„Das Vereinsleben hat sich verändert“

Schützenkorps Rotenburg feiert 200-jähriges Bestehen

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Das Rotenburger Schützenfest lebt auch zu einem großen Teil von Traditionen. Schließlich wird das Schützenkorps 200 Jahre alt. Und doch setzt der Vorstand auf Veränderungen – zumindest punktuell.

Rotenburg - Von Ulf Buschmann. Die Menschen sind später unterwegs als noch vor einigen Jahren. Also treten die Mitglieder des Rotenburger Schützenkorps ebenfalls später an – nicht um 7.30 Uhr, sondern erst um 9.30 Uhr. Dies ist einer der – wenn auch eher kleinen – Neuerungen des Rotenburger Schützenfestes. In diesem Jahr ist es etwas Besonderes: Das Schützenkorps der Wümme-Stadt feiert vom 3. bis zum 5. August seinen 200. Geburtstag.

„Tradition mit Blick nach vorne“ – der Vorsitzende Hans-Hinrich Bruns hebt den Leitspruch der Grünröcke hervor. Soll heißen: Sie pflegen ihre Bräuche, aber sind Neuem durchaus aufgeschlossen. Dies mache das Schützenkorps bereits seit seiner Neugründung Ende der 1940er-Jahre so. Darin sind sich Bruns, Schatzmeister Jens Kohlmeyer und Quartiermeister beziehungsweise der 2. Vorsitzende Dirk Schenkenberg einig. Ein Beispiel dafür, dass es stetig voran geht, ist für die Vorständler die Sanierung der Schießstände. Wie unter anderem in Twistringen, wird die Anlage bald digitalisiert.

Nach dem Ende der Nazi-Diktatur und dem Zweiten Weltkrieg hatten die Alliierten zunächst sämtliche Vereinstätigkeiten verboten. Dies galt sowohl für die Sport- als auch für die Schützenvereine. In ihnen sahen die Alliierten nämlich eine Wurzel des deutschen Militarismus, den sie – zumindest in den ersten Jahren nach Kriegsende – ausrotten wollten. Doch spätestens mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland waren wieder Schützenvereine und Schützenfeste erlaubt.

Seitdem kann auch in Rotenburg jeder Interessierte dem Schützenkorps beitreten. „Das war bis zur Neugründung anders“, erinnert sich Bruns, „bis dahin konnte man nicht einfach Mitglied werden.“ Somit sind das Schützenfest und das -korps letztlich eine Veranstaltung und ein Verein für Jedermann.

Veränderungen seien schon vor dem Hintergrund notwendig, dass sich der Alltag und der Tagesablauf der Menschen in den vergangenen Jahrzehnten geändert habe. Während Frauen und Männer beispielsweise auch an den Wochenenden zumeist früh auf den Beinen waren, um einzukaufen, geschieht dies jetzt erst gegen Mittag. Also verzichten die Mitglieder des Schützenkorps darauf, die Leute in Rotenburg früh am Morgen aus ihren Betten zu schmeißen.

Unter die Rubrik Veränderung fällt nach Überzeugung von Schatzmeister Kohlmeyer auch die Einführung des Kinderschützenfestes. Dabei gibt es zwar auch Schießwettbewerbe, aber eben nicht nur. Vielmehr liegt der Schwerpunkt auf zahlreichen spielerischen Angeboten. Um sie auf die Beine stellen zu können, beteiligen sich am Kinderschützenfest auch andere Institutionen, wie zum Beispiel die Rotenburger Feuerwehr. Es hat sich nach Überzeugung des Korpsvorstands als Familienevent etabliert – mit Haupttag am Sonnabend.

Auf der anderen Seite haben sich die Verantwortlichen des Schützenkorps vor fünf Jahren dazu entschlossen, den Jägerball einzustellen. Den gab es immer im Januar, doch nach Auskunft von Schenckenberg und Bruns war der Zuspruch in den letzten Jahren nicht mehr so gut, wie einst. Der Schützenkorps-Vorsitzende zieht seinen Schluss: „Das Vereinsleben hat sich verändert.“

Was immer erhalten bleiben wird, ist der Umzug – wenn auch mit einigen Neuerungen seit dem vergangenen Jahr. Die rund 400 Teilnehmer des Rotenburger Schützenkorps, befreundeter Schützenvereine sowie aus den Reihen der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine treten am Samstag, 4. August, um 11.15 Uhr zum Rundmarsch durch die Stadt an. Es geht durch die Burgstraße, die Mühlenstraße und Goethestraße, die Bergstraße, Am Sande, die Große Straße, Nödenstraße, Aalter Allee, Bahnhofstraße und In der Ahe.

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