1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Rotenburg
  4. Rotenburg (Wümme)

Untreue? Reitclub Rotenburg fehlen 70000 Euro

Erstellt:

Von: Michael Krüger

Kommentare

Schild vom Reitclub Rotenburg
Der Reitclub Rotenburg hat ein ernsthaftes Problem: Sein Vermögen ist weitgehend futsch. Ob und wie es auf der Anlage an der Visselhöveder Straße weiter geht, ist unklar. © Guido Menker

Wo ist das Geld des Rotenburger Reitclubs? 72 300 Euro soll Kassenwart Frank Peters in den vergangenen beiden Jahren unterschlagen haben. Der Verein hat Strafanzeige erstattet, es laufen polizeiliche Ermittlungen. Doch der wegen Untreue beschuldigte FDP-Politiker wehrt sich und spricht von „Mutmaßungen und unwahren Sachverhalten“.

Rotenburg – „Das Geld ist weg.“ Franziska Meyer-Hesselbarth berichtet von einem „einzigen Problemfeld“, das sich ihr als Rechtsanwältin auftut: Die Hemsbünderin vertritt den dreiköpfigen Vorstand des Reitclubs Rotenburg, der sich einer Frage stellen muss: Wo ist das Vermögen des Vereins? Meyer-Hesselbarth hat für den Reitclub Strafanzeige gegen den bisherigen Kassenwart Frank Peters wegen Untreue erstattet, zudem ist eine Klage vor dem Landgericht Verden eingereicht worden. Es geht um 72 300 Euro. In einem Schreiben, das am Sonntag an die rund 300 Mitglieder des Vereins verfasst wurde, spricht Meyer-Hesselbarth von „Überweisungen und Barabhebungen (...) aus der Vereinskasse ohne vereinsbezogenen Verwendungszweck“, die „von Herrn Peters getätigt worden sind“. Peters habe „äußerst elegant den Vorstand hinters Licht geführt“.

Reitclub Rotenburg
Der Reitclub Rotenburg muss einige Brandherde in seinem Verein löschen. Es gibt Probleme mit der Pächterin, aber das viel dringendere ist die Frage, wo das Vermögen des Clubs geblieben ist. Mehr als 70 000 Euro sind verschwunden, sagt der Vorstand, der dafür den bisherigen Kassenwart Frank Peters verantwortlich macht und Strafanzeige wegen Untreue erstattet hat. © Menker, Guido

Peters selbst äußert sich gegenüber der Kreiszeitung auf Nachfrage schriftlich. Er sei derzeit beruflich als selbstständiger IT-Fachmann in Irland unterwegs und nicht „verschwunden“, wie es das Schreiben des Reitclubs unterstelle. Der Reitclub habe schon „seit mehreren Monaten mit diversen großen Problemen“ zu tun, so Peters. Er spielt damit unter anderem auf die vertraglichen Auseinandersetzungen mit Pächterin Angélique Sieg an. Laut Anwältin Meyer-Hesselbarth sei das aber nur „Kleinmist“ im Vergleich zur Frage, wo das Geld des Vereins geblieben ist. Peters sagt, er sei „entsetzt über die Art und Weise der Darstellungen“ in dem Schreiben an die Mitglieder. Darin würden „sowohl ein paar Fakten als auch Mutmaßungen und unwahre Sachverhalte vermengt“, es ergebe sich „eine Story, die nur sehr unvollständig ist und nicht die Geschehnisse korrekt wiedergibt“.

Was Herr Peters zu der Sache gesagt hat, war für die Mülltonne.

Rechtsanwältin Dr. Franziska Meyer-Hesselbarth

Zu weiteren Details will sich Peters nicht äußern, „um weiteren potenziellen Schaden für den Reitclub und mich persönlich zu vermeiden. Der verbliebene Vorstand des Reitclub hat eine Anzeige erstattet, ich habe ebenfalls eine Anzeige erstattet, und die Anwälte werden nun die nächsten Schritte vorgeben, und es wird sich spätestens vor einem Gericht zeigen, wie das alles zu bewerten ist.“

Konsequenzen hat der vierfache Familienvater Peters indes trotzdem schon gezogen. So ist der FDP-Politiker zum Ende der vergangenen Woche von seinen beiden Mandaten in Kreistag und Rotenburger Stadtrat zurückgetreten. An die politischen Kollegen und die Verwaltung hatte er sich diesbezüglich mit einem Schreiben gewandt, in dem er davon spricht, dass sich „in den letzten zwölf Monaten in meinem Privat- und Berufsleben eine Anzahl von ernsten Problemen entwickelt“ hätten. Um diesen gerecht zu werden, könne er seine politische Tätigkeit nicht weiter fortsetzen.

