Streit um hohe Nebenkosten bei Geothermie-Projekt in Rotenburg

Vermieter räumt Fehler ein und will die Miete verringern

Einige Posten auf den Nebenkosten-Abrechnungen haben bei den Mietern für Irritationen gesorgt. Wasser nicht nach Verbrauch abgerechnet? Die Empörung ist groß, der Vermieter räumt Fehler ein und will nachbessern. - Fotos: Krüger

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Empörung bleibt. Rüdiger Schult ist auch am Tag, nachdem sein Vermieter Fehler eingestanden hat, noch nicht überzeugt. Er spricht weiterhin von einer „Mogelpackung“, wenn es um die Konditionen seiner 32-Quadratmeter Dachgeschosswohnung am Rotenburger Ellernweg geht.

Rüdiger Schult bleibt dabei. Auch nach der Ankündigung des Vermieters, die Kosten zu senken, hält er das „Trautsch-Modell“ für eine „absolute Unverschämtheit“.

Wie knapp 150 andere Mietwohnungen dort ist diese an das nach Angaben des Investors größte Geothermie-Wohnprojekt Europas angeschlossen.  Mit allerdings aus Schults Sicht verheerenden Wirkungen: Die Nebenkosten sind mit der ersten Abrechnung geradezu explodiert. Vergangene Woche hatte sich Schult mit einer Unterschriftliste 68 weiterer Mieter an die Öffentlichkeit gewandt, den Mietern drohten Nachzahlungen für Nebenkosten von durchschnittlich 700 Euro – und entsprechende Erhöhungen der Betriebskostenvorauszahlungen. Allein bei Schult war es für die Ein-Zimmer-Dachgeschosswohnung seit dem Einzug am 1. Februar 2015 eine Nachzahlung in Höhe von 1 009 Euro, die Nebenkosten sollten von monatlich 55 auf 147 Euro steigen. 500 Euro müsste er dann zahlen. Sein Kommentar: „Das ist völlige Verarschung.“

Und Christoph F. Trautsch lenkt ein. Der Unternehmer aus München hat mit seinen Partnerfirmen in Celle und Rotenburg zusammen 25 Millionen Euro investiert. An beiden Standorten gibt es Ärger mit den Nebenkosten. Trautsch jetzt gegenüber der Kreiszeitung: „Derzeit analysieren wir die Abrechnung. Nach jetzigem Wissenstand darf ich Ihnen aber bereits mitteilen, dass die Mieter zeitnah eine korrigierte Betriebskosten-Abrechnung erhalten werden.“ Zentrale Änderungen dabei: Es würden keine Bau- oder Baunebenkosten der Sanierung auf die Mieter umgelegt, der Wärmepumpenstrom werde die Mietern monatlich nicht mehr mehr als 30 Euro kosten, und die bislang „irrtümlich“ pro Wohneinheit und nicht nach Verbrauch gestaffelte Wasserrechnung werde geändert. In einem Schreiben an Schult nennt Trautsch weitere Zahlen. So übernehme er pauschal zehn Euro pro Gebäude am Allgemeinstrom, 50 Euro pro Haus für die Treppenhausreinigung und jeweils noch einen Anteil von 1 000 Euro für die Gartenpflege sowie die Hausmeisterkosten.

Für Schult und seine Mitstreiter ist das aber nicht ausreichend. Nebenkosten in Höhe von allein mehr als 63 000 Euro für die Häuser am Ellernweg für hausmeisterliche Tätigkeiten und Reinigungsarbeiten seien viel zu hoch angesetzt. Das, was Vermieter Trautsch nun anbiete, sei eine „absolute Unverschämtheit“. Die Berechnung passe hinten und vorne nicht zusammen.

Trotz der Annäherung scheint deswegen eine Lösung noch in weiter Ferne. Zumal mittlerweile auch die Behörden eingeschaltet sind. Schult hat gegen Trautsch und seine Firmen Strafanzeige wegen „Vorspiegelung falscher Tatsachsen/Betrug“ erstattet. Der Landkreis prüft darüber hinaus, ob die Wohnungen für die zahlreichen Bezieher von Sozialleistungen noch geeignet sind. Der Rotenburger Mieterverein ist eingeschaltet, und am Freitag steht für Schult ein Termin beim Anwalt an, wo das weitere Vorgehen geklärt werden soll. „Er windet sich wie ein Aal“, kritisiert Schult das Vorgehen des Hausherrn. Dabei will der noch weiter auf die Mieter zugehen. „Im Einzelfall können wir uns vorstellen, die derzeit vertraglich vereinbarte Kaltmiete zu reduzieren, damit der Mieter mit der neuen Betriebskosten-Vorauszahlung weiterhin eine tragfähige und angemessene Gesamtmiete zugesichert bekommt“, so Trautsch. Sowohl in Celle als auch in Rotenburg seien die Bauarbeiten am 15. Dezember abgeschlossen worden, trotzdem investiere man weiter – 500 000 Euro in den kommenden Jahren in die „Modernisierung und Verschönerung der Bestände“.

Grundsätzlich sei das „Trautsch-Modell“ mit der Energie-Flatrate aus der Geothermie eine Investition in die Zukunft, beteuert der Unternehmer. Keine Preissteigerungen mehr wie bei Gas oder Erdöl, dazu umweltfreundlicher. „Alle Mieter in Celle und Rotenburg leben zu 100 Prozent emissionsfrei, da wir den Strom aus Wasserkraftwerken in Skandinavien beziehen. Die jährliche CO2-Einsparung beträgt rund 1 200 000 Kilogramm. Dies entspricht einer jährlichen Anpflanzung von 9 600 Buchen“, versichert Trautsch.

Zahlen, die bei den klammen Mietern momentan allerdings für wenig Begeisterung sorgen. Sie warten jetzt auf die korrigierten Abrechnungen. Dann werde man sehen, ob Trautsch wirklich einlenke, so Schult. Sonst bleibe seine Meinung zum „Trautsch-Modell“: „hanebüchener Quatsch.“

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