Geschichtstafel von Rotenburger BBS-Schülern

Die vergessenen Kinder von Riekenbostel

+
Die Geschichtstafel, die Heinz Promann (r.) gemeinsam mit Schülern der Berufsbildenden Schulen Rotenburg erstellt hat, erinnert an die Schicksale von 28 Kindern von Zwangsarbeitern. Diese steht nun auf dem Friedhof an der Lindenstraße in Rotenburg. 

Rotenburg - Von Inken Quebe. Aufarbeitung kann manchmal lange dauern – in diesem Fall waren es mehr als 70 Jahre. Doch jetzt wird jeder Besucher des Friedhofs an der Lindenstraße in Rotenburg daran erinnert, was Kindern aus der sogenannten Kinderverwahranlage Riekenbostel bei Kirchwalsede gegen Ende des Zweiten Weltkrieges geschehen ist. Die Ergebnisse einer Spurensuche hat Heinz Promann, Geschichtslehrer an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Rotenburg, gemeinsam mit Schülern mit einer Geschichts- und Erinnerungstafel am Montag dort präsentiert.

Bewusste Vernachlässigung, mangelnde Hygiene und fehlerhafte Ernährung – die Todesursachen der Kinder, die Zwangsarbeiterinnen in Riekenbostel zur Welt gebracht haben. Die Gräber von acht der 28 Neugeborenen liegen auf dem Friedhof, auf dem nun die Tafel an ihr Schicksal erinnert. Neben Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber war auch Jan Effinger, Geschäftsführer des Bezirksverbands Lüneburg/Stadt vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, zu Gast, um sich ein Bild von den Ergebnissen der Recherche zu machen. Der Volksbund hatte die Arbeit der Schüler unterstützt.

Er erinnerte daran, dass die Aufarbeitung der Zwangsarbeit lange vernachlässigt wurde. „Diese Tafel soll aufklären, erinnern, betroffen machen“, so Effinger. Außerdem würden diese Tafeln weitere Grausamkeiten zeigen, die im Nationalsozialmismus begangen wurden – „auch wenn es schmerzt“. Weil auch die Namen der Opfer zu lesen sind, würde die Anonymität der Gewalt und der Verbrechen aufgebrochen. In Zeiten, in denen Demokratie und Sicherheit in Gefahr seien, sei solch eine Tafel aktuell: „Was können wir daraus lernen?“ Unter anderem deshalb bezeichnete Effinger die Tafel als „hervorrangenden Beitrag zur Auseinandersetzung“ mit der NS-Zeit.

Opfern ihre Würde zurückgeben 

Promanns Interesse für das kaum erwähnte Schicksal der Kinder war mit einem Gespräch mit dem Stader Lokalforscher Michael Quelle, der seit mehr als 30 Jahren Kriegsgefangenengräber dokumentiert, entfacht. Aus Begräbnisbüchern, die im Rotenburger Rathaus in einem Pappkarton aufbewahrt wurden, erfuhr er vom Schicksal der 28 toten Kinder: „Das sind Highlights, wenn man etwas findet, was so lange niemand gesehen hat.“

Insbesondere die Nennung von Namen gebe den Opfern ihre Würde zurück und könnten bei der Trauerarbeit helfen, lobte auch Weber das Engagement von Promann und seinen Schülern. Die Tafel – im Übrigen die dritte dieser Art im Landkreis – beleuchte die Geschichte ähnlich, wie die Gräbertafel am Friedhof an der Freudenthalstraße in Rotenburg, auf der 300 Namen mit Opfern aus Sandbostel, die nach Rotenburg gekommen sind, erinnert wird. Insbesondere freute sich Weber darüber, dass die Dokumente für die neue Erinnerungstafel im Archiv im Rotenburger Rathaus gefunden wurden. Als Pate gegen Rassismus und für Courage beschrieb Bürgermeister Weber die Aufarbeitung der NS-Zeit als wichtig und lud deshalb alle Rotenburger ein, sich auf dem Friedhof nun zu informieren: „Man muss verhindern, dass so etwas noch einmal passiert!“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Dritte Festnahme nach Anschlag in Barcelona

Dritte Festnahme nach Anschlag in Barcelona

Assistenzsysteme im Auto nachrüsten: Was ist sinnvoll?

Assistenzsysteme im Auto nachrüsten: Was ist sinnvoll?

IGS Rotenburg ist Partnerschule des DFB

IGS Rotenburg ist Partnerschule des DFB

Bilder: Tote und viele Verletzte nach Terrorattacke in Barcelona

Bilder: Tote und viele Verletzte nach Terrorattacke in Barcelona

Meistgelesene Artikel

1500 Schützen feiern in Westervesede

1500 Schützen feiern in Westervesede

Nach dem Starkregen: Auto durch Gullydeckel beschädigt

Nach dem Starkregen: Auto durch Gullydeckel beschädigt

Bundestagsabgeordnete Kathrin Rösel und Lars Klingbeil stellen sich Fragen der Schüler

Bundestagsabgeordnete Kathrin Rösel und Lars Klingbeil stellen sich Fragen der Schüler

Kirchengemeinde Scheeßel plant Benefiz-Fest

Kirchengemeinde Scheeßel plant Benefiz-Fest

Kommentare