Viele Worte, aber keine Zahlen

Rotenburg bringt Eröffnungsbilanz zum Abschluss

+
Kämmerin Kristina Hollmann (r.) und ihre Stellvertreterin Anna Recklies freuen sich: Die Eröffnungsbilanz steht.

Rotenburg - Von Guido Menker. Die Pressekonferenz im Rotenburger Rathaus dauert rund eine Stunde. Bürgermeister Andreas Weber (SPD) spricht von einem „Meilenstein“. Zusammen mit der Ersten Stadträtin Bernadette Nadermann, der Kämmerin Kristina Hollmann und ihrer Stellvertreterin Anna Recklies teilt er mit, dass die Stadt gemäß einer Absprache aus dem vergangenen Jahr zum 30. Juni alle Daten für die Eröffnungsbilanz an den Landkreis geschickt hat. Die entscheidende Frage beantwortet Weber an diesem Morgen aber nicht: Wie viel ist die Stadt Rotenburg eigentlich wert?

„Wir warten damit ab, bis die Prüfung erfolgt ist“, sagt der Bürgermeister. Kristina Hollmann nickt zustimmend und dokumentiert damit eine vorsichtige Herangehensweise. Zu viel ist in den vergangenen Jahren auf politischer Ebene diskutiert und auch gestritten worden, wenn es um die Umsetzung der seit 2012 überfälligen Eröffnungsbilanz ging, die mit der Umstellung auf die doppische Haushaltsführung der städtischen Finanzen erforderlich geworden war. Viele Worte innerhalb einer Stunde also, aber keine Zahlen – zumindest nicht an der entscheidenden Stelle. Immerhin: Der Bürgermeister ist sich sicher, dass unter dem Strich ein gutes Ergebnis beim Verhältnis der vorhandenen Werte auf der einen und der städtischen Verbindlichkeiten auf der anderen Seite stehen wird. Hollmann wagt es nur, ihrem Optimismus Ausdruck zu verleihen. Man kann ja nie wissen.

Einige Wochen werden also noch ins Land gehen, bis öffentlich wird, welche Werte die Stadt hat. Bei der Beantwortung dieser so simpel klingenden Frage gilt es, sämtliches Vermögen zu berücksichtigen. Gebäude, Straßen, Radwege, Beleuchtung, Abwasserkanäle, die Kläranlage, Grundstücke, Friedhöfe, Brücken, aber auch die Löschwasser-Entnahmestellen in der Kreisstadt, die Spielplätze sowie die Zuschüsse, die Rotenburg bei Investitionen erhalten hat, fließen detailgenau in das Zahlenpaket mit ein. „Dabei geht es beispielsweise um 109 Gebäude und mehr als 800 Straßenbauabschnitte auf einer Länge von 130 Kilometern“, erklärt Kristina Hollmann. 1 500 Flurstücke sind ebenfalls zu bewerten. Dahinter stecke das Sichten von unzähligen Akten, um die ursprünglichen Investitionen festmachen zu können. „Für diese geleistete Arbeit möchte ich dem Team von Frau Hollmann danken“, sagt der Bürgermeister. In diesen Dank bezieht er auch die Mitarbeiter im Rechnungsprüfungsamt beim Landkreis für die konstruktive Begleitung sowie die Politiker mit ein, die der Verwaltung das nötige Vertrauen entgegengebracht hätten.

„Es war eine schwierige Situation, die wir zu bewältigen hatten“, richtet Weber den Blick noch einmal zurück auf die Ausgangslage im vergangenen Jahr. Und die sei noch schwieriger geworden, weil es in der Leitung der Kämmerei auch einen Wechsel gegeben hat, nachdem Hans-Joachim Bruns in den Ruhestand gegangen war. Seit November ist das Führungsteam mit Anna Recklies wieder komplett.

Die Arbeit wird aber nicht weniger: Denn wenn die Eröffnungsbilanz abschließend geprüft und möglicherweise im Herbst auch den Stadtrat passiert hat, geht es um die Erarbeitung der noch fehlenden Jahresabschlüsse seit 2012. „Für den ersten Jahresabschluss können wir mit einer Bearbeitungszeit von einem Jahr rechnen“, erklärt die Kämmerin. Für die dann noch folgenden Jahre werde sich die Dauer verkürzen, weil man auf Routinen zurückgreifen könne. Dennoch seien mehrere Jahre erforderlich, ehe Rotenburg mit Blick auf die Umstellung auf den aktuellen Stand kommt.

Warum hat Rotenburg so lange damit gewartet? Weber antwortet mit einer eigenen Frage, die auf die Zeit vor seinem Amtsantritt zielt: „Warum hat Rotenburg nicht schon 2007 den Haushalt umgestellt?“ Was die Eröffnungsbilanz betrifft, stellt Recklies fest: „Man sieht, dass früher angefangen und sehr viel Energie eingesetzt worden ist.“ Letztendlich hat Kristina Hollmann aber noch einmal bei Null angefangen. Immerhin: „Jetzt haben wir eine Basis, auf die sich aufbauen lässt“, stellt Weber fest.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Türkische Opposition fürchtet weiter Repressionen

Türkische Opposition fürchtet weiter Repressionen

Nur Platz zwei nach Werth-Desaster beim CHIO

Nur Platz zwei nach Werth-Desaster beim CHIO

Das sind die acht schönsten Strände am Gardasee

Das sind die acht schönsten Strände am Gardasee

Das Werder-Donnerstagstraining

Das Werder-Donnerstagstraining

Meistgelesene Artikel

Summer Sensation am Weichelsee: Polizei leitet mehrere Verfahren ein

Summer Sensation am Weichelsee: Polizei leitet mehrere Verfahren ein

Giftalarm im DMK-Werk in Zeven-Aspe

Giftalarm im DMK-Werk in Zeven-Aspe

Neues Wolfsrudel im Landkreis Rotenburg

Neues Wolfsrudel im Landkreis Rotenburg

Diakonieklinikum feiert Richtfest der interdisziplinären Komfortstation

Diakonieklinikum feiert Richtfest der interdisziplinären Komfortstation

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.