Lukas Franz: Unterwegs auf den Schienen

22-Jähriger ist Lokführer beim Metronom und bildet bereits aus

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Lukas Franz beim Außengang um die Lok. Eine wichtige Maßnahme zur Kontrolle wichtiger Elemente des Zuges.

Rotenburg - Von Wieland Bonath. Eine knappe Stunde nach Mitternacht: Wenige Fahrgäste aus Richtung Bremen, die um 0.44 Uhr am Gleis 6 des Rotenburger Bahnhofs angekommen sind, verlassen den Metronom. Noch kurze Zeit, noch das wichtige Nachbereiten, dann ist für Lokführer Lukas Franz Feierabend. Wieder elf Stunden mit konzentrierter Arbeit und Verantwortung für Hunderte Fahrgäste.

Bevor Franz nach Hause fährt, nimmt er sich gut eine Stunde Zeit. Er will „seinen“ Zug, der mit vier anderen bewacht auf Gleis 74 am Ende des Bahnhofs steht und auf den kommenden Betriebstag wartet, zeigen und erklären. Nur ein Personenzug aus Richtung Hamburg wird noch in wenigen Minuten in der Wümmestadt erwartet. Eine regennasse, graue Nacht.

Franz, in Hamburg geboren und in Rotenburg aufgewachsen, verließ mit Abschluss der 10. Klasse und erweitertem Realschulabschluss das Ratsgymnasium. Ihn hielt es nicht mehr auf der Schulbank, er musste seinen Traum, Lokführer zu werden, endlich verwirklichen. Der 22-Jährige: „Lukas, dieser Name war bei mir so etwas wie Vorbestimmung. Ich wusste schon mit etwa drei Jahren, dass ich Lokführer werden möchte. An diesem großen Kindheitswunsch hat sich bis heute nichts geändert.“

Mit der Holzeisenbahn begann die Leidenschaft

Lukas Franz erinnert sich: „Meine Eltern und Großeltern sind regelmäßig mit mir zum Rotenburger Bahnhof und zu anderen Bahnhöfen gefahren. Mich faszinierte diese Welt, die Personen- und Güterzüge, das bunte Leben auf den Bahnhöfen.“ Mit der Holzeisenbahn zu Hause in seinem Zimmer habe die Leidenschaft bereits begonnen. „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, eines der erfolgreichsten deutschen Kinderbücher von Michael Ende, sei sein Lieblingsbuch gewesen. Die Eltern hätten ihm jeden Abend daraus vorgelesen. Lokführer sei sein großer Berufswunsch gewesen.

Begeisterung und ein eiserner Wille waren für Lukas Franz die Leitmotive. Selbstverständlich, dass er sich beim Schulpraktikum für die Bahn entschied. Lukas lernte während des 14-tägigen Praktikums auf dem Rangierbahnhof Hamburg-Süd Mitarbeiter und Vorgesetzte kennen, die wichtige Kontakthinweise für den künftigen Beruf gaben. Am 2. September 2013 begann seine dreijährige Ausbildung zum „Eisenbahner im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer und Transport“. Die Ausbildung zum Lokführer ist sehr vielschichtig und anspruchsvoll. Erwartet würden unter anderem, so Lukas Franz, ein hohes Maß an eigenverantwortlichem Handeln, analytisches Denken, Belastbarkeit, richtiges Reagieren bei Stress. Der Lokführer müsse in der Lage sein, gleichzeitig die Strecke zu beobachten, die Sicherheitsfahrschaltung zu bedienen und die Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde zu beachten. Und das gelte selbstverständlich auch beim Aufholen einer Verspätung.

Lukas Franz hat nach seiner erfolgreichen Ausbildung als Lokführer seinen Dienst beim Güterverkehr der Deutschen Bahn (Rangierbahnhof Hamburg-Süd) aufgenommen. Dazu gehörten vereinzelt Streckenfahrten in vielen Bereichen Niedersachsens. Sein Ziel war jedoch, im Personenverkehr zu arbeiten. Deshalb wechselte er im September 2016 zur Metronom Eisenbahngesellschaft.

Eine Entscheidung, die genau richtig gewesen sei. Diese Tätigkeit mache ihm, obwohl die Schicht- und Wochenendarbeit manches Mal an die Substanz gehe, riesige Freude. Der Schichtdienst sei auch der Grund, weshalb manche Schulabgänger bei der Berufswahl den Lokführerberuf mieden.

Franz beim Abschlussdienst im Maschinenraum der E-Lok.

Er selbst fährt heute wechselweise die Strecke Bremen-Hamburg und die etwa 80 Kilometer lange Strecke Hamburg-Lüneburg-Uelzen mit elf Stationen. Der Metronom-Zug mit seinen Doppelstockwagen in den typischen blau-gelb-weißen Farben, den Lukas Franz um 0.44 Uhr aus Bremen kommend in den Rotenburger Bahnhof steuerte, ist 181 Meter lang, hat sechs Waggons und fasst rund 700 Fahrgäste. Morgens und abends, bedingt durch den Berufsverkehr in die beiden Hansestädte Hamburg und Bremen, ist der Zug fast bis auf den letzten Platz besetzt. Das gilt auch für die Wochenenden und die Feiertage.

Zum Zugpersonal gehören in der Regel zwei Fahrgastbetreuer. Sie sind für den Kundenservice zuständig und unterstützen den Lokführer. Der Platz für Lukas Franz ist der Führersitz am Bedienungspult des Führerstandes der 7 610-PS-Lok, die 84 Tonnen wiegt und 18,9 Meter misst. Wenn Franz oder seine Kollegen die modernen, über die Stahlschienen „summenden“ Züge lenken, dann sind sie im Führerraum fast immer allein. Für die Dienstfähigkeit des Lokführers und damit die Sicherheit der Fahrgäste gibt es die Sicherheitsfahrschaltung. Lokführer haben gleichzeitig Funktionen des Zugführers. Dazu gehört unter anderem die Ansage und wichtige Informationen für die Reisenden. Außerdem sind sie für die Technik an Bord des Zuges zuständig.

Er schult Quereinsteiger, Berufsneulinge und Kollege

An erster Stelle steht für Lokführer das permanente und genaue Beobachten der Strecke, das sofortige Reagieren auf Hindernisse und plötzliche Zwischenfälle. Schnellbremsungen müssen eingeleitet werden. Trotzdem benötigt der Zug mit seiner riesigen Masse bei 160 Kilometern pro Stunde noch etwa 700 Meter, um zum Stehen zu kommen. Oft keine Chance, Unfälle zu vermeiden. Lukas Franz hat diese von Lokführern gefürchteten Situationen noch nicht erlebt. Lokführer werden im Rahmen entsprechender Schulungen regelmäßig darauf vorbereitet.

Mit 22 Jahren und wenigen Dienstjahren hat es Lukas Franz bereits zum Ausbilder gebracht. Seit Juni dieses Jahres schult er Quereinsteiger, Berufsneulinge und Kollegen, die ihr Wissen und Können erweitern wollen. Was sagt er zu autonomem Fahren der Loks in wenigen Jahren, wie der ehemalige Chef der DB, Rüdiger Grube, in einem Interview angekündigt hatte? Franz: „Da würde ich mich nicht hineinsetzen. Ich habe gern selbst die Kontrolle.“

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