Aufzucht von Jungtieren

Viel los in der Wildtierstation

Eichhörnchen Ronja
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Lange ist Eichhörnchen Ronja ein Sorgenkind – inzwischen ist sie putzmunter.

Jungtiere wie Eichhörnchenwelpen, Rehkitze und Vogelküken sind manchmal auf Hilfe von Menschen angewiesen. Wer ein Wildtier aufziehen will, braucht jedoch Erfahrung – und das nötige Wissen.

Rotenburg – Frühlingszeit ist Jungtierzeit. Eichhörnchenwelpen, Vogelküken und Rehkitze verlassen in diesen Tagen zum ersten Mal ihren Kobel, das Nest oder das Bett. Klein, niedlich und oft noch ein wenig unbeholfen wecken sie bei vielen Menschen den Beschützerinstinkt. Sie wollen dem scheinbar verwaisten Tier helfen – aber wie? Und wann ist es ratsam, aktiv zu werden? Darüber klärt Regina Buchhop von der Wildtierstation am Westermoor in Unterstedt auf.

Buchhop hat in diesen Wochen alle Hände voll zu tun. Sie kümmert sich unter anderem um zehn junge Eichhörnchen, Krähe Mogli und seit Kurzem um Rehkitz Noah. Das etwa zwei Wochen alte Kitz saugt kräftig an der Flasche, die es alle drei Stunden bekommt, während die Wildtierexpertin über dessen schwierigen Start ins Leben berichtet: „Noah ist eine Woche hier und entwickelt sich prächtig. Dass er überlebt hat, hat er dem beherzten Eingreifen von Wilhelm Weber zu verdanken, der mit seinem Hund in der Nähe von Langwedel unterwegs war. Noah war etwa sieben Tage alt, als er in einen Moorgraben fiel und dort fast ertrunken wäre.“

Weber entdeckte das Tier gerade noch rechtzeitig und versank bei dem Versuch, es zu retten, selbst bis zur Hüfte. „Zum Glück war seine Ehefrau in der Nähe und konnte ihn aus der misslichen Situation befreien. Nach Absprache mit dem Jagdpächter habe ich Noah dann bei mir aufgenommen“, berichtet Buchhop. Bis das Rehkitz alt genug ist, ist es in einem Babylaufstall untergebracht. Danach zieht es in das Rehgehege auf dem Außengelände.

Zehn Eichhörchenwelpen, eine junge Krähe und seit Kurzem Rehkitz Noah: In der Wildtierstation am Westermoor in Unterstedt ist in diesen Tagen viel los.

Dort wird Noah auch über den Winter bleiben. Im Frühjahr kommenden Jahres soll er dann ausgewildert werden. „In freier Natur bleiben die Kitze auch bei ihrer Ricke bis sie etwa ein Jahr alt sind“, betont Buchhop.

In ihrer jahrzehntelangen Erfahrung hat sie das Verhalten der Wildtiere studiert. „So niedlich sie auch sind, sie dürfen keine Bindung zum Menschen aufbauen. Priorität ist, dass sie ausgewildert werden und in natürlicher Umgebung ein selbstständiges Leben führen.“

Die beste erste Hilfe sei einfach und erfordere kein Fachwissen: „Finger weg und mit einer Wildtierstation telefonieren. Das gilt nicht nur für Rehe, sondern für alle Wildtiere. Denn wenn das Kitz den Geruch des Menschen am Körper hat, nimmt die Ricke es oft nicht mehr an“, erklärt Buchhop. Ein Rehkitz mitzunehmen, sei sogar eine Straftat: „Das ist Wilddieberei. Das Tier gehört dem Jagdpächter.“ Die Aufzucht mache ihr zwar viel Freude, sei aber sehr aufwendig: „Es dauert oft lange, bis das Kitz die Flasche annimmt. Rehe sind außerdem Wiederkäuer, die sehr empfindlich auf die Fütterung reagieren. Leider geben sogar Tierärzte nicht immer die richtigen Tipps. Einer hat zu Kuhmilch verdünnt mit Schlagsahne geraten. Das Ergebnis war ein lebensgefährlicher Durchfall.“

Jungvögel kommen ohne Menschen klar

Auch Jungvögel, die scheinbar hilflos wirken, kämen meist ohne Unterstützung des Menschen zurecht, erklärt Buchhop: „Vögel sind nicht sofort Flugkünstler, wenn sie das Nest verlassen und brauchen ein paar Tage, in denen sie üben. Das ist ganz normal für die Ästlinge. Es kommt aber vor, dass Küken, solange sie noch jünger sind, sie heißen dann Nestlinge, herausfallen. Sie haben zu diesem Zeitpunkt noch kein vollständiges Federkleid und können sich nicht sicher auf den Beinen halten. Dann kann es sinnvoll sein, nach einem Nest Ausschau zu halten und sie dorthin zurückzusetzen. Menschen dürfen das Küken dafür bedenkenlos anfassen. In der Regel werden Küken, die aus dem Nest fallen, aber auch auf dem Boden weiter von den Eltern versorgt.“

Buchhop warnt vor Fehlern, die häufig bei der Aufzucht gemacht werden: „Auf keinen Fall sollten Menschen einem Küken Wasser in den offenen Schnabel träufeln. Die Gefahr ist, dass das Tier erstickt, weil bei offenem Schnabel die Luftröhre frei liegt.“ Vorsicht sei bei Mehlwürmern geboten: Diese fressen Küken zwar, zuvor müsse aber der Kopf des Wurmes abgetrennt werden. „Die Würmer können das Küken ansonsten im Magen verletzen“, klärt Buchhop auf. Ungeeignet seien dagegen Regenwürmer: „Sie sind das Schlimmste, was man einem Jungvogel anbieten kann. Würmer haben oft Parasiten im Darm. Die Eltern schütteln diese heraus, bevor sie ihre Küken füttern. Deshalb kann man hin und wieder bebachten, wie Vögel Regenwürmer auf den Boden schlagen.“

Von den zehn Eichhörnchen in der Voliere im Garten erwartet immerhin acht ein Leben in Freiheit. Eichhörnchen Ronja hat jedoch in Folge einer schweren Erkrankung ein Auge verloren. „Es sah lange schlecht für sie aus, inzwischen ist sie aber putzmunter und kommt in der Voliere sehr gut zurecht. Sie kann hier ein langes, glückliches Leben führen“, so Buchhop. Sie möchte für Ronja und ein weiteres Eichhörnchen, das wegen einer Beinverletzung dauerhaft in der Wildtierstation bleiben soll, eine Voliere bauen.

Spende für den Bau einer neuen Eichhörnchen-Voliere

Etwa elf mal drei Meter Grundfläche soll die Voliere für Eichhörnchen haben, die nicht ausgewildert werden können. Dafür ist die Wildtierstation auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Nach einem ersten Aufruf sind bereits mehr als 2 000 Euro eingegangen, weitere 1 000 Euro fehlen jedoch noch. Wer den Bau der Eichhörnchen-Voliere unterstützen möchte, spendet mit dem Betreff „Eichhörnchen“ auf das Konto mit der IBAN DE75 2415 1235 0075 4271 38 bei der Sparkasse Rotenburg-Osterholz oder per Paypal. Den Link finden Interessierte auf der Facebookseite der Wildtierstation am Westermoor in Unterstedt. Die Station ist als gemeinnützig anerkannt. Außerdem sucht Regina Buchhop Helfer, die bei der Pflasterung des Untergrunds behilflich sind. Interessierte melden sich unter 04269/5886 und 017681061686, per E-Mail an wildtierstation@westermoor.de.

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