Landkreis will in Verbund – Kommunen sind sich nicht einig

HVV-Beitritt: Unterschiedliche Wege

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Mit dem Metronom von Sottrum, Rotenburg, Scheeßel und Lauenbrück nach Hamburg fahren soll für Fahrgäste günstiger werden. Wer der Bahngesellschaft allerdings die Verdienstausfälle bezahlt, ist noch offen.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Einigkeit herrscht, wohin es gehen soll: nach Hamburg, und das günstiger. Der Landkreis will eine zwei Jahrzehnte alte Debatte beenden und dem Hamburger Verkehrsverbund (HVV) beitreten. Der Kreistag hat dazu vergangene Woche einen ersten Beschluss auf den Weg gebracht. Doch unklar bleibt, wie der Weg in den HVV begangen wird. Es geht um viel Geld – und da herrscht weiter Uneinigkeit.

Am Dienstagabend vergangener Woche wollte der Rotenburger Stadtrat nachziehen. Ein paar Stunden zuvor hatte der Kreistag beschlossen, zumindest Inhabern von Wochen-, Monats- oder Jahreskarten Vergünstigungen zu ermöglichen –  die günstigste Lösung mit entsprechenden Kostenbeteiligungen für Kommunen mit Bahnhöfen. Die Kreisstadt müsste dafür jährlich rund 100.000 Euro aufbringen. Zu viel für Bürgermeister Andreas Weber (SPD). Kostenersparnisse von vier Prozent lediglich für Zeitkarten? Und keine Beteiligung der Pendler aus den umliegenden Gemeinden, die auch vom Rotenburger Halbstunden-Takt nach Hamburg profitieren? Rotenburg ist unentschieden. In die Beratungen mit dem Landkreis geht Weber nun ohne klare Empfehlung des Stadtrats. Es sollte eine neue Zählung der Fahrgastzahlen geben, „auf deren Grundlage sachgerecht über die Kostenanteile entschieden werden kann“.

Knackpunkt ist das Geld

Der Knackpunkt bei der Beitrittsdebatte ist natürlich das Geld. Wie viel sind die Kommunen angesichts der zu erwartenden Zuschüsse der Länder Hamburg und Niedersachsen bereit, selbst zu übernehmen? Der Kreistag sagt eine Übernahme von 50 Prozent der kommunalen Kosten zu – egal ob für Zeitkarten oder bei Einzellösungen für alle Tickets.

Sottrum, Rotenburg, Scheeßel und Fintel müssen sich entscheiden. Wie alle Kommunen sind sie aufgefordert, sich bis Ende Januar gegenüber der Kreisverwaltung zu positionieren. Das Zeitkartenmodell würde Sottrum rund 11.000 Euro, Rotenburg 100.000 Euro, Scheeßel 29.000 und Fintel 19.000 Euro kosten. Die Ersparnisse für die Dauerpendler variieren zwischen vier Prozent in der Kreisstadt und 19 Prozent in Bremervörde.

Bahnöfe Scheeßel und Lauenbrück im Niemandsland

Uneinigkeit zeichnet sich allerdings nicht nur für das Zeitkarten-Modell zwischen den Kommunen ab, sondern auch bei der Frage, ob mehr möglich ist. So hat sich die Scheeßeler Politik mittlerweile geschlossen dazu positioniert, bereit zu sein, die jährlichen Zuschüsse in Höhe von bis zu 200.000 Euro für den kompletten Beitritt zu tragen. Alles andere sei „Murks“, sagt Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU). „Wenn wir als Wohn- und Arbeitsstandort attraktiv bleiben wollen, ist die Mitgliedschaft im HVV auf der Linie Hamburg-Bremen wichtig.“ Während bis Tostedt noch der HVV gelte und ab Rotenburg wiederum der vergünstigte Tarif des Verkehrsverbunds Bremen/Niedersachsen, seien die Bahnhöfe Scheeßel und Lauenbrück in keinem Verkehrsverbund, „im Niemandsland“.

Für einen kompletten Beitritt, für den sich auch Bremervörde bei Kosten von 145.000 Euro jährlich an der Bahnstrecke Bremerhaven-Buxtehude stark macht, müssten die vier beteiligten Kommunen im Südkreis kooperieren. Das Modell funktioniert nur, wenn die folgenden Bahnhöfe ebenfalls den gleichen Tarif anbieten. Will Scheeßel also auch vergünstigte Einzeltickets verkaufen, müsste auch die Samtgemeide Fintel mit dem Bahnhof Lauenbrück dabei sein. Wenigstens 90.000 Euro wären das dort. Kaum zu stemmen für die kleine Samtgemeinde. Und so sagt Samtgemeindebürgermeister Tobias Krüger: „Der für das Modell 3 zu erwartende jährliche Kostenaufwand von knapp 20.000 Euro ist vertretbar.“ Also nur Zeitkarten für Fintel – am 26. Januar befasst sich der Samtgemeinderat mit dem Thema.

Höherer Zuschuss von Hannover erwartet

In der Debatte schauen alle Kommunen und der Landkreis kritisch nach Hannover. Von dort war deutlich mehr Zuschuss als die aktuell zugesagten 388.000 Euro jährlich erwartet worden. Die hat Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) am Wochenende im Interview mit der Kreiszeitung unter Verweis auf insgesamt erhöhte Mittel für den Öffentlichen Personennahverkehr verteidigt: „Die aktuell von uns angebotene dauerhafte Mitfinanzierung ist höher als die Kostenbeteiligung des Landes für den HVV-Beitritt der Landkreise Harburg, Lüneburg und Stade.“

Landrat Hermann Luttmann (CDU) kontert: „Minister Lies hatte im letzten Landtagswahlkampf Erwartungen geweckt, die jetzt vom Land nicht erfüllt werden. Ich hatte mir schon vorgestellt, dass wir bei einer kommunalen Beteiligung von immerhin 50 Prozent eine umfassende Regelung, also HVV-Tarif für alle Fahrkarten, bekommen.“

Beitritt zum HVV 2018 realistisch

Ende 2018, heißt es aktuell, ist ein Beitritt des Landkreises zum HVV mit allen organisatorischen Vorläufen realistisch. Mit den ersten Beschlüssen und Stellungnahmen hat sich der Landkreis zwar auf den Weg gemacht – allerdings scheint noch vieles in der konkreten Gestaltung verfahren. Die Pendler müssen weiter warten.

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