Verzögerung an der Kirche

Die Hoffnung, dass es bald schneller vorangeht, ist groß beim Baubeauftragten Rolf Rinck.
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Die Hoffnung, dass es bald schneller vorangeht, ist groß beim Baubeauftragten Rolf Rinck.

Es gibt einiges zu tun an der Stadtkirche: Alle Fenster müssen restauriert werden, sie sind undicht und windlastig. Zwei wurden bereits erneuert, dann haben Ende August zwei junge Männer mehrere Buntglasscheiben zerstört. Das wirft die Stadtkirche wieder zurück.

Rotenburg – Die Glasscherben liegen in einem Eimer, sagt Rolf Rinck und verzieht ein wenig das Gesicht. Der Baubeauftragte aus dem Vorstand der Rotenburger Stadtkirchengemeinde steht auf der Außenseite vor dem Altarraum und schaut hoch zu den zerstörten Buntglasfenstern, die notdürftig gegen Wind und Wetter abgedeckt sind – und gegen ungebetene Gäste wie Vögel. Nicht nur in der Kirche, auch draußen am Grabstein beispielsweise hätten viele Scherben gelegen. Wie es weitergeht, ist noch offen. Bei den weiteren Kirchenfenstern hofft Rinck hingegen auf einen baldigen Restaurationsbeginn.

„Es ist eine Sisyphusarbeit“, meint Rinck im Hinblick auf die Scherben. Es müsse geprüft werden, ob einige verwendbar seien und wieder eingesetzt werden könnten. Zwei junge Männer, vermutlich während der Tat alkoholisiert, konnte die Polizei im Anschluss ermitteln, jetzt läuft das Verfahren. Das heißt für die Stadtkirche: Abwarten, bis geklärt ist, wer für den Schaden aufkommt. Ob die Jugendlichen das können beziehungsweise ihre Familien, da einer der beiden 17 Jahre alt ist, bleibt abzuwarten. Ebenso, ob es eine Notlösung geben wird mit Klarglasscheiben oder die kaputten Fenster gleich wieder hergerichtet werden können. Besonders bitter: Eines der zerstörten Fenster ist eines der beiden Probefenster, die Restauratorin Kathrin Rahfoth aus Erfurt im vergangenen Jahr während mehrerer Monate wieder instand gesetzt hatte. An jenem Fenster auf der Nordseite waren die Jugendlichen auch gescheitert: Durch die Restauration waren sie wieder gut verkittet, sitzen gut in der Fassung und sind damit stabiler als die anderen, dennoch ist der Schaden groß. Insgesamt um die 20 000 Euro, schätzt Rinck.

Das wirft die Pläne weiter nach hinten. Und die haben sich durch Corona ohnehin schon geändert. Eigentlich hatte der Vorstand gehofft, dass es bald mit den weiteren Fenstern losgehen könne – 15 große Fenster am Kirchenschiff und am Altarraum sind es, dazu mehrere kleine an der Kirche und am Turm. Es ist die erste Restauration und es ist dringend, sagt Rinck: Die Fenster sind undicht und windlastig, einige biegen sich nach innen. Als es vor wenigen Wochen stark regnete, waren die Kirchenbänke nass – nur nicht dort, wo die Fenster wiederhergestellt waren. Der Gussrahmen aus dem 18. Jahrhundert bleibt dabei erhalten, wird abgeschliffen und von Rost und Dreck befreit. Die Buntglasscheiben werden geprüft, sind sie in Ordnung, werden sie gereinigt, wieder eingesetzt und neu befestigt.

Insgesamt kostet die Wiederherstellung etwa 800 000 Euro – Geld, dass die Landeskirche derzeit nicht zur Verfügung stellen kann. „Erst war alles geplant, dann hieß es, nur Kirchenschiff und Altarraum, jetzt ist es erstmal auf das Kirchenschiff reduziert“, erklärt Rinck. Einen Brief an die Landeskirche habe der Kirchenvorstand abgeschickt. „Uns ist es wichtig, dass alles kontinuierlich und zeitnah restauriert wird“, sagt Rinck. „Gerade der Regen hat nochmal gezeigt, dass dort Handlungsbedarf besteht.“

Dennoch hofft er, dass es zumindest mit den ersten Fenstern bald weitergehen kann. Dazu fehlt noch das grüne Licht vom kirchlichen Amt für Bau- und Kunstpflege in Verden, das die gut 300 000 bis 400 000 Euro für die Fenster im Kirchenschiff bewilligen muss. Ein wenig Unverständnis schwingt dennoch mit, warum aufgeteilt wird: „Die Vorrestauration hatte gezeigt, dass es günstiger wird als gedacht“, merkt Rinck an – zumal ein Gerüst aufgebaut werden muss jedesmal, und diese Kosten seien dann auch nicht ohne.

Vor dem Winter wird die Restauration ohnehin nicht mehr starten können, aber Rinck hofft aufs Frühjahr – und dass Rahfoth dann mit dem Projekt weitermachen kann. Wer dann restauriert, steht aber bislang noch nicht fest. Aus eigenen Mitteln „kann die Kirchengemeinde das nicht deckeln“, so Rinck. Eine Entscheidung dazu könnte im Oktober fallen. „Wir hatten in kürzester Zeit viele Sachen, es bricht nicht ab, sodass man zum normalen Tagesgeschäft zurückkommt“, meint Rinck und zeigt dabei auf den Grabstein außen am Altarraum – auch dieser ist von Vandalismus betroffen, verschmiert. „Mal eben reinigen“ ist nicht – das gehe bei Kalksandstein nicht und könnte die Schrift zerstören. Noch eine Geschichte, die von einer Fachfirma geregelt werden müsste – „und das kostet“.

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