Verhandlung vor dem Amtsgericht Rotenburg bleibt vorerst ohne Ergebnis

Geburtstagsfeier eskaliert

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Zwei 36-jährige Männer sollen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte geleistet haben.

Rotenburg - Wenn die Polizei zu einer Ruhestörung gerufen wird, ist das Alltag. Alles andere als das war der Einsatz am 21. Juni im vergangenen Jahr in Sottrum, an dessen Ende eine Festnahmeeinheit angerückt ist, die zwei 36-jährige Männer in Gewahrsam genommen hat. Die Verhandlung am Donnerstag kam aber noch zu keinem Ergebnis.

So ein respektloses Verhalten habe er bisher während seiner acht Jahre bei der Polizei noch nicht erlebt, schilderte der Polizist, der gemeinsam mit einer Kollegin an dem Einsatz an der Straße An der Bahn in Sottrum beteiligt war. Als sie in der Nacht zu Sonntag von Nachbarn zu einer Ruhestörung gerufen wurden, stellten sie fest, dass in der Garage eines Wohnhauses zu laut gefeiert wurde.

Die Polizistin schilderte, dass der Eigentümer, einer der Angeklagten, sie schon auf dem Hof mit den Worten „verschwindet von hier“ begrüßt habe, ohne, dass die beiden ihr Anliegen hätten schildern können. Der 36-jährige Sottrumer hatte seinen Geburtstag gefeiert und war stark alkoholisiert.

Dadurch, dass er so nah bei dem Beamten gestanden habe, habe sich dieser bedroht gefühlt und den Gastgeber „weggedrückt“, so seine Schilderung. Das brachte den Sottrumer nur noch weiter in Rage. Er habe die Beamten lautstark aufgefordert, das Grundstück zu verlassen, „sonst würde es knallen“. Außerdem habe er sich geweigert, seine Personalien herauszugeben.

Die Polizisten gingen schließlich in die Garage, wo die Gäste saßen. Sie hätten Verständnis für die Aufforderung nach Ruhe gehabt. Als der Gastgeber hinzustieß, habe der die Gäste gegen die Polizisten angestachelt. Um die Situation zu deeskalieren, hätten sich die Beamten vom Grundstück zurückgezogen, blieben hinter dem Jägerzaun, der das Grundstück umfriedet. Von dort aus hätten sie erneut das Gespräch mit dem Besitzer gesucht. Gleichzeitig forderten sie Unterstützung einer Festnahmeeinheit an, die auf dem Hurricane-Festival in Scheeßel im Einsatz war. „Ich dachte wirklich, mein letztes Stündlein hat geschlagen“, so der Beamte.

Die Party-Gruppe sei über den Zaun gestiegen und hätte sich im Halbkreis um die Polizisten positioniert. Der Mitangeklagte, ein 36-jähriger Bremer, habe die Polizistin als „Schlampe“ tituliert. Er selbst hatte zuvor ausgesagt, lediglich den Einsatz „schlampig“ genannt zu haben. Dass es die beiden zurück in den Streifenwagen geschafft hätten, sei „pures Glück“ gewesen, so die Polizistin.

Gegen 3 Uhr nachts kam schließlich die Verstärkung, nachdem Nachbarn noch weitere Male bei der Polizei angerufen hätten. „Da ist jetzt Krieg“, habe ein Anrufer gemutmaßt. Während die beiden Beamten mit ihrem Vorgesetzten das Grundstück betraten, um es noch einmal im Guten zu versuchen, habe einer der Gäste die Polizisten und die anderen gewarnt. In einer Reihe aufgestellt und mit Drohgebärden seien sie auf die Beamten zugekommen. Die Festnahmeeinheit brachte schließlich alle Beteiligten zu Boden.

Um endlich die Personalien des Gastgebers aufzunehmen, begleiteten ihn mehrere Beamte in sein Schlafzimmer – alles auf einem Video festgehalten. Darin war zu sehen, wie sich der Gastgeber massiv dagegen sperrte, den Ausweis herauszugeben. Drei Beamte mussten ihn zu Boden bringen und nahmen ihm den Ausweis schließlich ab.

Die Version der beiden Angeklagten klang da schon anders. Der 36-jährige Bremer könne sich wegen des Alkohols und der Musik an vieles nicht mehr erinnern. Die Aussagen des Gastgebers waren dagegen detaillierter. Durch den Schubser habe er sich provoziert gefühlt. Als sich der Beamte jedoch später entschuldigt habe, habe er sich beruhigt. Eine Eskalation am Auto schilderte er dagegen nicht. Beim zweiten Einsatz habe er sich dagegen von den Beamten bedroht gefühlt, sie hätten ihm wehgetan.

Am Ende waren sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung zumindest in einem einig: Die Angeklagten haben sich falsch verhalten. Ob der Vorfall aber den Vorwurf des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte erfüllt, blieb unklar. Der Gastgeber habe keine Gewalt angewendet, und auch die Androhung dieser konnte nicht abschließend geklärt werden.

Dazu will Richterin Petra Stein-Simon auf Antrag der Verteidigung noch weitere Beteiligte der Feier hören.

iq

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