Veranstalter für Weichelsee-Party fehlt - Stadt beruft sich auf Vorschriften

Osterfeuer auf der Kippe

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Die Osterfeuer-Party am Rotenburger Weichelsee fällt in diesem Jahr vermutlich aus.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Den Frühling begrüßen ohne Osterfeuer? Auf dem Dorf eigentlich undenkbar. Doch zumindest in Rotenburg wird das in diesem Jahr so sein – das Osterfeuer am Weichelsee wird wohl nicht stattfinden.

Veranstalter Ulrich Schorpp vom „Strandhouse“ am Weichelsee hat die Notbremse gezogen, sieht die Auflagen der Stadt als nicht erfüllbar an. Und die Stadt selbst springt nicht als Ausrichter ein. „Es wird einfach zu teuer für uns“, sagt Schorpp durchaus enttäuscht zu der Entscheidung, nach vielen Jahren erstmals wieder auf das Osterfeuer zu verzichten. Rund 1000 Menschen seien zuletzt gekommen, so ganz lasse sich die für alle offene Veranstaltung ohne Eintrittsgelder nicht beziffern. Habe sich die Durchführung zuletzt gerade noch so getragen, müsste er nun draufzahlen, so Schorpp. Die Fläche neben seinem „Strandhouse“-Areal, auf dem das Osterfeuer durchgeführt wurde, muss von der Stadt gepachtet werden. Dazu kämen Kosten fürs Personal, das Aufräumen, die Verkaufsbuden und die Logistik insgesamt. Was am Ende in der Kasse bleibt, reiche nicht mehr, wenn auch noch neue Auflagen hinzukommen: Wenigstens neun statt zwei Sicherheitskräften verlange die Stadt nunmehr, dazu einen Sanitäter vor Ort, einen weiteren Toilettenwagen. Auf „2000 bis 3000 Euro zusätzlich“ taxiert Schorpp den Aufwand – nicht wirtschaftlich.

Frank Rütter, Leiter des Rotenburger Ordnungsamtes, verteidigt die Maßnahmen. Zuletzt seien es beim Weichelsee-Osterfeuer rund 2000 Besucher gewesen, so die Rechnung im Rotenburger Rathaus. Und dafür gäbe es schließlich gewisse Vorkehrungen, die zu treffen seien. Auch wenn bislang noch nichts Schlimmeres passiert sei, müsse die Sicherheit verbessert werden: „Wir können eine gewisse Gefährdung nicht ausschließen.“ Das Osterfeuer am Weichelsee sei zuletzt eine Nummer zu groß gewesen. Nur die Kälte und Nässe Anfang April 2015 hätten dafür gesorgt, dass es übersichtlich geblieben sei.

Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) verteidigt die Auflagen und sieht die Stadt nach den Beschränkungen bei der Bullensee-Maitour nicht als grundsätzlichen Spielverderber in Sachen Party. Die Regeln müssten eben beachtet werden, um Sicherheit zu gewähren. Die Stadt selbst werde nicht als Veranstalter einspringen – „dafür haben wir kein Personal“. Den Kreisstädtern bliebe ja immer noch die Möglichkeit, eines der vielen Osterfeuern in den umliegenden Ortschaften zu besuchen.

2014 folgte auch Niedersachsen den Bundes- und EU-Vorgaben zum Verbot von Brenntagen. Befürchtungen, dass damit auch die Osterfeuer ganz verschwinden, begegnete die Landesregierung mit einer Brauchtums-Regelung: Traditionen können weiter genehmigt werden, das Lagerfeuer im heimischen Garten ist sowieso in Ordnung. Was nun wirklich Brauchtum ist, muss jeweils vor Ort entschieden werden. 2015 sorgten die Verwaltungen dafür, dass es weiter dutzende Osterfeuer in der Region gab. Rotenburgs Ordnungsamtsleiter Rütter nimmt aber denjenigen die Hoffnung, die die Klausel für ihre Zwecke nutzen wollen: „Es können keine neuen ‚Traditionen‘ mehr gegründet werden.“

Am Weichelsee soll an Ostern übrigens trotzdem gefeiert werden – wenn auch ohne Feuer. Schorpp hat im „Strandhouse“-Jubiläumsjahr zur „Eiertanz“-Zeltparty geladen. Und für den Rest des Jahres stehen zahlreiche weitere Veranstaltungen an. Allerdings auch mit einem Haken: Der Landkreis hat das Veranstaltungsgelände Weichelsee laut Rütter aus Lärm- und Naturschutzgründen nur noch für 1300 Besucher zugelassen. Großveranstaltungen wie die „Summer Sensation“ stehen damit auf der Kippe. Deren Veranstalter wollten sich aber noch nicht zu den Auflagen äußern.

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