Pferde auf einer Wiese
Die Pferde auf der weitläufigen Anlage des Reitclubs bekommen von den Querelen nichts mit. © Menker, Guido

Unklar ist nun, wie es im Reitclub Rotenburg angesichts der juristischen Auseinandersetzungen weitergehen kann. Momentan läuft der Betrieb. „Der Verein ist nicht komplett pleite“, betont Anwältin Meyer-Hesselbarth. Man sei dabei, einen „Kassensturz“ vorzunehmen. Peters habe über den Kontostand „immer falsch“ informiert, erst als die Vorsitzende Jennifer Sievers im August eine Kontoeinsicht genommen habe, sei das ganze Dilemma klar geworden. Vorwürfe, betont Meyer-Hesselbarth, könne man dem nach Peters Demission noch dreiköpfigen Vorstand, dem auch Sabrina Lade-Klein und René Appelt angehören, aber nicht machen. Schon gar nicht hätten sie sich selbst schuldig gemacht. Dass die Kassenlage über die zwei Jahre, in denen Peters die Funktion innehatte, so unklar gewesen sei, wäre zum einen der Pandemie geschuldet – reguläre Vorstandssitzungen konnten lange nicht stattfinden, heißt es. Zudem habe es innerhalb des Clubs an konstruktiver Kommunikation und Zusammenarbeit gemangelt. Erst am 31. August, als Vorstand und Anwältin Peters bei einem Treffen mit den Vorwürfen konfrontiert hätten, habe dieser eingelenkt und „weitgehend ungeordnete Kassenunterlagen“ ausgehändigt. Ein Großteil der genannten Summe will Peters „in Hamburg angelegt“ haben – ohne allerdings den Reitclub davon zu informieren. Alle weiteren Aussagen gegenüber dem Vorstand zum Verbleib des Geldes seien „für die Mülltonne“. Meyer-Hesselbarth: „Dies ist ein klassischer Fall von Untreue.“

Ob das wirklich so ist, müssen die Ermittlungen ergeben. Die Staatsanwaltschaft Verden jedenfalls, die bei einem Offizialdelikt wie Untreue schon von sich aus ermitteln müsste, sagt laut Sprecher Marcus Röske: „Bei der Staatsanwaltschaft ist kein entsprechendes Verfahren anhängig.“ Wohl aber weiß die Polizei in Rotenburg von den Vorwürfen. Ins Detail geht Sprecher Heiner van der Werp allerdings auch nicht: „Es geht um Untreue gegen einen Rotenburger. Mehr sagen wir nicht.“

Frank Peters
Frank Peters bestreitet den Vorwurf der Untreue. Er hat seine politischen Ämter in Kreistag und Stadtrat aber niedergelegt. © Privat

Abel und Künzle rücken in die politischen Ämter nach

Frank Peters hat seine politischen Mandate niedergelegt. Er war seit 2016 in Kreistag und Rotenburger Stadtrat vertreten, zunächst für die Freien Wähler, wechselte dann aber in die FDP und übernahm dort auch Sprecherfunktionen. Rotenburgs Bürgermeister Torsten Oestmann und Landrat Marco Prietz (CDU) bestätigen die Schreiben von Ende vergangener Woche, in denen Peters mitgeteilt habe, sein jeweiliges Mandat mit sofortiger Wirkung niederzulegen. Zu den Gründen äußern sich beide nicht. In den Kreistag rückt Robert Abel aus Ahausen nach. Abel war auch schon 2019 in den Kreistag nachgerückt für den ins Europaparlament gewechselten Jan-Christoph Oetjen. Im Rotenburger Stadtrat neu dabei sein wird für Peters der FDP-Ortsverbandsvorsitzende Alexander Künzle.

Auch interessant

Kommentare