„Leben in der Steinzeit“

Viele Baustellen: Kreiselternrat tauscht sich über IT-Ausstattung aus

An der digitalen Ausstattung der Schulen wird derzeit gearbeitet.
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An der digitalen Ausstattung der Schulen wird derzeit gearbeitet.

Rotenburg – Wäre Schule ein IT-Unternehmen, würde es wohl heißen: Setzen, sechs! Einige Väter konnten in der jüngsten digitalen Sitzung des Kreiselternrats zum Thema IT-Ausstattung aus eigener Erfahrung in ihren Firmen berichten, und dort wird jedem Mitarbeiter das Equipment gestellt, das er benötigt. Vorteil: Alles ist einheitlich, alles ist auf die Bedürfnisse angepasst.

Genau diese Einheitlichkeit und den passenden Zeitpunkt haben die Schulen und die Regierung in Deutschland größtenteils verschlafen – und bekommen in der Pandemie die Quittung dafür. Der Landkreis Rotenburg macht da keine Ausnahme – selbst innerhalb der Schulen gibt es zum Teil große Differenzen beim Thema Digitalisierung, weiß Thore Urban. „Das ist schade.“

Hintergrund der Debatte: Die Anschaffung von mobilen Endgeräten für Lehrkräfte ist Anfang Januar vom Land Niedersachsen beschlossen und in einer Erweiterung des Digitalpakts Schule bewilligt worden. Jeder Lehrer soll damit ein Endgerät erhalten. Das Problem an der Sache: Wer wartet sie? Wer richtet sie ein?

Es ist eine nicht zu Ende gedachte Einmalinvestition, kritisiert der stellvertretende Vorsitzende Mirko Wachsmuth. Vielen fehle ein Plan, was genau mit dem Geld passieren soll. Und auch Christian Stanzel stimmt zu, ihm fehle der rote Faden: „Wir müssen erstmal eine Struktur schaffen.“ Das bedeutet die Klärung von Fragen wie: Welche Soft- und Hardware darf verwendet werden? Welche Apps? „Es passiert was bei uns, aber sehr langsam – da hätte man in der Corona-Zeit mehr machen können.“

An anderer Stelle wurde es das bereits: „Wir haben schon fast luxuriöse Verhältnisse im Vergleich“, merkt Christian Schulz an – denn die Oberschule Lauenbrück habe sich bereits vor Jahren auf den Weg in die digitale Zukunft gemacht. Auch für sozial schwächere Familien gäbe es Regelungen. „So kann es gehen – das hängt aber auch stark am Schulträger.“

Doch es gibt eben auch die andere Seite – und eben die sorgt für eine rege Diskussion. Eine, die etwas länger dauert, als geplant – viele Meinungen in Kombination mit der allgemeinen Ausstattung von Schulen und Schülern kommen zusammen.

Auch an der Art der bisherigen Beschaffung wird Kritik laut – vieles ist von Lehrern selbst bezahlt worden, damit sie irgendwie mit ihren Schülern arbeiten und in Kontakt bleiben können. Das sei aber keineswegs ihre Aufgabe, sondern die nötige Ausstattung ist die des Arbeitgebers.

„Es ist katastrophal, wie wir da eigentlich noch in der Steinzeit leben“, sagt Schulz, selbst IT-ler von Beruf. Man sei Jahre hinterher, viel zu lange sei das Thema stiefmütterlich behandelt worden. Urban stimmt zu: „Da reden wir mindestens zehn Jahre zu spät drüber.“ Die Landesregierung müsse schnellstmöglich handeln, fordert er – denn auch die Kinder leiden darunter.

Dass es einen Digitalisierungsschub größtenteils gibt, werde bemerkt, jedoch müssten die eingeführten Dinge noch mehr genutzt werden, fügt Vorsitzender Werner Oerding an. „Weg mit der Zettelwirtschaft“, nennt er es schlicht. Standards, damit nicht jede Schule macht, was sie will; zentrale Administration, dadurch besserer Datenschutz – das wäre wünschenswert. „Sonst ist das ein großer Geldrausschmiss, der da gerade stattfindet.“ Entsprechend brauchen die Lehrer aber auch Schulungen für neue Dinge. „Wenn die Gelder in die Ausstattung investiert werden, muss auch passend geschult werden“, meint Yvonne Reitinger.

Es blieben noch viele Baustellen. Cord Gerken, an diesem Abend als Gast geladen, seine Erfahrungen zu teilen, kennt die Probleme – er ist medienpädagogischer Berater für den Landkreis. Er gibt vielem Gesagten recht, merkt aber auch an, dass es ein schnell und einheitlich gleichzeitig nicht geben kann – wenn es einheitlich sein soll, brauche es Zeit.

Der Vorteil sei dann: Einheitlichkeit würde Lehrern auch Schulwechsel erleichtern. „Im Hintergrund läuft aber mehr, als Eltern wahrnehmen“, ergänzt er. „Es bleibt schwierig, gute Lösungen zu finden, aber größere Schritte werden jetzt gemacht.“

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