Rektorinnen-Wechsel an der Bernhard-Röper-Schule

Unter neuer Leitung

Leitungswechsel: Simone Broocks (l.) löst Käthe Jans ab.
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Leitungswechsel: Simone Broocks (l.) löst Käthe Jans ab.
  • Guido Menker
    vonGuido Menker
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Rotenburg – 20 Berufsjahre hat Käthe Jans an der Rotenburger Bernhard-Röper-Schule verbracht – jetzt verabschiedet sich die 63-Jährige in den Ruhestand. Ihre Nachfolge tritt eine Frau an, die inzwischen seit 22 Jahren an der privaten Förderschule unterrichtet: Simone Broocks. Dass es zu einer internen Lösung gekommen ist, freut nicht nur die beiden Pädagoginnen, sondern auch Stefan Jacobsen, den kaufmännischen Vorstand des Vereins Heilpädagogische Kinder- und Jugendhilfe Rotenburg. Dieser Verein ist Träger der Schule, die 1983 entstanden ist und ihren Platz am Rotenburger Bahnhof hat.

„Es ist für mich natürlich eine große Herausforderung“, sagt Simone Broocks, die künftig zwar weiterhin auch selbst unterrichten wird, es darüber hinaus allerdings zugleich mit einigen neuen Aufgaben zu tun haben dürfte – vor allem im administrativen Bereich, wie sie selbst sagt. 20 Kolleginnen und Kollegen umfasst das Lehrer-Team, etwa 80 Kinder und Jugendliche besuchen die Schule, die zwei Teile umfasst. Es sind im Prinzip zwei Förderschulen unter einem Dach: Da ist auf der einen Seite die Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung, und auf der anderen Seite gibt es die Förderschule für geistige Entwicklung. Simone Broocks war bisher vor allem in letzterem Bereich zu Hause. Studiert hat sie einst in Bremen.

Käthe Jans ist gebürtige Ostfriesin. Auch sie hat an der Universität studiert – von 1977 bis 1983 Behindertenpädagogik. 17 Jahre lang hat sie zuletzt die Bernhard-Röper-Schule geleitet. Davor war sie an der Rotenburger Pestalozzi-Schule tätig, nachdem sie davor bereits drei Jahre an der Schule am Bahnhof unterrichtet hatte. „Das zusammen war eine gute Kombination“, sagt Jans. „Ich kannte den Laden und die Strukturen, hatte allerdings auch die nötige Distanz.“ Zugleich konnte sie sich bei ihrer Rückkehr der Besonderheiten sicher sein, die diese Schule mitbringt, denn ein großer Teil der Schüler wird stationär, aber auch ambulant vom Trägerverein betreut. Vergleichbare Konstellationen gebe es nur wenige in Niedersachsen, sagt Jans. Doch gerade diese enge Verzahnung bringe viele Vorteile mit sich. Das Motto: „Alles aus einer Hand.“

Gerade diese Aufgabe habe sie einst besonders gereizt. „Vor allem auf der Beziehungsebene ist das etwas ganz anderes als in einer staatlichen Schule“, ist Jans überzeugt. Ein weiteres Merkmal seien die verhältnismäßig kleinen Klassen, die überwiegend von jeweils einem Klassenlehrer betreut würden. Dazu kämen immer wieder auch pädagogische Mitarbeiter.

Sich der Schüler anzunehmen, sei immer ihr Ziel gewesen, hieß es in den Reden zur Verabschiedung von Käthe Jans. Sie habe immer die Benachteiligungen in den Blick genommen, um Potenziale zu sichten und damit Schätze zu heben. Ausdauer und Ziele habe sie bei ihrer Arbeit unter Beweis gestellt.

Die Kinder – überwiegend sind es Jungen –, die in der Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung unterrichtet werden, haben vielfach Psychiatrieerfahrung, erklären Jans und ihre Nachfolgerin in einem Gespräch mit der Kreiszeitung. „Sie kommen in einer Regelschule einfach nicht zurecht.“ In der Regel haben sie diese zuvor besucht – ohne Erfolg. „Sie haben zum Teil langjährige, sehr schlechte Erfahrungen gemacht“, sagt Jans. In der Grundschule habe es meistens noch funktioniert, doch mit dem Wechsel in die weiterführende Schule fingen die Probleme an. Die Hintergründe seien ebenso unterschiedlich wie die Art, in der sich die Probleme darstellten. Dass es überwiegend Jungen sind, die die Bernhard-Röper-Schule besuchen, habe einen einfachen Grund, sagt Simone Broocks: „Mädchen leiden mehr nach innen.“ Bei Jungen kämen die Schwierigkeiten deutlich sichtbarer zum Ausdruck.

Die Bernhard-Röper-Schule macht es sich zur Aufgabe, die Kinder aufzufangen und sie auf Grundlage ihres besonderen Bedarfs zu fördern und zu unterstützen. Dabei sei es förderlich, dass sie im Klassenlehrer eine vertraute Person haben, die sie täglich fünf Stunden unterrichtet. Die individuellen Stärken und Schwächen sind Grundlage für einen individuellen Förderplan. „Unser Ziel ist es, möglichst allen Schülern eine erfolgreiche Rückkehr in eine öffentliche Schule zu ermöglichen“, schreibt der Trägerverein in einer Info-Broschüre. Gelingt das nicht, können die Jugendlichen aber auch an der Bernhard-Röper-Schule einen Abschluss erlangen.

Für die Schüler aus der Förderschule für geistige Entwicklung gehe es bis zum zwölften Jahrgang vor allem darum, ihnen einen Übergang in eine berufliche Tätigkeit zu verschaffen. Dabei, so Simone Broocks, arbeite man eng mit anderen Partnern in der Kreisstadt zusammen – mit der Lebenshilfe etwa, oder auch mit den Rotenburger Werken. Doch jetzt sind ja erst einmal Ferien. Und danach wird es für die neue Rektorin nicht zuletzt auch um die Frage gehen, inwieweit ein Unterricht sich angesichts der Entwicklung der Corona-Pandemie wieder halbwegs normal gestalten lässt. Eine weitere Herausforderung für die Neue, die den „Laden“ aber ebenso gut kennt, wie ihre Vorgängerin.

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