Untersuchung ehemaliger Bohrschlammgruben beginnt/PRD-Rückzug bestätigt

„Zuversichtlich, dass wir alle Belastungen finden“

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Die ländliche Idylle bleibt. PRD wird das Erdölfeld Volkensen nicht wieder erschließen.

Rotenburg - Von Elisabeth Stockinger. Kallmoor Z1 macht den Anfang: Ab Ende September soll die Bohrschlammgrube bei Stemmen detailliert untersucht werden, um die festgestellten Verunreinigungen beseitigen zu können. Auch weitere Gruben im Landkreis, 18 sind es voraussichtlich, sollen in den kommenden fünf Jahren einer Analyse unterzogen werden.

Eine „akute Gefahr für Leib und Seele“ bestehe bei Kallmoor Z1 nicht, sagte Gert Engelhardt vom Amt für Wasserwirtschaft und Straßenbau des Landkreises gestern während der Sitzung der Arbeitsgruppe Erdgas- und Erdölförderung im Landkreis Rotenburg. Nachdem im Herbst 2014 die Verunreinigungen bekannt geworden seien, habe man sofort Maßnahmen ergreifen wollen, um diese zu beheben. Aufgrund einer naturschutzfachlichen Prüfung konnte dieses Vorhaben jedoch nicht direkt in die Tat umgesetzt werden.

Voraussichtlich am 28. September werde der Landkreis nun mit den detaillierten Untersuchungen beginnen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir alle Belastungen finden“, so Engelhardt. Sobald die ersten Ergebnisse zu verzeichnen seien, werde er diese der Arbeitsgruppe präsentieren. „Ich hoffe, das wird noch in diesem Jahr der Fall sein.“

Nicht nur Kallmoor Z1, sondern auch viele weitere ehemalige Bohrstellen im Land Niedersachsen sollen Gegenstand von Untersuchungen sein, erläuterte Engelhardt weiter. Aus diesem Grund wollen das Land Niedersachsen und der Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) eine Vereinbarung treffen, um diese Begutachtungen finanziell zu fördern. Der Entwurf dieser Vereinbarung liegt bereits vor. Die Förderquote beträgt demnach 80 Prozent, die übrigen Kosten tragen die Unteren Bodenschutzbehörden als Antragsteller. Im Landkreis Rotenburg wären 18 von insgesamt 24 Gruben betroffen, als Untersuchungszeitraum sind fünf Jahre angesetzt (1. Januar 2016 bis 31. Dezember 2021). Engelhardt hofft, dass die Vereinbarung demnächst abgesegnet wird, um mit den entsprechenden Vorbereitungen beginnen zu können.

Als durchweg positiv nahmen die Arbeitsgruppenmitglieder gestern zudem die Nachricht auf, dass die PRD Energy GmbH sich auch offiziell aus dem Deutschland-Geschäft und somit aus dem Landkreis Rotenburg zurückgezogen hat. Die kanadische Explorations- und Produktionsgesellschaft hatte in der Region zwei Projekte verfolgt: Beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) waren Betriebsplanverfahren für geophysikalische Messungen im Raum Sittensen und die Wiedererschließung des Erdölfeldes Volkensen mit einer Erkundungsbohrung beantragt worden. Beide Projekte waren auf massiven Widerstand gestoßen.

Es sei ein „schwieriges Unterfangen“ gewesen, mit dem Unternehmen zusammenzuarbeiten, erläuterte Ulrich Windhaus, LBEG-Abteilungsleiter, die Hintergründe des Rückzuges. „Der kanadische Konzern hat sich in vielerlei Hinsicht nicht an die Gepflogenheiten hier vor Ort gehalten.“ Über einen längeren Zeitraum habe sich das Genehmigungsverfahren hingezogen, bis PRD am 8. August dieses Jahres alle Anträge zurückgezogen habe. Die bis dahin entstandenen Kosten trage das Unternehmen. Windhaus: „Zurzeit bestehen keinerlei Aktivitäten mehr. PRD hat sich aus dem Geschäft in Deutschland verabschiedet.“ Auf die besorgte Nachfrage der Arbeitsgruppenmitglieder, ob die frei gewordenen Flächen nicht von anderen Unternehmen genutzt werden könnten, sagte Windhaus: „Dazu kann ich mich derzeit nicht äußern. Die Flächen sind frei. Es gibt auch Interessenten, die bereits an uns herangetreten sind.“ Ob diese aber ein explizites Vorhaben bekundet hätten, ließ Windhaus offen.

Angelika Dorsch, Vorsitzende der Arbeitsgruppe, wertete den PRD-Abzug als einen kleinen Erfolg: „Vielleicht können wir das ,Erdöl‘ im Namen unserer Arbeitsgruppe demnächst streichen.“

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