Erste Gästeführung auf Arabisch durch die Rotenburger Innenstadt

Versuchsballon und Pilotprojekt

Gästeführung auf Arabisch: Rigbe Grube (v.l.), Almuth Quehl und Dorothee Clüver rühren mit einem zweisprachigen Plakat die Werbetrommel, damit am Ende auch wirklich alle 15 Plätze belegt sind.
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Gästeführung auf Arabisch: Rigbe Grube (v.l.), Almuth Quehl und Dorothee Clüver rühren mit einem zweisprachigen Plakat die Werbetrommel, damit am Ende auch wirklich alle 15 Plätze belegt sind.

Rotenburg – Es fallen Begriffe wie Versuchsballon und Pilotprojekt. Und irgendwie sind beide richtig. Die Arbeitsgemeinschaft (AG) Gästeführungen probiert etwas Neues aus. Etwas, das durchaus Schule machen könnte, sagt Almuth Quehl, treibende Kraft in der AG. Die Idee dafür haben Ilona Haas von der Touristinformation der Stadt Rotenburg und die neue Gästeführerin Dorothee Clüver unabhängig voneinander entwickelt. Der Plan: Am Freitag kommender Woche soll es eine erste Stadtführung in Rotenburg mit Übersetzung ins Arabische geben. Zielgruppe sind die Menschen, die in den zurückliegenden Jahren als Flüchtlinge nach Rotenburg gekommen sind und hier inzwischen ein neues Zuhause gefunden haben.

Für Dorothee Clüver ist es erst die dritte Gästeführung, die sie anbietet, nachdem sie ihre 120 Stunden umfassende Ausbildung absolviert hat. Rigbe Grube – seit 35 Jahren in Rotenburg zu Hause – stammt aus Eritrea, spricht Arabisch und wird während der Veranstaltung übersetzen. Die ersten fünf Anmeldungen sind bereits eingegangen, und die beiden Frauen sind sich sicher, dass alle 15 Plätze belegt sein werden. Für Clüver ist es eine Herzensangelegenheit. „Das eine Bringschuld“, sagt sie. Es sei einfach wichtig, den Menschen mit Migrationshintergrund die Stadt zu zeigen, in der ihre Flucht einst endete. Der Bedarf sei da, das Interesse groß.

Dorothee Clüver hat einen besonderen Bezug zu diesen Menschen. Nach einer Pause ist sie als Mitarbeiterin auf den Campus Unterstedt zurückgekehrt. Sie kennt viele der Geflüchteten persönlich – und damit auch ihre Biografien, ihre Hoffnungen und Wünsche mit Blick auf die neue Heimat in Deutschland. Es geht um eine gute Integration, und da sei es von großer Bedeutung, dass sie wissen, wo sie gelandet sind. Einen Widerspruch sieht sie darin nicht, die Gästeführung ins Arabische übersetzen zu lassen. „Sie werden lachen, aber mindestens die Hälfte der Teilnehmer wird schon auf Deutsch sehr viel verstehen.“ Auf dem Campus sind zurzeit etwa 50 Menschen untergebracht, mindestens drei Mal so viele haben mittlerweile in der Stadt eine eigene Wohnung gefunden.

Die Gästeführung soll am Heimathaus starten. Über den Pferdemarkt mit Rathaus und Pferdeskulptur geht es durch die Fußgängerzone mit Stopps am Rudolf-Schäfer-Haus sowie auf der Geranienbrücke. Weitere Ziele sind die Alte Apotheke sowie die Superintendentur an der Goethestraße, die Stadtkirche und das Kantor-Helmke-Haus. Wie lange die Veranstaltung dauern wird, lasse sich jetzt noch gar nicht sagen. „Sicherlich länger als sonst, schließlich wird Rigbe Grube alles übersetzen“, sagt Dorothee Clüver. Los geht es am Freitag nächste Woche um 15.30 Uhr. Die Teilnehmer zahlen zwei Euro pro Nase. Während der gesamten Führung gelte die Maskenpflicht, und man werde großen Wert darauf legen, dass die Abstände zueinander eingehalten werden.

Für Dorothee Clüver geht es dabei auch darum, zu erfahren, wie das Interesse an der Geschichte Rotenburgs ist. Das gehört zu einem Versuchsballon wohl dazu, der zugleich eben auch Pilotprojekt sein kann. Doch Almuth Quehl zeigt sich ein wenig zurückhaltend, weil es mit den Gästeführungen im Nordkreis ein wenig stocke. Dennoch habe sie Bereiche im Auge, wo ähnliche Angebote durchaus möglich wären. „In Zeven zum Beispiel“, sagt sie bei einem Pressegespräch im Rathaus.

Mit am Tisch sitzt dabei auch Benjamin Roolfs als Leiter der Touristinformation. Dort können sich die Interessierten anmelden und ihre Karte erwerben. „Für uns ist es selbstverständlich, so etwas zu unterstützen“, erklärt er. Schließlich sei es ein großes Anliegen, die Stadt an sich, aber auch die Angebote drumherum stets bekannter und damit zugänglich zu machen. Almuth Quehl ist ganz begeistert von dieser neuen Idee: „Gedanken in diese Richtung hatte es ja schon lange gegeben, toll also, dass es jetzt klappt.“ Die Chance, dass das Angebot ein Erfolg wird, sei gut. Schließlich sei es von Bedeutung, wenn die Menschen sich für die Stadt interessieren und vielleicht auch so etwas wie Stolz entwickeln, in dieser Stadt ein neues Zuhause gefunden zu haben. Clüver: „Und vielleicht wissen sie nach der Führung mehr über die als mancher Rotenburger.“

Rigbe Grube ist als Dolmetscherin dabei.

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