Vogelgrippe: Landkreis ordnet Stallpflicht für Geflügel an

Ab in den Stall

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Auch die Gänse von Züchter Heiko Nalesinski in Borchel müssen ihre Wiese verlassen und in den Stall watscheln.

Rotenburg - Von Michael Krüger. H5N1 ist bereits zehn Jahre her, doch noch in bester Erinnerung. Es gab keine Fälle der damaligen großen Vogelgrippe-Epidemie im Landkreis Rotenburg – aber durchaus massive Befürchtungen. Nun ist H5N8 da, ein neuer Influenza-Stamm. Und auch das Geflügel im Landkreis Rotenburg muss acht Jahre nach der letzten Anordnung durch das Veterinäramt erstmals wieder geschlossen in den Stall.

„Aufgrund der aktualisierten Risikobewertung des Friedrich-Löffler-Institutes, die ein hohes Risiko der Einschleppung des Geflügelpestvirus durch Zugvögel sieht, ist die Aufstallung des gesamten Geflügels im Landkreis notwendig“, hieß es am Donnerstagnachmittag in einer Mitteilung des Landkreises. Nach Angaben von Kreisveterinär Joachim Wiedner gilt die Anordnung, die auf eine allgemeine Regelung des Landes folgt, formell ab Sonnabend – es werde aber auch niemand daran gehindert, die Tiere schon vorher in den Stall zu bringen. Das erhöhe schließlich die Chance, dass der Landkreis verschont bleiben würde.

In Mecklenburg-Vorpommern war die Vogelgrippe mit dem Erreger H5N8, die lange Zeit nur in Asien vorkam, bereits Anfang November in einem Betrieb mit 31000 Puten ausgebrochen. Zudem war am Wochenende erstmals in Europa auf Rügen bei einem Wildvogel der Erreger nachgewiesen worden. Entdeckt wurde es in einer Krickente. Damit erhärtet sich der Verdacht, dass die Ausbrüche der vergangenen Wochen in europäischen Nutztier-ställen auf Wildvögel zurückgehen. Krickenten leben in weiten TeilenEurasiens.

Rastplätze für Zugvögel finden sich im Landkreis Rotenburg insbesondere im Tister Bauernmoor, in den Hepstedter Weiden, im Huvenhopsmoor und entlang der Oste, aber auch am Bullensee und an vielen anderen Orten. Deshalb ist die Aufstallung des Geflügels laut Wiedner im Gesamtkreis erforderlich. Das gelte auch für private Halter. Ausnahmen von der Aufstallungspflicht, zum Beispiel für Gänsehaltungen, bei denen keine Aufstallungsmöglichkeiten existieren, seien auf Antrag möglich. Nicht betroffen seien dagegen Taubenzüchter – ihre Tiere blieben von der Vogelgrippe verschont. Ob der Erreger auch für Menschen gefährlich ist, sei noch nicht abschließend geklärt, sagt Wiedner: „Infektionen des Menschen sind bislang aber nicht bekannt.“ Das sei bei H5N1 noch anders gewesen. Damals steckten sich weltweit rund 600 Menschen an, zahlreiche starben. Für das Geflügel ist auch H5N8 sehr gefährlich, eine Erkrankung ende in den meisten Fällen tödlich.

1,7 Millionen Tiere Federvieh leben nach Angaben des Veterinärs im Landkreis. Überwiegend natürlich Hühner – rund 1,5 Millionen. Da diese zumeist in großen Mast- oder Legehennen-Betrieben und damit in Ställen gehalten werden, habe die Anordnung keine gravierenden Folgen. Das bestätigt auch Jörn Ehlers, Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbandes. Er halte die Stallpflicht unter den gegenwärtigen Bedingungen für sinnvoll, hätte sich aber klarere Aussagen der Landesregierung gewünscht. Es reiche nicht aus, den Landkreisen die Wahl zu lassen. Welche finanziellen Auswirkungen die Stallpflicht habe, lasse sich noch nicht abschätzen. Ehlers: „Betroffen sind vor allem Nischen- und Kleinbetriebe.“

Wie der von Heiko Nalesinski in Borchel. Rund 800 Gänse und Enten leben auf dessen Hof, alle in Freilandhaltung. „Wir hatten aber schon eine Ahnung und haben frühzeitig etwas mehr geschlachtet“, berichtete der Geflügelzüchter. Die Tiere, die noch nicht als Weihnachtsbraten im Kühlschrank liegen, fänden nun Platz in den Ställen. Ohne diese Voraussicht wäre es aber eng geworden in Borchel – und die Kühe hätten ihren Stall räumen müssen. Grundsätzlich zweifelt Nalesinski an der „Alibi-Stallpflicht“ für alle. Denn die Vogelgrippe sei doch bislang stets nur in Stall-Massenhaltungen aufgetreten. Die Übertragung über Futtermittel oder andere Wege halte er als viel wahrscheinlicher als über Wildvögel.

Wie lange die Landwirte, Geflügelzüchter und Privathalter ihre Tiere nun im Stall lassen müssen, ist noch unklar. Laut Kreisveterinär Wiedner mindestens für die Zeit des Vogelzugs – und der könne noch bis Mitte Januar dauern.

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