Stadt reagiert 

Vandalismus und Verschmutzung: Eine Schule zäunt sich ein

Catrin Cramme ärgert sich über das Verhalten mancher Zeitgenossen. Fotos: Krüger
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Catrin Cramme ärgert sich über das Verhalten mancher Zeitgenossen.

Rotenburg - Es ist kein neues Problem, aber es wird größer: Vandalismus und Verschmutzungen auf den Schulhöfen in Rotenburg. Die Stadt als Trägerin der Grundschulen und der Integrierten Gesamtschule hat bereits reagiert und mehrere Maßnahmen eingeleitet. Zudem wird auf die Einsicht der Täter gesetzt – wenn es denn überhaupt zu einer Kommunikation kommt.

Catrin Cramme will jedenfalls nichts unversucht lassen. Im Dezember flogen gleich in mehreren Nächten ganze Packungen an rohen Eiern gegen die Fensterscheiben ihrer Schule. Die Leiterin der Kantor-Helmke-Grundschule musste das zunächst einmal mit Bedauern feststellen, tun konnte auch sie nichts – und die „Reinigungskräfte mussten es ausbaden“, wie sie sagt. Roher Eimatsch ist äußerst hartnäckig, schlecht zu entfernen – und über den Sinn oder Unsinn solcher Aktionen muss sowieso nicht diskutiert werden. Politische oder irgendwelche andere Botschaften hinterließen die unbekannten Täter jedenfalls nicht. Es ging einzig und allein um die Sauerei.

„Im engeren Sinne ist das auch keine Sachbeschädigung, sondern nur Verschmutzung“, sagt die Rektorin. Angezeigt worden seien die Taten trotzdem bei der Polizei. Auch die Nachbarn seien informiert worden, um möglicherweise in den Abendstunden mal genauer hinzuschauen. Zudem habe sich hier und da mal der Hausmeister etwas länger auf die Lauer gelegt, um mögliche Täter auf frischer Tat zu ertappen. Erfolglos. Erst, als Cramme und ihr Team mehrere großformatige Aushänge mit Appellen ans Gewissen der Täter ans Schulgebäude angebracht hatten, endete die nächtliche Eierwerferei. „In meiner Hilflosigkeit habe ich beschlossen, sogar an die Menschlichkeit der Täter zu appellieren. Komischerweise hat das geholfen“, sagt die Schulleiterin.

Der Aushang der Kantor-Helmke-Schule wirkt offenbar.

Mag man die Eier an den Fensterscheiben noch als Dummejungenstreiche abtun, mehren sich auch Vorfälle anderer Art, bei denen der Humor komplett fehlt. So fänden an der Kantor-Helmke-Schule Hausmeister und Lehrer immer häufiger leere Schnapsflaschen und Bierdosen in den Spielbereichen der Kinder, auch wurden Holzplanken zerstört und ein Spiel-Holzboot angezündet. Ähnliche Vorfälle gab es an der Schule am Grafel, wo zahlreiche Beleuchtungsanlagen zerstört wurden, wie Bürgermeister Andreas Weber (SPD) bestätigt. Dazu Farbschmierereien und zerschlagene Scheiben. „Vandalismus und Verschmutzungen sind seit längerer Zeit zu beobachten. Insgesamt nimmt die Häufigkeit zu, und das Schadensausmaß wird mehr“, sagt Weber. Betroffen seien die Schulhöfe, die Spielplätze auf den Schulhöfen sowie auch öffentliche Spielplätze. In Einzelfällen seien zwar Täter ermittelt worden, insgesamt sei das aber schwierig. Hausmeister und das Gebäudemanagement beseitigten so gut es geht Schäden umgehend, „damit unsere Schulen in einwandfreiem Zustand bleiben“.

Kantor-Helmke-Schule folgt Zaun-Lösung der Schule am Grafel

Wie an der Schule am Grafel werden zur Abwehr solcher Taten an der Kantor-Helmke-Schule nun mehr und höhere Zäune gezogen. Das Klettergerüst der Grundschule soll in einen umzäunten Bereich versetzt werden, und der öffentliche Weg über den Schulhof zwischen Wümmeweg und Hemphöfen wird durch einen Zaun vom Schulbereich abgetrennt. Zudem will die Stadt die Höfe außerhalb der Schulzeiten mit Kameras überwachen lassen. Eine andere Lösung sieht Cramme für ihre Schule nicht. Bis 2016 habe der alte Hausmeister noch auf dem Schulgelände gewohnt und so ständig einen Blick aufs Gelände gehabt. Nun müssten andere Lösungen gefunden werden, um die Kinder zum Beispiel vor Verletzungen durch Scherben zu schützen.

Auf die Frage, ob man den potenziellen Tätern als Stadt nicht anderen Aufenthaltsmöglichkeiten als Schulhöfe und Spielplätze anbieten müsste, damit Vorfälle dieser Art von vornherein vermieden werden, reagiert Bürgermeister Weber indes schroff. Seine Antwort: „Ist diese Frage ernst gemeint, oder werden hier aus Tätern Opfer gemacht?“

Kommentar zum Thema Vandalismus

Von Michael Krüger

An die eigene Nase fassen 

Natürlich gehört sich das nicht! Leere Bierdosen auf dem Grundschul-Klettergerüst, Scherben von Kornbuddeln auf dem Spielplatz und Dummejungenstreiche dazu – Eier gegen Fensterscheiben werfen. Das ist extrem unnötig und trägt seinen Teil zur Verwahrlosung unserer Umgebung bei. Saufen kann man auch woanders als an der Grundschule, und Eier sollte man sich lieber lustig gegenseitig gegen die Köpfe werfen. 

Doch bevor wir Älteren mal wieder zu schwadronieren anfangen, dass früher alles besser war und die Schnapsis und Halbstarken unerträglich seien, sollten wir mal kurz unsere Vorbildfunktion hinterfragen. Waren Sie in diesen ersten Wochen des Jahres, die eigentlich dem Winter gehören, mal in der Ahe oder im Luhner Forst unterwegs? 

Tun Sie das, und nehmen Sie am besten einen großen Müllsack mit. Denn auf diesen Kohltour-Highways mitten im Wald muss man aktuell leider schon artistische Fußfolgen hinlegen, um nicht alle paar Meter gegen und auf leere Buddeln, Kronkorken, Taschentücher und alle die anderen Hinterlassenschaften der spaßigen Wanderer zu treten. 

Waren wir uns im Jahr 2020 nicht eigentlich einig, dass wir etwas anders mit der Umwelt umgehen? Das eine relativiert nicht das andere. Aber es ist das gleiche Problem.

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