Unsicherheit für die Planung 2021: Was geht, was nicht?

Urlaub mit Fragezeichen

Monika Bruns sitzt in ihrem Reisebüro am Schreibtisch.
+
Auf Stippvisite im eigenen Reisebüro: Monika Bruns schaut regelmäßig nach der Post und nach dem Rechten, aber die wenigen Anfragen, die es derzeit gibt, erledigt sie meist aus dem Homeoffice.

Rotenburg – Seit Dezember heißt es auch in den Reisebüros wieder: Licht aus. In manchen ist das im wörtlichen Sinne zu nehmen, so ist das im Holiday Land von Monika Bruns am Neuen Markt dieser Tage oft der Fall. „Seit Oktober geht kaum etwas“, erzählt sie – erst Ende des Jahres gab es wieder Stornierungen. Eine zum Beispiel für Dänemark – das Nachbarland gestattet derzeit keine Einreisen zu touristischen Zwecken.

Und auch sonst sieht es mau aus, was die Urlaubsplanung vorerst angeht – fast alle Länder sind Risikogebiete, Reisende müssen bei der Einreise oft einen negativen Corona-Test vorweisen und Rückkehrer dann in Quarantäne. Und dann ist da ja auch noch der Mensch selbst: Und der zögert angesichts der Lage, fest etwas zu buchen.

Grundsätzlich geht fast alles – jedes Reiseziel kann gebucht werden, ob die Reise zum entsprechenden Zeitpunkt im Verlauf des Jahres angetreten werden kann, bleibt abzusehen. Und wer aus einem Risikogebiet zurückkehrt, muss sich Stand jetzt auf Quarantäne einstellen, sagt Bruns – und das in die Urlaubspläne mit einberechnen. Reiseveranstalter kommen der Situation bestmöglich entgegen, überlegen sich flexible Modelle – und das müssen sie auch. Nicht wenige Reisen mussten in den vergangenen Monaten mitunter kurzfristig storniert werden. Entweder vom Veranstalter aus oder auf Kundenwunsch. Das gestaltet sich manchmal nicht einfach, viele Stunden hat Bruns bereits in der Warteschleife verbracht, um jemanden zu sprechen. „Bei den Veranstaltern sind ja auch viele Mitarbeiter in Kurzarbeit. Die Erreichbarkeit ist natürlich in normalen Zeiten anders.“

Im Herbst hatte Bruns noch eine Liste geführt, in welche Länder Reisen möglich sind, „das habe ich aber schnell aufgegeben“, sagt sie. Obwohl sich die Lage und die Bedingungen teils täglich ändern – mit einem Blick auf die Seite des Auswärtigen Amts und die Nachrichten startet für Bruns jeder Tag –, empfiehlt sie dennoch, zu buchen, wenn man es ohnehin vorhätte. „Gerade, wenn man auf die Ferien angewiesen ist – viele Veranstalter bieten eine Flex-Option an, da sind Umbuchungen oder Stornierungen möglich.“ Ein paar Urlaubswillige hätten das im vergangenen Jahr in Anspruch genommen und auf dieses Jahr umgebucht.

Dennoch: Die Reisebüros sind leer, auch, was Anfragen angeht. Viele Leute schätzen den direkten Kontakt – gerade den kann Bruns gerade aber nur telefonisch oder per E-Mail anbieten. Und das wird eventuell noch einige Wochen so bleiben. „Normalerweise ist jetzt die Hauptbuchungszeit“, sagt sie. Viele Menschen müssen ihren Urlaub einreichen, können so den Rest des Jahres planen – und nutzen Frühbucherrabatte.

Gut 99 Prozent Einbruch, sagt sie, beschert ihr der Jahresanfang derzeit. Wenn Buchungen ausbleiben, erhält Bruns keine Provision. „Bei Stornierungen wird meine investierte Arbeit nicht bezahlt.“ Normalerweise hätten sie und ihre Mitarbeiterin jetzt mit am meisten zu tun. Diese ist Zuhause – in Kurzarbeit. Es gibt keine andere Möglichkeit, sagt Bruns. Acht Stunden im Laden sitzen für die Beantwortung weniger Mails und Telefonate? Das schafft sie gut alleine – und meistens aus dem Homeoffice.

