„Vieles entsteht aus einer Idee“

Jazz-Musikerin Lisa Hoppe spricht über ihre Heimatstadt, Ziele und besondere Konzerte

Am 18. März tritt Lisa Hoppe mit ihrer Band Esche in ihrer Heimatstadt Rotenburg auf. - Foto: Sagmalspaghetti

Rotenburg - Von Farina Witte. Lisa Hoppe kommt mit ihrer Band Esche für ein Konzert nach Rotenburg. Hoppe ist in der Kreisstadt aufgewachsen und hat sich nach der Schule komplett der Musik gewidmet. Sie spielt Kontrabass und ist in verschiedenen Ensembles aktiv. Mit dem kammermusikalischen Trio Esche kommt sie am 18. März für ein Konzert nach Rotenburg. Was die 29-jährige Musikerin derzeit in New York macht und was sie mit ihrer Heimatstadt Rotenburg verbindet, erzählt sie im Interview.

Sie sind in Rotenburg aufgewachsen, spielen aber mittlerweile in einer Schweizer Band. Wie kam es dazu?

Lisa Hoppe: Ich habe in Bremen Jazz-Kontrabass studiert und dann einen Erasmus-Aufenthalt in Bern gemacht. Dann habe ich mich entschlossen, dort weiter zu studieren. Das war 2012. Mein Studium habe ich dann 2015 abgeschlossen und weiter in Bern gewohnt. Seit November lebe ich nun in New York.

Die neue CD der Band Esche heißt „Der Dichter spricht“.

Warum haben Sie sich entschieden, dorthin zu ziehen?

Hoppe: Die Stadt ist ein kulturelles Zentrum – vor allem für Jazz-Musik. Ich möchte die Möglichkeiten nutzen, die sich mir hier bieten. Der Kontakt zu Europa bricht dadurch aber nicht ab. Ich komme häufig rüber, sei es für die Tourneen oder für die CD-Produktionen.

Ist New York für alle Bandmitglieder von Esche die neue Heimat?

Hoppe: Nein, nur ich bin hier. Es war meine Entscheidung, denn ich möchte die Zeit hier nutzen, um meinen musikalischen Horizont zu erweitern. Ich sehe es als Chance, um mich weiter zu entwickeln. Noch weiß ich nicht, wie lange ich hierbleiben werde.

Wie sieht denn Ihr Alltag in New York aus?

Hoppe: Ich spiele einige Gigs, vor allem in Restaurants. Und ich nutze die starke Jazz-Szene aus, besuche viele Konzerte, trete mit anderen Musikern in Kontakt und nehme Unterricht. Außerdem nutze ich die Zeit, um zu komponieren.

Violine, Piano, Kontrabass: Esche ist ein instrumentales Trio. Wieso gibt es kein Gesang in Ihren Songs?

Hoppe: Von uns dreien ist niemand ein ausgebildeter Sänger oder Sängerin. Wir sind uns vor fünf Jahren in Bern über den Weg gelaufen und haben angefangen, miteinander zu spielen. Daraus haben wir einen gemeinsamen Stil entwickelt und eine Vision, was für Musik wir zusammen machen wollen. Wir möchten mit unserer Musik einen erzählerischen Bogen spannen, hören aber dafür als Instrumente keinen Gesang, sondern nur den Klang von Geige, Piano und Kontrabass.

Als Band haben Sie schon einige Auftritte hinter sich. Was war Ihr schönstes Konzert?

Hoppe: Vergangenes Jahr haben wir in Dänemark auf dem Jazz-Festival in Aarhus gespielt. Das war ein tolles Konzert. Und wir haben auf der MS Stubnitz in Hamburg gespielt, ein altes Schiff, das zu einen Konzertort umfunktioniert wurde. Ein Auftritt im Bauch eines Schiffes, das war auf jeden Fall etwas Besonderes. Wir improvisieren viel auf den Konzerten, da haben solche besonderen Orte auch Auswirkungen auf unsere Musik.

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration für die Musik?

Hoppe: Vieles entsteht aus einer Idee, also eher aus einem Einfall, der dann zu einer Komposition heranwächst. Es können aber auch Bilder oder Erlebnisse sein: Wir haben zum Beispiel ein Stück über eine 17-stündige Busfahrt im Programm. Wichtig ist uns, dass wir den kammermusikalischen Klang des Ensembles immer im Blick haben.

Sie sind eine Jazz-Band. Haben Sie auch andere Einflüsse in Ihrer Musik?

Hoppe: Ja, zum Beispiel Klassik. Wir mögen aber auch alle drei populäre Musik, wie zum Beispiel die isländische Künstlerin Björk, und improvisierte Musik. Wir haben da auch einiges aus unserem Studium mitgenommen. Wenn man Jazz studiert, bekommt man ja nicht nur das mit. Gerade mein Studium in Bern war sehr zeitgenössisch.

