Detektive im Gesundheitsamt

Viel Arbeit für Rotenburger Containment Scouts

Jona Eckhoff an seinem Arbeitsplatz in Bremervörde.
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Mit den wieder steigenden Zahlen hat Containment Scout Jona Eckhoff gut zu tun.

Sie leisten Detektivarbeit in Corona-Zeiten: Die Containment Scouts, die im Landkreis Rotenburg zur Kontaktnachverfolgung eingesetzt sind. Der Job wurde in der Pandemie geschaffen und ist keiner mit Zukunft – hoffentlich.

  • Containment Scouts überprüfen Kontakte von Covid-19-Patienten.
  • Fragenkatalog für Corona-Infizierte.
  • Sprachbarrieren können eine Herausforderung sein.

Rotenburg/Bremervörde – Wenn das Telefon bei einem Covid-19-Infizierten klingelt, könnte es gut sein, dass Jona Eckhoff am anderen Ende der Leitung ist. Der 23-Jährige ist Containment Scout und ruft von Bremervörde aus positiv Getestete an, um herauszufinden, mit wem sie zuletzt Kontakt hatten und wie eng dieser war – denn bestand dabei Ansteckungsgefahr, müssen die Kontaktpersonen in Quarantäne. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, die Eckhoff in Pandemiezeiten übernommen hat. Und ein Job, den es vor der Krise nicht gab.

Das englische Wort Containment bedeutet Eindämmung – und dafür sind die Scouts zuständig. Sie übernehmen für die Gesundheitsämter die Kontaktpersonennachverfolgung. Es ist ein Projekt, das das Robert-Koch-Institut (RKI) im Zuge der ersten Welle ins Leben gerufen hat. „Das kam etwas spät“, erinnert sich Carmen Menzel, Leiterin des Gesundheitsamts des Landkreises. Mittlerweile sind die Scouts aber etabliert und werden vor allem bei den wieder steigenden Zahlen dringend gebraucht.

Drei Stellen hat der großflächige Landkreis zur Verfügung: in Rotenburg, Zeven und Bremervörde. Eckhoff ist nur noch bis Ende des Monats da, dann kehrt der Student an die Universität zurück, einen Nachfolger gibt es bisher nicht. Die Rotenburger Stelle ist ebenfalls unbesetzt, Zeven ist aber besetzt und vorerst bis März 2022 verlängert – das zeigt die Relevanz der vom Bundesverwaltungsamt im Auftrag des RKI eingestellten Scouts.

Eckhoff hat sich für das Projekt beworben, als es ausgeschrieben worden ist und dafür sein Jurastudium in Göttingen pausiert. Der gebürtige Elsdorfer ist seit Juli 2020 Containment Scout. Zunächst in Rotenburg, seit August ist er in Bremervörde. Über zu wenig Arbeit kann er sich derzeit definitiv nicht beklagen. Das sah anfangs noch anders aus: Zu Beginn war es gänzlich ruhig im Landkreis, erinnert er sich.

Vier Wochen lang habe es keinen Corona-Fall gegeben. Das hatte den Vorteil, dass der 23-Jährige sich in Ruhe einarbeiten und vorbereiten konnte. Sicherlich kein unwesentlicher Faktor dafür, dass er heute vieles selbstständig erledigt – wenngleich immer in enger Abstimmung mit dem Stammpersonal des Gesundheitsamts. Angst vor einer Infektion muss er dabei nicht haben – seine Kontakte sind rein telefonisch. Zwar kommt es mal vor, dass das Gesundheitsamt zu jemandem hinfahren muss, aber das übernehmen andere.

Eckhoffs Hauptaufgabe ist es, herauszufinden, ob die Angerufenen Symptome zeigen und wenn ja, seit wann. Entsprechend versucht er, gemeinsam mit den Infizierten deren Kontaktpersonen zu ermitteln und diese zu informieren, wenn sie sich in Quarantäne begeben müssen. Seine Arbeit entlastet das Gesundheitsamt, das sich seit Ausbruch des Coronavirus im Landkreis in Dauer-Habachtstellung befindet. „Wir haben Glück gehabt und jemanden erwischt, der sich gut ein- und sehr intensiv mit uns gearbeitet hat“, lobt Menzel.

Viel zu tun im Gesundheitswesen

„Die Pandemie hat schmerzhaft gezeigt, wozu es einen öffentlichen Gesundheitsdienst und Infektionsschutz gibt“, sagt Gesundheitsamtsleiterin Carmen Menzel am Ende des Gesprächs. Die Relevanz ist bekannt, doch nachhaltig gestärkt wurden diese bislang trotzdem nicht. Die Containment Scouts bringen zwar übergangsweise Entlastung, sie sind aber auch irgendwann wieder weg. „Insgesamt hat der öffentliche Gesundheitsdienst noch keine Stärkung erfahren. Da kommen noch Aufgaben auf uns als Staat zu.“ Dazu gehören auch attraktivere Arbeitsbedingungen, um das Personal zu ermuntern und dann auch zu halten.

Mit verschiedenen Fragen forscht Eckhoff gezielt nach den Informationen, die für ihn relevant sind. Er versucht, sich ein Bild von der Person und ihrem Alltag zu machen. Viele wissen erstmal nicht recht, welche Informationen nützen. Dann beruhigt Eckhoff, klärt auf, löst Unsicherheiten. Da ist sein Spürsinn gefragt. „Manche sind sehr aufgeregt, aber meist sind es milde Krankheitsverläufe, da kann man gut beruhigen. Nur manchmal ist es eine Herausforderung, herauszubekommen, mit wem sie Kontakt hatten.“ So sind beispielsweise Kontakte relevanter, mit denen die Infizierten über längere Zeit in einem Raum gewesen sind, als wenn sie sich mal draußen über mehrere Meter unterhalten haben.

Eine Herausforderung ist es auch bei Menschen, die noch nicht so gut Deutsch sprechen. Aber auch da führen verschiedene Wege zum Ziel: Zum einen gibt es Infomaterial vom RKI, in mehreren Sprachen. Das biete ohnehin den Vorteil, dass Infizierte oder Kontaktpersonen die Informationen im Nachgang an das Gespräch nochmal in Ruhe durchlesen können. Meist nimmt Eckhoff bei Sprachbarrieren über die Gemeinden Kontakt auf. Diese sind gut vernetzt und so finde sich immer jemand, der übersetzen kann.

Es ist eine verantwortungsvolle Tätigkeit. Das ist Eckhoff immer bewusst, sagt er. Vor allem dann, wenn es um Bewohner von Alten- und Pflegeheimen geht. „Da geht es um Menschenleben, da will man keine Fehler machen“, sagt er. Es helfe, wenn man kommunikativ, offen und freundlich ist – und ein dickes Fell braucht es ab und an. „Manche Leute sind einfach frustriert über die Situation, das darf man dann aber nicht persönlich nehmen.“

Aber erstmal geht es für ihn nun zurück zum Studium. Ganz unglücklich über die Pause ist er nicht, denn wie so vielen Studenten fehlt auch dem 23-Jährigen das „normale“ Studentenleben. Das, hofft er, bessert sich nun auch wieder.

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