Genau das ist es aber auch, was ihr ebenfalls zu denken gibt: Viele Menschen sind in Kurzarbeit, die Einkommen fehlen. Und wer kein Geld über hat, kann es nicht zum Beispiel in Reisen investieren. Bruns Laden rettet aktuell die Überbrückungshilfe vom Staat. Ohne die, sagt sie deutlich, wäre schon Schluss. Denn die Kosten für Miete und Programme beispielsweise laufen ja weiter – bei minimalen Einnahmen.

Wie es in den kommenden Monaten weitergeht, weiß Bruns noch nicht. Sie hofft auf den Sommer, dass dann wieder einiges möglich sein wird. „Damit wir dann wieder durchstarten können.“ Auch im vergangenen Sommer hatte es mit den Lockerungen wieder viele Buchungen gegeben. Und viele Menschen möchten auch gerne raus, etwas anderes sehen, das merke sie an den Anrufern, die sich nach den Möglichkeiten erkundigen.

Dass viele in Deutschland bleiben, davon geht sie aus. Die Küsten an Nord- und Ostsee könnten, wie im vergangenen Jahr, beliebte Anlaufstellen sein. Aber vielleicht auch Länder wie Griechenland, wo es 2020 viele Deutsche hingezogen hatte. „Das war im Sommer ein beliebtes Ziel. Da ist es schon sinnvoll, zu buchen. Wenn viele in Deutschland bleiben, werden Zimmer irgendwann knapp.“ Aber ein richtiger Trend für 2021 sei derzeit noch nicht abzusehen. Noch sind viele verunsichert, das könne sie auch verstehen – es ist und bleibt vage.

Aber: Von vielen Urlaubern habe sie auch die Rückmeldung bekommen, dass es sehr erholsame Tage waren, wenn jemand trotz der Einschränkungen gefahren ist. „Es ist sehr ruhig in den Urlaubsregionen“, berichtet Bruns. Schwierig ist die Lage allemal für viele Seiten. Jeder ist angehalten, möglichst Zuhause zu bleiben, doch die Menschen in typischen Urlaubsregionen wie Spanien oder der Türkei haben ohne Touristen keine Arbeit. „Deswegen haben sich diese Reiseländer darauf eingestellt, jeder hat Hygienekonzepte, davon hängen viele Arbeitsplätze ab.“

Und ohnehin, an gewisse Abstriche werden wir uns noch eine Zeit gewöhnen müssen, ist sich die Reisebüro-Inhaberin sicher: das Tragen einer Maske an vielen Orten, das regelmäßige Hände desinfizieren, Tests oder Quarantäne: „Das wird uns im Sommer noch erhalten bleiben.“ Und dann bleibt noch die Frage, ob Länder und Fluggesellschaften den Zutritt nur mit Impfung gestatten – in Foren wird das bereits gut diskutiert, weiß Bruns.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Günter Scheunemann kandidiert zum dritten Mal für den Bundestag

Günter Scheunemann kandidiert zum dritten Mal für den Bundestag

Günter Scheunemann kandidiert zum dritten Mal für den Bundestag
Ehepaar Norden gibt Lütje Isdeel in Fintel wegen benachbarten Bautätigkeiten auf

Ehepaar Norden gibt Lütje Isdeel in Fintel wegen benachbarten Bautätigkeiten auf

Ehepaar Norden gibt Lütje Isdeel in Fintel wegen benachbarten Bautätigkeiten auf
Die Kreissprecher über den Zustand der Grünen: „Das ist jetzt eine andere Partei“

Die Kreissprecher über den Zustand der Grünen: „Das ist jetzt eine andere Partei“

Die Kreissprecher über den Zustand der Grünen: „Das ist jetzt eine andere Partei“
Landkreis macht mit Impfbus Halt in Rotenburg

Landkreis macht mit Impfbus Halt in Rotenburg

Landkreis macht mit Impfbus Halt in Rotenburg

Kommentare