Ausweitung der Lkw-Maut: Hoyer rechnet mit Verdoppelung der Ausgaben / Oetjen-Chef: Flächenspediteure im Nachteil

Unternehmer befürchten deutlich steigende Kosten

Die Lkw-Maut soll auf Bundesstraßen ausgeweitet werden. Die lokalen Fuhrunternehmen befürchten deutlich mehr Ausgaben. - Foto: imago

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Bundesweit 40.000 Kilometer mehr. „Das ist eine ganze Menge“, sagt Gerhard Böse, der Geschäftsführer der Rotenburger Spedition Oetjen. Der von der Bundesregierung beschlossene Gesetzentwurf zur Ausweitung der Lkw-Maut auf Bundesstraßen ab Juli 2018 ist für die regionalen Fuhrunternehmen ein schwer zu schluckendes Pfund. „Grob geschätzt werden wir 60 Prozent mehr Maut zahlen müssen“, so Böse – das sei eine Gesamtkostensteigerung von fünf bis zehn Prozent. In Visselhövede, beim Ölunternehmer Hoyer, könnten diese Mehrkosten sogar noch härter in die Bilanz schlagen. Dessen Mautkosten würden sich nach Schätzung von Logistik- und Verkehrsleiter Jörg Rudat verdoppeln.

„Das geht ja dann schon los, wenn wir hier vom Betriebshof auf die Bundesstraße 440 fahren“, sagt Rudat. Die Ausweitung der Lkw-Maut auf Bundesstraßen trifft die Unternehmensgruppe stark, schließlich fahren ihre 373 mautpflichtigen Fahrzeuge hauptsächlich über Land. Ihre Kunden sind seien häufig nicht in Autobahnnähe. Etwa 1,2 Millionen Euro bezahle das Mineralölunternehmen bereits jährlich an Autobahnmaut. Durchschnittlich elf Cent würden pro gefahrenen Kilometer anfallen.

Am Ende zahlt der Verbraucher

Die Spedition Oetjen spielt in der gleichen Liga: Eine Million Euro kosten laut Böse die etwa 140 mautpflichtigen Fahrzeuge der Firma im Jahr an Gebühren, 1,6 Millionen, schätzt der Geschäftsführer, könnten es ab 2018 werden. Böse: „Da muss man sich als Unternehmen irgendwann auch mal fragen, ob man noch am richtigen Standort ist.“

Wie bei der Hoyer-Gruppe fahren die grünen Lkw des Rotenburger Spediteurs zu einem großen Teil über Bundes- und Landesstraßen. „Wir gehen ja noch in die Fläche. Otterndorf, Stade, Lüneburger Heide – da kommt man über Autobahnen ja kaum hin“, sagt Böse. Diese Touren würden bis zu 15 Prozent teurer werden. Sogenannte Flächenspediteure wie Oetjen hätten durch die Ausweitung einen Nachteil. Mitbewerber in Hamburg oder Bremen seien besser dran.

Auch wenn sein Unternehmen zu den Betroffenen der Maut-Ausweitung gehört, Böse ist kein Gegner der Maut. „Das Nutzerprinzip halte ich schon für richtig“, sagt der Oetjen-Geschäftsführer. Die Straßen müssten erhalten werden, und wer die Infrastruktur nutzt, solle auch seinen Beitrag zur Instandhaltung leisten.

Am Ende, glaubt Rudat, „ist der Dumme wieder der kleine Mann“. Es gebe keine andere Möglichkeit, als die Mehrkosten auf die Verbraucher umzulegen. „Das wird vermutlich in der ganzen Logistik so passieren.“ Böse bestätigt: „Letztendlich wird der Kunde das bezahlen müssen, sonst sind wir mausetot.“ Die Margen in der Branche reichten nicht aus.

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