Viel Lob an Trinitatis

Pastor Torsten Nolting-Bösemann hält Aufstellungspredigt in der Stadtkirche

Nicht allzu persönlich, kontrolliert und etwas distanziert: Pastor Torsten Nolting-Bösemann aus Wittmund hielt am Sonntag seine Aufstellungspredigt in der Stadtkirche zu Rotenburg. J Foto: Pröhl
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Nicht allzu persönlich, kontrolliert und etwas distanziert: Pastor Torsten Nolting-Bösemann aus Wittmund hielt am Sonntag seine Aufstellungspredigt in der Stadtkirche zu Rotenburg. 

Rotenburg - Von Henrik Pröhl. Nach einer nur kurzen Amtszeit in der Superintendentur Rotenburg, bei der lediglich eine seichte „Briese“ durch die hiesige Kirchenlandschaft zog, ist nun die prominente Stelle seit April wieder vakant und wartet auf Neubesetzung. Zwei männliche Kandidaten gerieten in die engere Wahl – so viel zur Frauen-Quote. Da ist zunächst Pastor Torsten Nolting-Bösemann aus Wittmund, der am Sonntagabend die Kanzel der Stadtkirche betreten sollte, um seine Aufstellungspredigt vor einer aufmerksamen Gemeinde zu halten.

Alles – etwa 120 Besucher in der Altersklasse ab 50 – will gespannt lauschen, will erfahren, wie der Geistliche tickt, welche Pläne er im Koffer hat, um den Herausforderungen der neuen Aufgabe gerecht werden zu können. 19 Uhr – Kantor Simon Schumacher greift kraftvoll in die Tasten, als wolle er zum Ausdruck bringen: Nun aber!

Doch bis der Gast-Prediger zur Wort kommt, gilt es zunächst noch Rituale zu bewältigen: Begrüßung durch Hartmut Ladwig, Vorsitzender des Kirchengemeindeverbandes, mit Bekanntgabe aller Formalitäten, die so eine Bewerbung um die Superintendenten-Stelle betreffen. Da geht es um Lehre, Befähigung und Lebenswandel des Kandidaten, was auch immer das heißen soll. Danach folgt eine kurze und beeindruckende Vita: Nolting-Bösemann studierte evangelische Theologie in Bethel, Halle und Göttingen. Ein Vikariat in der oldenburgischen Landeskirche schloss sich an, bevor der Familienvater 1999 in Brake zum Pastor ordiniert wurde.

Genug, alles Weitere war mehrfach in den Zeitungen zu lesen. Immerhin, all das hört sich gut an. Danach geht es an die Liturgie und schnell wird klar: Es ist Trinitatis, Dreifaltigkeit, ein Fest im Kirchenjahr, das am ersten Sonntag nach Pfingsten begangen wird. Da darf viel, sehr viel gelobt werden. Jedes Lied, jedes Gebet widmet sich dem Gotteslob. Auch Hilmer Drögemüller, Vorsitzender des Kirchenvorstandes, stimmt mit kräftigem Organ in das Lob seiner Epistel ein. Auch kraftvoll singt und betet die Gemeinde mit Überzeugung. Mehr als 30 Minuten lang wird gesungen und gelobt, dann erklimmt Pastor Nolting-Bösemann endlich die Kanzel. Mit verhaltener Freude lobt er die Schöpfung, spricht über Klimaschutz und fragt sich: „Was kann ich selber tun?“

Kontrolliert und etwas distanziert

Der Mensch neige dazu, die Augen vor allem Schlechten zu verschließen. Er selbst gibt zu, nicht immer nur an das Große und Ganze denken zu wollen. Und doch trügen alle Christen den Heiligen Geist in sich, was verpflichte, alles wahrzunehmen. Es gehe dabei um Vertrauen, Freude, Freiheit. Schließlich zitiert er Hanns Dieter Hüsch, den Altmeister des Kabaretts und Prediger: Gottes Liebe sei unsere Liebe, man müsse das Kreuz als Krone tragen, alles Zaghafte und Unterwürfige abwerfen. Die Liebe würde alles überwinden. Zusammen-fassend lässt sich sagen: Nolting-Bösemann bedient 15 Minuten lang Allgemeinplätze, bemüht sich um Vollständigkeit der Inhalte, wird nicht allzu persönlich, bleibt kontrolliert, etwas distanziert. Nach seinem Amen antwortet die Gemeinde mit einem starken Glaubensbekenntnis. Wieder wird musikalisch gelobt, eine Fürbitte gehalten, die neue Beziehungen und Anfänge thematisiert.

Ist da etwa ein Bezug zum heutigen Abend hergestellt worden? Vater unser – Segen. Mit den Handzeichen zum Aufstehen und Setzen der Gemeinde klappt es schon mal prima. Nach einer Stunde ist Schluss, Schumacher spielt Bach, der nachdenklich klingt und nicht recht zum Ende kommen mag.

Wie kam der erste Kandidat an? Kommentare aus der Gemeinde: „Gute Aussprache“, lobt eine ältere Dame. Schön, was noch? „Die erste Hälfte der Predigt wirkte wie abgehakt“, sagt ein Besucher. „Mir fehlte etwas das Emotionale.“ Noch eine Stimme? „Ich freue mich auf nächsten Sonntag“, sagt eine Dame vor der Kirche. Hört, hört, das lassen wir mal im Raume stehen. Am nächsten Sonntag geht es weiter in der Stadtkirche: Dann wirbt der zweite Kandidat, Dr. Michel Blömer aus Fredenbeck, um das Amt des Superintendenten. Gleicher Ort, gleiche Zeit. Dann ist Schluss mit Trinitatis. Ab da heißt es dann wochenlang Sonntag nach Trinitatis.

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