„Unser Dorf hat Zukunft“

Es sieht ungepflegt aus neben dem Fußweg. Alle ärgern sich, aber niemand legt Hand an.
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Es sieht ungepflegt aus neben dem Fußweg. Alle ärgern sich, aber niemand legt Hand an.
  • Guido Menker
    vonGuido Menker
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Im Ortsrat ist man sich einig: Unterstedt strebt vorerst keine erneute Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ an. Erst einmal ist es den Kommunalpolitikern wichtig, die aktuelle Situation in den Griff zu bekommen. Denn es gibt Probleme damit, das Ortsbild so herzustellen, dass alle zufrieden sind. Tenor: „Wir sollten zunächst den ersten Schritt machen, bevor wir über den zweiten Schritt nachdenken.“

Unterstedt – Unterstedts Ortsbürgermeister Uwe Lüttjohann ist nicht überrascht von der Reaktion im Ortsrat. Ganz bewusst hat er dieses Thema mit dem Dorfwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ auf die Tagesordnung gesetzt, um eben genau diese Diskussion zu forcieren, die sich daran entfacht hat. Man vermisst das Engagement der Menschen, das diese Rotenburger Ortschaft über viele Jahre mit geprägt hat. Viele Aufgaben haben die Bürger auf dem kleinen Dienstweg abgesprochen und dann erledigt. Heute sei das Bemühen, selbst etwas für das Gesamtbild des Dorfes zu tun, nicht mehr so groß. Folge: „Wir müssen vom Ortsrat aus Leute beauftragen – und bezahlen.“ Mal sind es die Gehwege vor den Häusern, mal sind es Pflegearbeiten auf öffentlichen Flächen. Um den Spieker kümmert sich nur noch eine kleine Gruppe – sie alle haben mittlerweile ein gewisses Alter erreicht, wodurch die Hoffnung auf junge Kräfte steigt. „Wir brauchen Leute, die einfach mal vorweggehen“, sagt Lüttjohann.

Er selbst sieht mehrere Gründe für die im Ortsrat angesprochene Entwicklung: Da seien einerseits der Generationenwechsel und die beruflichen Entwicklungen der Menschen, die vielfach jede Menge Zeit allein schon zum Pendeln an den Arbeitsplatz aufbringen müssen. Andererseits sei allerdings die Kommunikation anders geworden. Die Homepage werde nicht mehr so genutzt, wie man sie nützen könne. Dorfabende, bei denen bestimmte Themen auf den Tisch kommen, gibt es auch nicht mehr. „Ja, ich denke ernsthaft darüber nach, Dorfabende und Bürgerversammlungen wieder einzuführen“, sagt Lüttjohann, der seit neun Jahren im Amt ist. Dort könnte es dann zum Beispiel zu einer Debatte darüber kommen, wie die Vorstellungen der rund 860 Unterstedter eigentlich aussehen. Denn es sei festzustellen, dass die zum Teil weit auseinandergehen. Lüttjohann: „Das hohe Gras auf dem Gelände neben dem Spieker ist vielen ein Dorn im Auge.“ Er selbst halte es indes für wichtig, dort, wo es möglich ist, der Natur freien Raum zur Entfaltung zu geben, weil so auch Insekten Bereiche für sich entdeckten. Wenn aber Unterstedter sich verweigerten, Bereiche vor ihrem Haus so zu pflegen, wie es erwartet werden dürfe, sei das aus seiner Sicht nicht in Ordnung. Ähnlich auch an einer Bushaltestelle an der Bundesstraße, die das Dorf teilt. „Es gab Zeiten, da hat sich einer die Zeit genommen und sich drum gekümmert.“ Heute wächst das Unkraut aus den Fugen der Steine, die Haltestelle wirkt alles andere als einladend.

Der Ortsrat will die Bürger anschreiben und für mehr Engagement werben. Lüttjohann stellt klar: „Die Leute dürfen sich jederzeit melden. Sei es, dass sie mitteilen möchten, wo der Schuh drückt, oder aber auch, wenn sie sich einbringen möchten.“ Zugleich appelliert er an sie, doch etwas mehr Geduld aufzubringen. „Der Bauhof macht schon sehr viel und hat einiges zu tun. Der kann nicht gleich kommen, wenn er gerufen wird.“ Für Hinweise sei man aber eben dankbar.

Eine andere Kommunikation, Treffen, persönliche Gespräche – „das trägt zur Atmosphäre im Dorf bei, findet Lüttjohann. Er sei es leid, immer nur den Menschen hinterherlaufen zu müssen. Aber: „Es ist ja nicht alles schlecht. Das Dorfleben ist gut, und es findet viel statt.“ Der jährliche Dorfputz funktioniere, der von den jungen Leuten organisierte Weihnachtsmarkt ebenfalls. Ehrenamtlich arbeite man zurzeit an einem neuen Zaun auf dem Friedhof, der Sportverein, die Feuerwehr, der Schützenverein und auch der Schwalben-Club seien weitere positive Beispiele. „Es geht uns einfach um das Erscheinungsbild des Ortes“, unterstreicht der Ortsbürgermeister. Es geht um den ersten Schritt, der Grundlage sei, um mit einer erneuten Teilnahme am Dorfwettbewerb den zweiten zu vollziehen, für den es Arbeitsgruppen, Engagement und Herzblut brauche, heißt es im Ortsrat. Den hat Unterstedt bereits 2004/2005 bewiesen – mit der Ehrung als Kreissieger. Doch der dazu gehörende Gedenkstein in der Nähe des Spiekers – