„CanSat“-Wettbewerb 

Raketenstarts in Rotenburg: Viel Wind und ein Absturz

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Clara Benatzky vom Team Shooting Star. 

Rotenburg - Von Inken Quebe. Drei, zwei, eins ... Ein lautes Zischen, und dann fliegt die kleine, neonorangefarbene Rakete gen Himmel. Clara Benatzky blickt ihr nach und versucht, den kleinen Satelliten ihres Teams „Shooting Stars“ zu entdecken – Fehlanzeige. Sie und ihre Gruppe haben sich auf den weiten Weg von Augsburg nach Bremen gemacht, um am „CanSat“-Wettbewerb teilzunehmen. Auf dem Rotenburger Flugplatz fanden am Mittwoch die Raketenstarts statt. Der Satellit der „Shooting Stars“ schaffte es zumindest auch tatsächlich in den Himmel – im Gegensatz zu zwei anderen.

Auf dem Rotenburger Flugplatz informieren Schilder über den Raketenstart.

Monatelang haben sich die insgesamt zehn Teams auf diesen Tag vorbereitet. Ihre Aufgabe war es, einen Mini-Satelliten in der Größe einer Getränkedose zu entwickeln, zu bauen und mit einer Rakete in eine Höhe von mehreren hundert Metern zu transportieren. Ausgestattet mit einem Fallschirm soll dieser dann langsam zu Boden gleiten und dabei zwei Missionen erfüllen. Das haben die Initiatoren des Wettbewerbs von dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) so festgelegt. Als Pflichtaufgabe sollte der „CanSat“, für den die Europäische Weltraumorganisation (ESA) das Grundset zur Verfügung gestellt hat, Luftdruck und Temperatur messen. Aus dem gemessenen Luftdruck soll die Höhe und die Fallgeschwindigkeit ermittelt werden. Mit der gemessenen Temperatur gilt es, ein Temperaturprofil zu erstellen.

Für Ideen freien Raum lassen

Die Kür: „Der Satellit soll eine von den teilnehmenden Teams selbst entwickelte Mission erfüllen“, so die Aufgabenstellung. Und da haben die teilnehmenden Gruppen ihrem wissenschaftlichen und technischen Ideenreichtum freien Raum gelassen. Die „Shooting Stars“, übrigens abgesehen von ihrem Betreuer Stefan Klimm das einzige reine Mädchen-Team, hatten sich dafür unter anderem an der Raumsonde Juno orientiert, die sich mit dem Magnetfeld des Jupiter befasst hat. An Bord eine Kamera. „Die dreht sich alle 30 Sekunden um 360 Grad und macht währenddessen Panoramaaufnahmen“, schildert Carolin Pohlen, die auch zum Team gehört, ebenso wie Elisabeth Schur und Sara-Luisa Reh. Ihr Gedanke: „Auf vielen Bildern ist nicht ausschließlich der Planet zu sehen, das nimmt sehr viel Speicherplatz ein. Der „CanSat“ sollte also die Mission erfüllen, „Messgeräte, zum Beispiel eine Kamera, mittels des Magnetfeldes in eine bestimmte Richtung auszurichten“, so die Zwölftklässlerin am Augsburger Maria-Stern-Gymnasium.

Wer unter den Bewerbungen ausgewählt wurde, hatte vorher die Jury entschieden. Ausschlaggebend sei dabei die Idee der zweiten Mission gewesen. „Es ist wichtig, gut zu begründen, wie man darauf gekommen ist, und dass man Ideen für die Realisierung hat“, sagte Daniel Borowski vom Organisationsteam.

Der Gewinner, der am Freitag von der Jury auserkoren wird, nimmt dann an der europäischen Version des Wettbewerbs teil. Die Fußstapfen der diesjährigen Gewinnergruppe sind groß, können aber noch getoppt werden, wie Borowski erklärte: „In den vergangenen Jahren haben die deutschen Teilnehmer da immer den zweiten Platz belegt.“ Am Donnerstag gilt es aber noch, die Ergebnisse des Raketenstarts gestern vorzustellen. „Meistens funktioniert nicht alles so, wie sich die Teilnehmer das vorgestellt haben. Dann geht es darum, wie sie mit Rückschlägen umgehen“, beschreibt Borowski.

Raketenstart in Rotenburg

Dieses Szenario droht auch den „Shooting Stars“ – denn der Satellit war nicht mehr aufzufinden. Nur während des Starts konnte das Team Daten empfangen, die restlichen sind auf der SD-Karte im Satellit gespeichert – und den hatte der Wind irgendwo in die Baumwipfel am Flugplatz getrieben.

Auch für „Yavanna“ aus Köln und „Earth_TU_Radios“ aus Dresden lief es nicht so gut. Beim Start hatte ein Flugkörper technische Probleme, sodass die Rakete aus der Flugbahn geriet, auf die Landebahn stürzte und zerschellte. „Das ist in den ganzen drei Jahren noch nie passiert“, sagt Dirk Stiefs vom DLR. Die Teilnehmer des Wettbewerbs, die in etwa 30 Metern Abstand den Absturz beobachteten, blieben unverletzt. „Der Satellit vom Team ,Yavanna‘ ist allerdings zerstört“, so Stiefs. „Earth_TU_Radios“ konnte seinen „CanSat“ noch reparieren und am Nachmittag noch einmal starten.

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