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Verkehrsentwicklung: Rotenburger zögern

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Von: Andreas Schultz

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Bürgermeister Torsten Oestmann und Uwe Knabe mit dem Schild „Fußgängerzone“
Bürgermeister Torsten Oestmann (l.) und Uwe Knabe von der Bauverwaltung haben eine durchgehende Fußgängerzone schon länger im Blick – einer der Planfälle, die die projektbegleitende Arbeitsgruppe des VEP ins Auge fasst. © Schultz

Der Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Rotenburg macht sich so langsam, die zurückliegende Arbeitsgruppensitzung wirft Ergebnisse ab. Und auch die weiterhin andauernde Bürgerbefragung liefert Hinweise. Wer möchte, kann offiziell noch bis einschließlich Freitag mitmachen.

Rotenburg – Die Bürger Rotenburgs sind dabei, wenn auch zögerlich. Bei der Auswertung der Beiträge aus dem öffentlichen Beteiligungsverfahren für den Verkehrsentwicklungsplan (VEP) kommen bislang gerade einmal 26 Karteikarten zusammen: Bewohner der Stadt sollten der Verwaltung per Einwurf dieser Karten ihre Anregungen und Wünsche für die Zukunft des Rotenburger Stadtverkehrs formulieren.

Aber auch das hat nur etwa die Hälfte der beteiligten Bürger getan. Zu den nennenswerten Ideen gehört unter anderem die, eine durchgängige Fußgängerzone zu schaffen – aktuell wird die Zone noch durch Fahrbahn zwischen Pressehaus und Stadtstreek unterbrochen. „Die durchgängige Fußgängerzone war auch bei uns schon Thema“, sagt Uwe Knabe von der Stadtverwaltung. Ein anderer Einfall befasst sich mit dem Dr.-Walter-Mecke-Damm: Man könne den Fahrradweg, auf dem derzeit Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen gemütlich in der Natur unterwegs sind, doch einfach durch eine Umgehungsstraße ergänzen. „Das ist illusorisch“, sagt der Bürgermeister. So wäre allein der Eingriff in die Natur zu groß. „Aber Wünsche kann man natürlich äußern“, wirft Knabe ein.

Ein Radweg mit Radfahrerin führt durchs Grün, am Rande eine Bank mit Mülleimer
Der Dr.-Walter-Mecke-Damm ist bislang noch ein Radweg, der durch idyllisch gelegenes Grün führt. Einer der eingereichten Vorschläge sieht vor, aus ihm eine Umgehungsstraße zu machen. © Schultz

Die andere Hälfte der Anregungen beschäftigt sich mit Allgemeinem: Da geht es zum Beispiel um Grünflächen am Straßenrand, die aus Sicht des Schreibenden mal wieder gepflegt werden dürften. „Auch das sind Sachen, die gemacht werden müssen. So etwas zeigt Interesse, aber zum Thema passt es nicht so ganz. Trotzdem: Wenn Leute etwas auf dem Herzen haben, dann nehmen wir das auf“, fasst Bürgermeister Torsten Oestmann zusammen.

Indes hat die zurückliegende Sitzung der projektbegleitenden Arbeitsgruppe rund um den Plan neue Ergebnisse produziert: nämlich sogenannte Planfälle. Die Modellrechnungen zeigen auf, wie sich die Verkehrsströme beim Bau zusätzlicher Straßen oder veränderter Streckenführungen entwickeln. Als Grundlage dafür zählen Verkehrszählungen, die die mit dem VEP beschäftigte Planersocietät mithilfe von Kameras erstellt hat. In den jeweiligen Karten zeigt sich die Veränderung mithilfe roter Linien bei Zuwachs und grüner Linien bei Abbau – die Breite der Linie zeigt die Stärke des Effekts an. Einer dieser Planfälle setzt sich mit dem Bau einer Umgehungsstraße in etwa zwischen dem Campus Unterstedt und den Zubringern der B75 in Höhe der Siedlung Luhne auseinander, drei weitere befassen sich mit der Gestaltung der Innenstadt.

So viel schon einmal vorweg: Eine Umgehungsstraße zwischen B75 und B215 am Ortsausgang erziele dem Modell zufolge nicht die erwartete Wirkung: „Der Entlastungseffekt ist gar nicht so groß“, fasst Oestmann zusammen. Knabe sieht vor diesem Hintergrund den Eingriff in die Wümmeniederung kritisch und auch die zeitliche Verzögerung, mit der zu rechnen sei – Paradebeispiel ist das Ringen um die Scheeßeler Umgehung – macht ihm nicht gerade Mut: „Die müsste erst in den Verkehrsentwicklungsplan des Bundes aufgenommen werden“, weiß er.

Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Verden dürfte aber auch wenig begeistert sein, wenn wir da einfach einen Poller hinsetzen.

Uwe Knabe

Mit den drei Planfällen für die Innenstadt versucht sich die Arbeitsgruppe an mehreren Versionen zur Entlastung der Goethestraße. Zwei davon sehen eine geänderte Einbahnstraßenregelung vor, wiederum eine davon soll den Auto-Durchgangsverkehr der Goethestraße ab der Bergstraße komplett unterbinden. Letzteres könnte schon aufgrund des Genehmigungsprozesses kompliziert werden: „Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Verden dürfte aber auch wenig begeistert sein, wenn wir da einfach einen Poller hinsetzen“, meint Knabe schmunzelnd. Der Zuwachs des Verkehrsflusses für die Bundesstraße wäre alles andere als zu vernachlässigen, immerhin fällt so die vermeintliche Abkürzung weg, die viele Autofahrer nutzen, um die Glockengießerstraße zu umgehen.

Der dritte Planfall macht aus der Goethestraße und der Bergstraße eine Fahrradstraße und schafft gleichzeitig die angesprochene durchgängige Fußgängerzone vom Neuen Markt zum Pferdemarkt. Aber auch diese Idee kommt mit ihren Tücken, weiß der Bürgermeister, denn so entfallen auch Parkplätze, die unter anderem für gehbehinderte Menschen eine große Rolle spielen. Ohnehin schwebt dem Bürgermeister ein Parkhaus am Rande der Innenstadt vor, um das Parkplatzproblem direkt auszuräumen: „Dann gehen wir damit halt in die Höhe“, sagt er. Eine weitere Variante des Innenstadtverkehrs hat die Verwaltung ausgearbeitet – deren Auswirkungen auf den Verkehrsfluss müssen aber erst noch über die Modelle der Planersocietät durchgerechnet werden.

Was wie umgesetzt wird, ist letzten Endes Sache der politischen Gremien. Die kommen laut Terminplan zum Zuge, nachdem die Öffentlichkeitsbeteiligung abgeschlossen ist und sich die projektbegleitende Arbeitsgruppe noch einmal getroffen hat. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja bis dahin noch eine zündende Idee aus der Rotenburger Bürgerschaft.

Mitmachen!

Die Bürgerbeteiligung endet offiziell mit dem Freitag. Aber auch in den darauf folgenden Tagen ist die Stadt noch ansprechbar, sollte dem einzelnen Bürger mal spontan eine zündende Idee kommen. „Das ist ein bis zwei Tage danach auch kein Problem“, sagt Oestmann. Wer nach Ende der Abgabefrist für die Karteikarten noch Ideen einreichen möchte, kann das online nachholen: Interessierte Bürger können dann an buergermeister@rotenburg-wuemme.de eine E-Mail schicken.

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