Unterschiedliche Altersgrenzen beim Blutspenden / Ab dem 73. Geburtstag ist beim DRK Schluss

Verwirrung beim Aderlass

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Derzeit gibt es noch viele unterschiedliche Altersgrenzen beim Aderlass.

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. Jörg Hempel aus Rotenburg hat in den vergangenen 27 Jahren insgesamt 50 Liter Blut gespendet. Nun ist für den 74-Jährigen Schluss – und das, obwohl er kerngesund ist und seine Hausärztin keine Bedenken hat. Er darf nicht mehr spenden.

Jörg Hempel würde gerne weiter Blut spenden.

In einer Dienstanweisung der Blutspendedienste der DRK-Landesverbände Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Oldenburg und Bremen (NSTOB) ist eine Altersgrenze für Erst- (64 Jahre) und Mehrfachspender (72 Jahre) festgelegt. Diese Regelung soll zeitnah bundesweit einheitlich für alle Blutspendedienste des DRK gültig sein. „Ich war schon etwas verärgert, als der untersuchende DRK-Arzt mir klar machte, dass ich fortan nicht mehr spenden darf. Ich hätte gerne weiter mit meinem Blut Leben gerettet“, erklärte Hempel beim Blutspendetermin vor ein paar Tagen in der Theodor-Heuss-Schule. „Wir Ärzte müssen uns an die Dienstanweisung halten und können keine Ausnahmen zulassen“, erklärte dagegen Doktor Uwe Chuchracky, der bei jenem Termin im Einsatz war. Seit Mai 2009 gibt es eine Lockerung der Altersgrenze. Danach kann grundsätzlich jeder gesunde Erwachsene auch über die Altersgrenze von 68 Jahren hinaus Blut spenden. Das liegt aber dann im Ermessen des untersuchenden Arztes vor der Blutentnahme.

Anders sieht es in Amerika aus. „Da gibt es keine Altersbeschränkung wie bei uns“, so Hempel, der sich bereits im Internet informiert hatte. Demnach hätten Studien ergeben, dass auch Blutspenden im Alter von weit über 70 Jahren gut verwendet werden können, wenn die Person gesund ist. Der Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Rotenburg, Heinz-Günter Bargfrede, ist ebenfalls der Meinung, wenn keine medizinischen Argumente dagegen sprechen, dass auch weit über die Altersgrenze hinaus Ausnahmen gemacht werden sollten. „Das müsste aber auf alle Fälle in Abstimmung mit den Ärzten geschehen“, schränkt der Vorsitzende ein.

Die Anweisung zur Festlegung des Höchstalters ist zurzeit für die DRK-Blutspendedienste der Landesverbände noch nicht verbindlich einheitlich geregelt. Andere infrage kommende Abnehmer des Blutes, wie unter anderem Uni-Kliniken oder private Blutspende-Zentren, sind autark und haben unterschiedliche Altersvorgaben. Auf Anfrage beim DRK-Blutspendedienst Nord-Ost betätigte deren Pressesprecherin Kerstin Schweiger, dass eine einheitliche Regelung für alle DRK-Blutspendedienste angestrebt worden sei und sich die Dienste auf eine einheitliche Regelung verständigt hätten. Diese werde zeitnah zur Umsetzung kommen.

Der Hauptabteilungsleiter und Pressesprecher der NSTOB, Markus Baulke in Springe, erklärte, dass eine verbindliche Umsetzungsfrist unter den DRK-Blutspendediensten zwar noch abgestimmt werde, aber fest stehe, dass in seinem Zuständigkeitsbereich zum1. Januar 2016 die neue Regelung vollständig greifen soll.

In einigen anderen der landesweiten DRK-Blutspendendienste ist die neue Altersbegrenzung bereits umgesetzt. Laut Dienstanweisung vom 31. März gilt unter anderem seit dem 1. Juni für Niedersachsen eine aufgelockerte Regelung, abweichend von der Vorgabe aus dem Mai 2009, erklärte eine DRK-Mitarbeiterin am Servicetelefon in Springe. Die neue gültige Richtlinie besagt, dass die Menschen (wenn alle anderen Voraussetzungen stimmen), die Mehrfachspender sind, bis zu einem Alter von 73 Jahren nach individueller Entscheidung der Ärzte vor Ort Blut spenden dürfen. Erstspender dürften nach individueller ärztlicher Entscheidung nur bis zu 65 Jahren zum Aderlass.

Anders ist es bei autarken Stellen, so unter anderen auch an der Medizinischen Hochschule in Hannover. Dort werden Spendenwillige nach Auskunft der entsprechenden Abteilung nur bis zum Alter von 68 Jahren zugelassen. Dagegen können Leute beim Osnabrücker Zentrum nach vorheriger medizinischer Untersuchung durch einen Arzt bis zum Alter von 72 Jahren Blut zur Verfügung stellen.

Keine Altersgrenze gibt es nach Auskunft der Blutspende-Abteilung der Uni-Klinik in Göttingen. Dort wird nach einer gründlichen ärztlichen Untersuchung entschieden, ob der Spendenwillige auch über das Alter von 72 Jahren hinaus sein Blut abgeben darf.

„Blut altert nicht und wird ständig neu produziert“, erklärt der Leiter des Instituts für Bluttransfusion in Regensburg (Bayern), Günther Aufschnaiter. Wenn der Spender nach ärztlicher Untersuchung geeignet ist, sei es möglich, ihm auch über die von der Bundesärztekammer empfohlene Altersgrenze hinaus Blut abzunehmen. Dabei sei der Blick auf den auf Deutschland zukommenden demografischen Wandel gerichtet, so der Institutleiter.

Eine Fülle an verschiedenen Regelungen also – die Jörg Hempel in Rotenburg aktuell allerdings wenig helfen.

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