60 MINUTEN Rotenburg sucht die „Heimatshoppen-Queen“

Unterwegs in der Innenstadt

Welches Kleid darf es denn sein? Nanette Brandt muss sich entscheiden.
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Welches Kleid darf es denn sein? Nanette Brandt muss sich entscheiden.

Rotenburg – Einkaufen in Zeiten von Corona bleibt ein wenig skurril. Wir haben uns alle inzwischen dran gewöhnt. Maske rauf, in den Laden rein, aus dem Laden raus, Maske runter. Durchatmen. Weiter geht es, mit dem Betreten des nächsten Geschäfts wiederholt sich das Ganze. Ein notwendiges Übel, welches dem ein oder anderen ein wenig den Spaß am Shoppen genommen hat. Für die in der Regel inhabergeführten Läden, zum Beispiel in der Rotenburger Innenstadt, ist die Situation belastend. Sie haben mit Umsatzeinbrüchen zu kämpfen, manch einer überlegt es sich zwei oder dreimal, ob er jetzt wirklich losziehen will.

Doch es gibt – zum Glück – auch die anderen. Die anderen, das sind Menschen wie Nanette Brandt und ihre Freundin Mandy Druske. Sie arbeiten beide bei Oetjen Logistik und sind Arbeitskollegen, aber eben auch befreundet. Heute haben sie sich getroffen, um einkaufen zu gehen: Nanette Brandt ist eine der drei Kandidatinnen, die sich für die Kür der „Heimatshoppen-Queen“ beworben haben, Mandy Druske steht als Beraterin zur Seite. Mit der bundesweiten Aktion wollen die Industrie- und Handelskammern auf die Bedeutung des Handels für das Leben in den Innenstädten hinweisen. Dabei gilt es, den Spagat zwischen Abstand halten, Maske tragen und doch Spaß beim Einkaufen zu erleben sichtbar zu machen – eben zum Beispiel durch die Kür einer „Queen“.

Nanette Brandt erhält Gutscheine im Wert von 500 Euro, den Einkauf darf sie mit etwas Glück am Ende der Aktion behalten. Sie hat eine Aufgabe zu lösen: Ihre fiktiven Schwiegereltern kündigen sich zu Besuch an und sie muss sich entsprechend kleiden. Dreieinhalb Stunden haben die Freundinnen Zeit, ihre Auswahl zu treffen. Sie wollen sechs Geschäfte aufsuchen, und momentan sind die beiden etwas aufgeregt. Das von Jette Grewe angebotene Glas Sekt lehnen sie ab, „ich brauche erst mal einen klaren Kopf“, seufzt Brandt. Keine Frage, sie nimmt sich der gestellten Aufgabe an. Und trotz der Aufregung freut sie sich sichtbar: „Ich gehe gerne einkaufen, vor allem eben hier in den Geschäften der Innenstadt. Ich mag die Atmosphäre einfach unheimlich gerne.“

Der Startschuss zum vor ihnen liegenden Einkaufsmarathon fällt bei „fashion tree“. Es gilt nun, ein Kleid auszusuchen. Beide Arme sind gefüllt mit verschiedenen Variationen, so verschwindet Brandt in der Umkleide. „Oh, ich hab nicht auf die Größe geachtet, tausch mir das mal bitte um“, lacht sie und reicht ihrer Freundin eines der vielen möglichen Kleider. Die beiden haben die Ruhe weg, ein Modell nach dem anderen wird detailliert betrachtet. „Das erste Kleid hat mir am besten gefallen“, schwärmt die „Einkaufsqueen“ und probiert munter die nächsten drei Ideen durch. Alles wird genau analysiert: Die Farbe muss stimmen, der Schnitt wird infrage gestellt, die Form muss passen. Und alles wird anprobiert, eben in Ruhe. Dann gilt es, mit den verschiedenen Kleidern noch einmal verschiedene Jacken und Oberteile zu kombinieren. Nach einer Weile versteht man als Betrachter die „Probleme“ der Ehemänner, die ihre Frauen zum Einkauf begleiten sollen – diese Angelegenheit verlangt ein wenig Geduld. Es wird warm unter den Masken, bislang hat kein weiterer Kunde das Geschäft betreten – viel Umsatz machen die Inhaber zur Zeit sicherlich nicht. Doch da, endlich, die Tür geht auf und eine Dame gesellt sich zu der munteren Runde, sie will offensichtlich ebenfalls ein Kleid kaufen. Die beiden Freundinnen indes werden sich nach 43 Minuten einig. Final wird das Kleid erworben, welches als erstes anprobiert wurde. „Jetzt brauchen wir die passenden Schuhe“, lachen sie mit bewundernswertem Elan und marschieren los.

Nach einem kleinem Spaziergang – ohne Maske und zum Durchatmen geeignet – geht es nun zu Sport Lehmann. Offensichtlich ist die Auswahl des passenden Schuhs deutlich einfacher. Zwei, drei Varianten von Schuh werden an das Kleid gehalten. „Dieser Schuh macht einen schlanken Fuß“, das gefällt den Freundinnen und auch die Verkäuferin ist angetan. Nun wird es ernst, die ersten Schuhe werden anprobiert. „Der ist es, der ist bequem und sieht gut aus“, Nanette Brandt ist mit ihrer Auswahl zufrieden, „der ist noch dazu ein Schnapper“, lacht sie. Die erste Stunde von dreieinhalb ist um, auf der Liste der beiden stehen noch vier Adressen. „Wir liegen gut in der Zeit“, stellen sie optimistisch fest. Ein wenig ist die ganze Angelegenheit wie ein perfektes Dinner: Steht das Hauptgericht, finden sich Vor- und Nachspeise recht schnell.

Man wünscht viel Spaß und stellt fest: Einkaufen macht manchen Menschen richtig Spaß, und das ist auch gut so. Denn neben dem jeweiligen Spaß, sowohl während des Einkaufs als auch anschließend mit der erhaltenen Ware, schenken die Einzelhändler den Innenstädten auch ganz viel Wohlfühl-Atmosphäre und Lebendigkeit. Und das bisschen Maske tragen stört im Grunde wesentlich weniger, als manch einer meint.

Heimatshoppen

Die Aktionswoche Heimatshoppen wird federführend von der IG City Marketing durchgeführt und läuft noch bis morgen.

Von Judith Tausendfreund

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