Vier Frauen arbeiten in für sie ungewöhnlichen Berufen

„Die dummen Sprüche sind schnell vorbei“

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Christina Hinrichs ist Zimmerin, auf keinen Fall „Zimmerfrau“.

Rotenburg - Von Michael Schwekendiek. Wir haben uns (fast) daran gewöhnt, dass Maler- und Anstreicherinnen den Pinsel schwingen, Bäckerinnen unsere Brötchen backen, Tischlerinnen Fenster bauen und Optikerinnen unsere Sehkraft untersuchen. Ohne Frauen in handwerklichen Berufen geht schon lange nicht mehr. Aber in manchen Gewerbezweigen sind sie doch noch eher selten. Unser Autor hat sich umgesehen.

Cornelia Oldenburg ist 23 Jahre alt. Eigentlich wollte sie mal in einer Tierarztpraxis als Fachangestellte arbeiten – keine Chance. Ihre Ausbildung, die sie in Spanien absolviert hat, wird in Deutschland nicht anerkannt. Und dann ist das auch genau der Beruf, in dem sehr viele Frauen arbeiten wollen.

Also musste eine Alternative her. Und was liegt da näher als: Berufskraftfahrerin? Tatsächlich sitzt sie jetzt für die Spedition Oetjen in Rotenburg hinter dem Steuer eines 40-Tonnen-Trucks und fahrt täglich von Rotenburg nach Leverkusen und zurück. In der Regel nachts.

Sie hat eine dreijährige Ausbildung hinter sich: Führerschein, Staplerschein, Lagerarbeit, Beifahrerin – alles von der Pike auf. Seit gut einem Jahr fährt sie nun selbst. Eine absolute Minderheit unter den Truckern des Landes. Aber Cornelia Oldenburg ist sich mit ihren männlichen Kollegen einig: Das ändert sich.

Autos schienen mal reine Männersache zu sein. Diese Zeiten sind vorbei. Frauen fahren Lkw, arbeiten als Testfahrerinnen, als Taxifahrerinnen sowieso – und sie schrauben auch an unseren fahrbaren Untersätzen herum.

Beim Autohaus Holst in Scheeßel sind es gleich zwei Frauen, die die Ausbildung zur Mechatronikerin absolvieren. Eine von ihnen ist Denise Lehmann (21). Nach Real- und Berufsfachschule ist sie inzwischen fast fertig mit ihrer Ausbildung. „Ich hab‘ schon mit meinem Papa alte VW-Käfer restauriert“, erzählt sie lächelnd. Der Job macht ihr großen Spaß. „Autos sind mein größtes Hobby“, meint sie.

Auf die Frage, was denn das tollste Auto sei, was sie so unter den Fingern hatte, nennt sie nicht etwa eine der gängigen Luxuskarossen, sondern schnell und eindeutig: „Immer noch der Käfer!“ Vielleicht baut sie auf ihre Ausbildung mal auf und wird Auto-Verkäuferin. „Da ist es immer gut, wenn man auch die andere Seite kennt.“ Aber erst einmal ist noch die Gesellinnen-Prüfung dran: „Hoffentlich mit einem ‚gut‘!“

Die weibliche Form des „Zimmermanns“ ist nicht die „Zimmerfrau“. „Zimmerin“ heißt das – und der Mann inzwischen auch meistens und korrekt „Zimmerer“. Zwei, die das genau wissen, arbeiten bei Ing-Holzbau Cordes in Waffensen: Tessa Kuhle (22) und Christina Hinrichs (18). Sie sind beide in der Ausbildung zur Zimmerin – umgeben von lauter Männern. „Daran gewöhnt man sich schnell“, meint Christina Hinrichs, „und die ganz dummen Sprüche sind auch schnell vorbei.“

Sie hat ihr Abitur in der Tasche und will nach der Lehre vielleicht den Meister machen oder auch studieren. Und irgendwann steht wohl an, den Zimmereibetrieb ihres Vaters in Tostedt zu übernehmen. Ihre Kollegin Tessa Kuhle hat kein Abitur und wollte vor allem „auf keinen Fall ins Büro“. Sie liebt die Abwechslung in ihrem Job, ist mal gerne auf irgendeiner Baustelle, aber auch in einer der großen Hallen ihrer Ausbildungsfirma und dort am liebsten an der Zuschneidemaschine.

Regelmäßig geht‘s morgens um 6 Uhr los. Nicht zu früh? „Nee, daran gewöhnt man sich – und außerdem freue ich mich auf meine Arbeit.“ Beim Verlassen der Halle fegen die Männer gerade den Staub weg, während Christina Hinrichs den großen Tacker führt, der ihr mindestens so vertraut ist, wie den Männern der Besen. Geht doch, mit der Gleichberechtigung.

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