Nach der Krebsstudie von Bothel

Linke kritisiert: „Unverantwortliche Gefährdung“

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Es bleibt weiter unklar, ob oder wie gefährlich die Erdgasförderung vor Ort ist.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Nach der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse zur Krebsstudie von Bothel sieht die Partei „Die Linke“ die Bundesregierung in der Verantwortung, Gefahren durch die Erdgasindustrie zu unterbinden. Doch die große Koalition in Berlin verweist auf die Zuständigkeit der Länder.

Hubertus Zdebel, Obmann der Linken-Fraktion im Bundestag-Umweltausschuss, spricht von „Hinweisen auf einen Zusammenhang zwischen der Wohnortnähe zu Erdgasförderstellen und dem Auftreten hämatologischer Krebserkrankungen bei Männern“ und fordert die Mehrheitskoalition aus Union und SPD im Bundestag auf, schärfere Gesetze auf den Weg zu bringen: „Das Mindeste wäre, auf Bundesebene ein Verbot des Fracking in spezifischen Sandgesteinen, sogenannten Tight-Gas-Reservoirs, die es gerade in Niedersachsen in großem Umfang gibt, durch einen Gesetzentwurf einzuleiten.“ 

Doch anstatt das zu tun, gedenke die Bundesregierung trotz der erhöhten Krebszahlen „weiterhin die Hände in den Schoß zu legen“ – was sich aus einem Schreiben von Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Baake (Grüne) aus der vergangenen Woche ergebe. Zdebel hatte das Ministerium gefragt, welche Vorsorgemaßnahmen angesichts eines möglichen Zusammenhangs geplant seien.

Hinweise werden ignoriert

Baake verweist zunächst auf die konkreten Untersuchungsergebnisse des Gesundheitsamts in Rotenburg. Tatsächlich heißt es im entsprechenden Bericht, dass es Hinweise „auf vermehrte hämatologische Krebserkrankungen bei Beschäftigten der holzverarbeitenden Industrie“, Auffälligkeiten bei der räumlichen Nähe des Wohnortes zu Bohrschlammgruben und einen „deutlich schwächeren Hinweis auf Erdölförderanlagen“ gibt. Aber eben auch: „Dieses Ergebnis eines explorativen Analyseansatzes beweist damit nicht einen ursächlichen Zusammenhang der erhöhten Krebserkrankungsrate und Wohnortnähe zu Bohrschlammgruben oder Förderanlagen für Männer.“

Das Wirtschaftsministerium verweist auf die Länder, die allein für die Zulassung und Überwachung bergrechtlicher Vorhaben wie die Gewinnung von Erdgas zuständig seien. Rotenburgs Gesundheitsamtsleiter Frank Stümpel hatte diesbezüglich vergangene Woche in der Sitzung der AG Erdgas und im Umweltschutzausschuss des Kreistags erneut betont, dass mit dem Land Niedersachsen an einer größeren Studie gearbeitet werde. Diese soll mehr Aufschluss darüber bringen, welchen Einfluss Erdgasförderung und deren Abfallprodukte auf die Gesundheit der Menschen haben. Für ihn sei klar: „Ich würde mich schwertun, zu sagen, dass die Auffälligkeiten keine Bedeutung haben.“

Für die Linke auf Bundesebene ist eine weitere Studie nicht ausreichend. Geradezu zynisch sei es zudem, dass die Bundesregierung auf „angebliche Verschärfungen“ durch das im Februar in Kraft getretene Fracking-Gesetzespaket verweise. Denn dieses Recht habe keine Verschärfungen der technischen Rahmenbedingungen für die Tight-Gas-Förderung gebracht, sondern sie vielmehr in großem Maßstab erlaubt. Die Bundesregierung missachte das Vorsorgeprinzip und verweise auf zukünftige Untersuchungen. Zdebel: „Damit setzt sie die Betroffenen weiterhin der unverantwortlichen Gefährdung aus.“

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