Die Pandemie – ein Dauerthema in den Rotenburger Werken

Vertraute Gesichter per Video

Sascha Jänecke zeigt, wie er sich per Tablet auf den Fernseher spielt.
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Sascha Jänecke zeigt, wie er sich per Tablet auf den Fernseher spielt.

Rotenburg – Trotz der Nachricht von aktuell sieben Coronafällen in einer der fast 90 Wohngemeinschaften blickt Friedhelm Sager ein wenig erleichtert auf die zurückliegenden Monate zurück. Zwar ist die Pandemie in den Rotenburger Werken ein Dauerthema, aber bisher blieb die Einrichtung für Menschen mit Behinderungen weitgehend verschont. Bevor es jetzt sieben Bewohner erwischt hat, gab es gerade einmal drei Covid-19-Infektionen – und das bei rund 1 200 Bewohnern und 1 950 Mitarbeitern. Sager, Leiter des Geschäftsfeldes Wohnen: „Das haben wir sicherlich unserer großen Vorsicht zu verdanken, aber da war wohl auch Glück im Spiel.“ Erst Mitte Oktober sind die ersten bestätigten Fälle aufgetreten.

Die Vorsicht fußt auf einem umfassenden Hygienekonzept für sämtliche Bereiche der Rotenburger Werke. Einmal in der Woche trifft sich zusätzlich der Pandemie-Ausschuss – per Video-Schalte, an der auch die Geschäftsführung teilnimmt. Darüber hinaus beobachtet die neue Hygienebeauftragte Maren Vogel sehr genau, wo Abläufe zu optimieren sind. Als ausgebildete Altenpflegerin hat sie einen guten Blick und weiß genau, worauf es ankommt. In Susanne Otzipka steht ihr außerdem eine Mitarbeiterin des Hauses zur Seite, die den Job selbst lange Zeit gemacht hat.

Mit Beginn der Pandemie haben sich die Rotenburger Werke vor allem um drei Schwerpunkte gekümmert: Zunächst sei es um die Versorgung mit Hilfsmitteln gegangen. „Dabei haben wir von unseren guten Kontakten – auch zum Diakonieklinikum – profitiert“, sagt Sager. Außerdem sei es um die zentrale Frage gegangen, wie man mit dem Personal umgeht. Sehr schnell hätten sich 80 Freiwillige gemeldet, die in Wohngemeinschaften einzuspringen bereit sind, falls Personal im Quarantäne-Fall ausfällt. Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Ungewissheit, wie die Bewohner auf die neue Situation, auf Mitarbeiter in Schutzkleidung oder zumindest mit Masken reagieren und wie sich der normale Ablauf im Alltag aufrecht erhalten lässt.

Gerade der letzte Punkt ist von zentraler Bedeutung, weil dann plötzlich andere Gesichter in vertrauter Umgebung auftauchen und eingesprungenes Personal nicht die jeweiligen Abläufe kennen kann. „Per Video haben wir die Möglichkeit geschaffen, die bekannten Gesichter ins häusliche Umfeld zurückzuholen“, sagt Bereichsleiter Sascha Jänecke. Dafür stehen den Kollegen Tablet-Computer zur Verfügung, über die sie sich am Fernseher in die WG einloggen können.

Kathrin Söhmisch ist Wohnverbundleiterin: „Ich habe diese Möglichkeit nicht oft genutzt, aber die Kollegen waren sehr dankbar.“ Es sei gut für den Fall der Fälle, das für die Bewohner vertraute Team im Hintergrund zu wissen. Von Bedeutung kann das dann sein, wenn es Quarantäne-Fälle gibt. Und die gab es schon, berichtet Sager. Sascha Jänecke findet die neuen Möglichkeiten gut und lobt in diesem Zusammenhang den deutlichen Sprung nach vorn in Sachen Digitalisierung, den die Rotenburger Werke in diesen Monaten vollzogen haben. Video-Konferenzen sind mittlerweile an der Tagesordnung.

Die Pandemie stellt das Personal also auf vielen Ebenen auf die Probe, weil es sich um eine völlig neue Situation handelt. Wenn aber Heilerziehungspfleger irgendwo einspringen, hinterlassen sie eine Lücke an anderer Stelle. Friedhelm Sager: „Das geht also nur in begrenztem Maße.“ Fallen zu viele Kollegen auf einmal aus, müssten Tagesförderstätten geschlossen werden, um von dort aus wieder Personal für die Wohngemeinschaften freizuschaufeln. Das war bislang nicht nötig. Aber der Plan steht, man ist vorbereitet.

Die Werk- und Tagesförderstätten für Menschen mit Behinderung hingegen waren im Frühjahr für drei Monate dicht. Mittlerweile arbeiten die Beschäftigten wieder – zumindest in einem Rahmen, wie er derzeit möglich ist. Schließlich sind Abstands- und Hygienevorschriften einzuhalten und Raumgrößen zu beachten. Die aktuell geschlossene Cafeteria dient einer Verpackungsgruppe als Ausweichstandort.

Aus Sicht der Betreuung sei es ein großes Anliegen, den Bewohnern Stabilität in ihrem gewohnten Umfeld zu vermitteln. Dabei käme auch der Kontaktpflege zu den Angehörigen eine große Bedeutung zu. Auch in diesem Fall seien Videos verschickt worden. Die Bewohner selbst halten die Werke mit in leichte Sprache übersetzten Infos auf dem Laufenden. „Die Bewohner haben die gleichen Sorgen und Ängste wie wir alle“, weiß Kathrin Söhmisch zu berichten. Da sei es umso besser, dass die Werke lange Zeit weitgehend verschont geblieben sind. „Das Tragen der Masken ist für die meisten kein Problem“, meint Söhmisch. Die Mitarbeiter dienten als Vorbild und gingen mit gutem Beispiel voran.

Die Werke stehen in „Dauerkontakt“ nicht nur zum benachbarten Krankenhaus, sondern auch zum Gesundheitsamt. Das trägt zur Stabilität aller Menschen bei, die in den Werken wohnen und arbeiten. Und auch für sie dürfte das gelten, was Friedhelm Sager in einem Gespräch mit der Kreiszeitung zum Ausdruck bringt: „Wir hatten bei uns wirklich viel mehr Fälle befürchtet.“

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