Pflichten für Rotenburger Bürger

Zu viele Fundkatzen

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Ob die Katzenkinder Kola und Kimba so friedlich wie jetzt spielen können, stand lange auf der Kippe.

Im April hat der Rat der Stadt Rotenburg eine Entscheidung getroffen: Wer freilaufende Katzen hält oder diese regelmäßig füttert, ist verpflichtet, sie ab einem Alter von fünf Monaten kastrieren zu lassen sowie zu chippen und registrieren. Doch anscheinend setzen diese Maßnahme nur wenige Halter um.

Mulmshorn – Kola und Kimba kommen gerade vom Tierarzt. Friedlich krabbeln sie in ihrer Box umher und beobachten ihre Umgebung mit wachen Augen. Dass die fast zwei Monate alten Katzenkinder leben, ist fast ein kleines Wunder: Ihre Mutter Keks, eine Fundkatze, war bei der Geburt gerade einmal neun Monate alt – selbst noch ein Baby. Kola und Kimba wogen 66 und 74 Gramm, ihre drei Geschwister sind kurz nach der Geburt gestorben. „Wir mussten sie trennen – und die Mutter hatte ohnehin keine Milch“, erklärt Silke Wingen, Vorsitzende des Tierschutzvereins für den Landkreis Rotenburg. Die Freigängerin war nicht kastriert, wem sie gehört, ist unklar.

Dabei hat der Rat der Stadt Rotenburg genau dazu im April eine Verordnung erlassen: Freilebende Katzen – egal ob eigene oder die, die regelmäßig gefüttert werden – müssen von einem Tierarzt kastriert werden. Zu ihrem eigenen Schutz. „Es gibt schlimme Schicksale“, sagt Wingen. Den Tieren soll zudem ein Mikrochip implantiert werden, und die digitale Kennung muss in einem Tierregister eingetragen werden. Aber genau das scheinen nur die wenigsten zu machen. Auch Katzen, die sich nur im heimischen Garten aufhalten, gehören dazu. „Keiner kann garantieren, dass sie dort bleiben oder andere Katzen in den Garten kommen.“

Im ersten Halbjahr 2019 sind im Tierheim in Mulmshorn allein 42 Katzen abgegeben worden. Aus den unterschiedlichsten Gründen: Manche werden aus Messie-Haushalten gerettet, ihre Halter versterben oder kommen ins Altenheim, auch viele „Scheidungsopfer“ sind unter den Samtpfoten, wie Wingen berichtet. Erst an Pfingsten stand eine Mutter mit drei Babys in einem Karton vor dem Tor. Dazu kommen noch einmal 20 Fundkatzen. „Das ist sehr viel – in der Regel gibt es bei Katzen keinen Halter“, sagt die Vorsitzende. Von diesen hatten nur drei ein Zuhause. Eine davon war bereits seit fünf Jahren verschwunden. Sie war „sehr gepflegt und gut genährt“, offensichtlich hatte sich jemand gekümmert.

Die Kosten für die Tiere, deren Halter nicht auffindbar sind – auch nicht durch Aufrufe in den sozialen Medien oder auf der Internetseite des Vereins – trägt der Verein. Meist seien das etwa 200 Euro pro Tier für Impfungen, Untersuchungen und die Kastration. Und manchmal werden die Tierarztrechnungen wesentlich höher: So ist der zweijährige Life mit einem Bauchdeckenabriss gefunden worden – 2000 Euro kostete seine Behandlung. „Andere haben faule Zähne, Hautpilz oder Würmer“, sagt Wingen. Nur die wenigsten können nach ein paar Tagen ins Katzenzimmer umziehen, die erste Zeit bleiben sie in Quarantäne. Insgesamt hat der Verein monatlich bis zu 4000 Euro Kosten nur an Tierarztrechnungen. Die Stadt gibt pro Quartal 4500 Euro dazu – für die Fundtiere.

„Das Thema muss weiter durchdringen, die Tierärzte müssen noch mehr darauf hinweisen – und es muss auch Konsequenzen haben, wenn es nicht gemacht wird.“ Viele Katzenbabys würden in letzter Zeit tot auf der Straße gefunden oder als vermisst gemeldet. „Da kann die Kastrationspflicht noch nicht greifen“, sagt Wingen. Dabei könnte es teuer werden: Laut Verordnung kann ein Bußgeld von 5000 Euro fällig werden – dazu müsste man den Besitzer zunächst finden. Für die Vermittlung problematisch kann zudem die Tatsache sein, dass der Besitzer noch sechs Monate Zeit hat, sich zu melden. „Aber das ist noch nie vorgekommen – wer sich nach drei Monaten nicht gemeldet hat, kommt nicht mehr“, so Wingen. Aber: „Die Vermittlungschance sinkt, wenn man das Interessenten erklärt.“

Aber es gibt auch schöne Geschichten: So tauchten vor Kurzem drei junge Samtpfoten auf dem Parkplatz des Rotenburger Finanzamtes auf. Sie waren vermutlich im Motorraum ihres Besitzers mitgefahren. Selbige aus Fintel erfuhren von dem zugehörigen Aufruf und holten die Katzenkinder ab.

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