Verdi-Sprecher widerspricht im Erzieherinnen-Tarifstreit „falschen Zahlen“

Gewerkschaft kritisiert Luttmann

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Landrat Hermann Luttmann wird für seine Äußerungen im Erzieherinnen-Tarifstreit kritisiert.

Rotenburg - Die Gewerkschaft Verdi übt kräftige Kritik an Äußerungen von Landrat Hermann Luttmann (CDU) zum aktuellen Tarifstreit.„Falsche Zahlen werden nicht richtiger, wenn man sie ständig wiederholt“, so Gewerkschaftssekretär Jörn Kroppach. „Herr Luttmann behauptet, die Gehälter der sozialen Berufe seien um bis zu 30 Prozent gestiegen. Keine der Erzieherinnen und Sozialpädagogen konnte auf ihrer Entgeltabrechnung bisher eine solche Erhöhung entdecken“, so Kroppach zu den Aussagen Luttmanns in der jüngsten Ausgabe der Rotenburger Rundschau.

Kroppach wundert sich auch über die Aussage des Landrates, es gäbe keinen Nachholbedarf: „Bis hin zum Bundeswirtschaftsminister Gabriel fordern Politiker und Bildungs-Experten eine Aufwertung und bessere Bezahlung der Sozial- und Erziehungsberufe“. Kroppach weiter: „Herr Luttmann ignoriert, dass die Anforderungen und Belastungen der Beschäftigten massiv gestiegen sind, aber die Eingruppierung von 1991 stammt. Eine der Ursachen des Fachkräftemangels ist auch die schlechte Bezahlung.“

Den Hinweis auf die noch schlechter bezahlten Beschäftigen der Kirchen und freien Träger empfindet der Gewerkschafter als respektlos. „Ein typisches Arbeitgeberargument. Natürlich findet man immer jemanden der schlechter bezahlt wird. Muss es deshalb anderen auch schlecht gehen?“ Als Gewerkschaft setze man sich zudem auch dafür ein, dass die Entgelte der Beschäftigten anderer Träger ebenfalls angehoben werden.

„Herr Luttmann erweckt den Eindruck, die Arbeitgeber hätten Angebote gemacht und Verdi nicht darauf reagiert. Dieser Behauptung widerspreche ich energisch!“, so Kroppach in der Pressemitteilung. „Es war eben nicht von Anfang an Streik. Das am Donnerstag von den Arbeitgebern vorgelegte Angebot war das erste überhaupt. Die Verdi-Forderungen hingegen liegen seit Dezember auf dem Tisch. Die Arbeitgeber haben bisher darauf gesetzt, den Streik auf dem Rücken von Eltern und Kindern auszusitzen und haben in fünf Verhandlungsrunden seit März kein Angebot vorgelegt“. Luttmanns Argument, eine generelle Aufwertung der Sozial- und Erziehungsdienste sei nicht finanzierbar und würde Gebührenerhöhungen nach sich ziehen, lässt Kroppach nicht gelten. „Wir fordern eine bessere Eingruppierung, die im Durchschnitt zu zehn Prozent höheren Einkommen führt. Da die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst rund zehn Prozent aller Beschäftigten bei den Kommunen ausmachen, würden die Personalkosten bei Städten und Gemeinden durchschnittlich gerade einmal um ein Prozent zusätzlich belastet werden. Im Übrigen werden Bund, Länder und Gemeinden bis zum Jahr 2019 etwa acht Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr einnehmen. Allein für die Kommunen belaufen sich die Mehreinnahmen auf 4,1 Milliarden Euro, also knapp eine Milliarde Euro zusätzlich pro Jahr.“ Es seien also Spielräume für die Kommunen zur Finanzierung der Tarifforderung vorhanden, so Kroppach.

Kroppach kritisiert weiter: „Herr Luttmann fordert die Eltern auf, Druck auszuüben auf Arbeitgeber und Gewerkschaft. Aber was tut er selbst zur Lösung des Konflikts? Ich fordere Landrat Luttmann auf, bei seinem eigenen Arbeitgeberverband, bei dem der Landkreis ja Mitglied ist, Druck zu machen für ein ordentliches Angebot. Das würde das Ende des Streiks beschleunigen.“

mk

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