückzug „keinen Rückschlag in Sachen Motivation“. Der Vorstand halte die SPD im Landkreis für stark. „Für Volker Harling tut uns das sehr leid.“ Die gesundheitlichen Probleme des parteilosen Kandidaten haben sich laut Schnellrieder schon in der vergangenen Woche abgezeichnet. „Wir mussten einige Termine absagen.“ Am Montag dann kam die Entscheidung des politisch bislang weitgehend unbeleckten Volker Harling.

Schnellrieder hält es für „tragisch“, dass den Menschen nach dem jetzigen Stand am 12. September keine wirkliche Wahl bleibe. Dennoch sei man „realistisch, dass sich jetzt keine Alternative“ mehr finden lasse. Auch die Grünen wollen, ähnlich wie die SPD, an ihrem „starken Wahlkampf“ festhalten. „Wir wissen, was wir wollen und machen werden.“ Auch die Grünen wollen am Ende mitgestalten. Am Samstag wolle sich der Kreisvorstand zusammensetzen und eine Bewertung der Situation vornehmen.

Kommentar von Michael Krüger

Keine Qual der Wahl

Die Chancen von Volker Harling, Landrat zu werden, waren realistisch betrachtet eher gering. Der bislang weder im politischen noch im öffentlichen gesellschaftlichen Leben im Landkreis in Erscheinung getretene Rotenburger wäre gegen Schwergewicht Marco Prietz der klare Außenseiter bei der Wahl am 12. September gewesen. Nun zieht er seine von SPD und Grünen unterstützte Kandidatur zurück, führt gesundheitliche Gründe an. Das zu kritisieren oder zu hinterfragen, gehört sich nicht. Man wünscht vielmehr gute Besserung. Häme, dass SPD und Grüne nach sehr sehr langem Hin und Her und der Absage anderer potenzieller Kandidaten von der rotgrünen Wunschliste nun blank dastehen, gibt es am Tag der Verkündung von keiner politischen Gegenseite.

Harling erspart sich nun die Qual des Wahlkampfs, für den er bei seinen wenigen öffentlichen Auftritten in den vergangenen Wochen auch nicht geschaffen schien. Er ist offensichtlich ein guter Manager, ein ruhiger Typ mit unternehmerischen Fähigkeiten. Das Duell um das Landratsamt gegen den ambitionierten Politik- und Verwaltungsprofi Prietz war diesbezüglich ein sehr ungleiches. Für die Bürger im Landkreis gibt es jetzt keine Wahl mehr bei der Wahl. Ob das wie von den Grünen gesagt „tragisch“ ist, wird die Zeit danach zeigen. Denn Landrat Prietz wird an seiner dann folgenden Arbeit gemessen, nicht am eloquenten Auftritt im Wahlkampf.

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