Verseuchte Bohrschlammgruben: Landkreis erwartet Ergebnis

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Was noch am Rande von Erdöl- oder Erdgasförderstätten wie auf dem Bild in Bötersen in der Natur lagert, ist derzeit noch völlig unklar.

Rotenburg - Von Michael Krüger. 100000 Euro hat der Landkreis in den Haushalt eingestellt, um die Untersuchung der Bohrschlammgruben in der Region auf den Weg zu bringen. Die ersten Ergebnisse von der 1962 stillgelegten Explorationsbohrung Kallmoor Z 1 nördlich von Stemmen sollen in den kommenden Wochen vorliegen. Mindestens 18 weitere, möglicherweise verseuchte Gruben sollen begutachtet werden. Dafür braucht der Landkreis aber noch viel Geld vom Land.

Rotenburg T1, Scheeßel Z1, Hamersen II oder Lüdingen 1a – das Amt für Wasserwirtschaft und Straßenbau des Landkreises versucht, Ordnung in die Unübersichtlichkeit der Bohr-Deponien zu bringen. Seitdem der NDR mit eigenen Untersuchungen in Stemmen die Behörden aufgeschreckt hat, wird nachgeforscht. Doch die Aktenlage ist dürftig. Und ob die Ergebnisse der Journalisten zu ölhaltigen Verseuchungen bestätigt werden können, ist offen. „Wir erwarten aber in Kürze den Bericht des Sachverständigen“, so Amtsleiter Gert Engelhardt. Im Dezember hatte ein Gutachter dort Proben genommen.

18 Bohrschlammgruben sowie die Altdeponie Boitzen stehen derzeit auf der Liste des Landkreises. Zwölf Gruben haben sich aus eigenen Recherchen ergeben, sechs weitere seien von Bürgern benannt worden. Jede einzelne muss laut Engelhardt nun bei Ortsterminen verifiziert werden. Ob und wann Proben genommen und auf Schadstoffe untersucht werden, muss noch geklärt werden. Klar ist: Die 100000 Euro im Haushalt werden kaum reichen. Jede Bodenuntersuchung kostet bis zu 10000 Euro. „Wir wollen die Landeszuschüsse nutzen“, stellt Engelhardt klar. Hannover könnte im Zuge des Altlastenprogramms 75 Prozent der Kosten übernehmen. Auch das benötige aber Zeit.

Engelhardt: „Am 19. Februar findet ein Austausch mit dem Umweltministerium statt.“ Anschließend gehe man mit den Ergebnissen in die öffentlich tagenden Gremien des Landkreises. Geplant sei aktuell, dass das Land eine Prioritätenliste aufstellt, welche Gruben zunächst untersucht werden sollen. Zwei bis drei Gruben könnten dann pro Quartal auch im Landkreis Rotenburg begutachtet werden. „Wir müssen systematisch vorgehen“, betont Engelhardt.

In Niedersachsen werden Erdöl und Erdgas seit den 1850er Jahren gefördert. Schon damals wurden nach Angaben des Landesbergamtes (LBEG) einfache Gruben zur Ablagerung von Grabungs- oder Bohrrückständen genutzt. Bis in die 1960iger Jahre sei es gängige Praxis gewesen, neben jeder Tiefbohrung eine kleine „Schlammgrube“ anzulegen. Später seien Bohrrückstände mehrerer Bohrungen in einer zentralen Bohrschlammgrube abgelagert worden. Das LBEG gibt an, dass heutige Bohrspülungen zu 60 bis 95 Prozent aus Wasser und zu fünf bis 15 Prozent aus erbohrtem Gestein bestehen. Weiterhin können geringe Mengen an Stärke, Schwerspat, Kreide, Ton (Bentonit), Natronlauge und Polymeren enthalten sein. Einige Bohrspülungen beinhalteten auch Salze und Anteile von Schmierstoffen. In den Ölschlammgruben früherer Zeiten seien aber auch ölhaltige Rückstände aus den Förderbetrieben und zum Teil ölhaltige Spülungen zwischengelagert worden. Heute würden die Rückstände gesondert entsorgt.

Wie viele Borhschlammgruben es in Niedersachsen insgesamt noch gibt, ermittelt derzeit eine Arbeitsgruppe des Wirtschaftsministeriums mit dem LBEG. Von 9000 Bohrungen der Erdgas- und Erdölunternehmen in mehr als 500 Metern Tiefe ist die Rede, das LBEG beziffert die Zahl der Gruben auf „mindestens 400“. 39 stehen noch unter dessen Aufsicht, alle anderen sind wegen einer einst attestierten Unbedenklichkeit an die Unteren Bodenschutzbehörden verwiesen worden – also auch an den Landkreis Rotenburg. „Mit einem grünen Stempel darauf, dass alles in Ordnung ist“, zeigte sich Erster Kreisrat Torsten Lühring im Dezember empört.

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