Entstehen die Lieder für Esche in Zusammenarbeit oder arbeitet einer von Ihnen federführend daran?

Hoppe: Wir komponieren alle drei in der Band. Meistens bringt jemand ein neues Stück oder eine Idee mit in die Probe, und dann erarbeiten wir zusammen ein Arrangement. Auf dem Album hat jeder von uns etwa die gleiche Anzahl an Liedern komponiert, das ist also ziemlich ausgewogen.

Nach „Leiser Protest“ haben Sie nun Ihr zweites Album draußen. Wann haben Sie die Arbeit dazu aufgenommen?

Hoppe: Schon im Sommer haben wir das Album aufgenommen. Es heißt „Der Dichter spricht“ und wird am 16. März veröffentlicht. Es erscheint im QFTF Label.

Sie leben mittlerweile schon recht lange nicht mehr in Rotenburg. Welche Verbindungen haben Sie noch in Ihre Heimatstadt?

Hoppe: Ich bin in Rotenburg geboren und aufgewachsen. Meine Familie wohnt noch dort, und ich habe generell noch viele Verbindungen mit Freunden oder Bekannten. Ich habe noch guten Kontakt zu einigen Leute der Stadtkirche, da ich dort selbst in der Gemeindearbeit aktiv war. Und am Ratsgymnasium habe ich eine kurze Zeit lang die Jazz-AG übergangsweise geleitet. Mit Esche habe ich bereits drei Konzerte in Rotenburg gegeben. 2014 war unser erstes Konzert im Haake-Meyer. Dann waren wir im Sommer im Gemeindesaal der Stadtkirche. Dort sind wir nun am 18. März noch einmal und stellen auch unser neues Album vor.

Wann hat Ihre Begeisterung für Musik angefangen?

Hoppe: Das hat schon in der Schulzeit begonnen. Ich habe am Ratsgymnasium eigentlich alle musikalischen Angebote wahrgenommen – Big Band, Musical, Orchester. In meiner Freizeit habe ich dann als Teenagerin in der Band „Gemeinschaftspraxis“ gespielt. Die Band hat damals im Kulturbahnhof geprobt, und so lernte ich auch andere Bands aus der Region kennen. In „Schmidt’s Kneipe“ war ich oft bei den Live-Sessions, als Zuschauerin und später auch selbst als Musikerin. Auch wenn Rotenburg klein ist, habe ich alle Möglichkeiten, mit Musik in Kontakt zu kommen, genutzt.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Hoppe: In den nächsten anderthalb Jahren habe ich vor, als Bandleader ein Album zu produzieren. Die Zeit hier in New York möchte ich nutzen, um Kontakte zu knüpfen und beruflich weiter voranzukommen. Mit den bestehenden Bandprojekten – ich spiele neben Esche noch in einer weiteren Schweizer Band – möchte ich auch in der Zukunft weiter zusammenspielen. Gleichzeitig habe ich vor, unabhängig davon als Musikerin zu arbeiten. Ich will auch noch in verschiedenen Ländern auftreten, in denen ich bisher nicht war, zum Beispiel in Japan oder China.

Und wie sehen die Pläne als Band aus?

Hoppe: Wir haben natürlich eine Menge Pläne und Träume für die Zukunft, zum Beispiel noch mehr und längere Tourneen im Ausland zu spielen, international bekannter zu werden. Aber Hauptsache, wir arbeiten weiter zusammen an unserer gemeinsamen Musik und kommen so immer weiter – da ist eher der Weg das Ziel.

Sie haben lange in der Schweiz gelebt, jetzt in New York. Können Sie sich vorstellen, nach Norddeutschland zurückzukehren?

Hoppe: Das ist ein bisschen zweigeteilt. Ich habe viele Freunde und Kontakte in der Schweiz, gleichzeitig fühle ich mich schon mit meiner Heimat verbunden. Als Jazz-Musikerin ist es in Rotenburg allerdings schwierig, denke ich. Aber nach Hamburg zu ziehen, könnte ich mir schon vorstellen.

Die Band Esche

Das kammermusikalische Trio setzt sich zusammen aus Laura Schuler (Violine), Luzius Schuler (Piano) und Lisa Hoppe (Kontrabass. Sie kommen aus der Berner Jazzszene und sind in der Schweiz aber auch im Ausland unterwegs. Die drei Musiker spielen im Schnitt 25 Konzerte pro Jahr.

Im März geben sie fünf Auftritte in Deutschland, darunter einen in Rotenburg. Am Sonntag, 18. März, tritt das Trio im Gemeindesaal der Stadtkirche auf. Beginn ist um 16 Uhr.

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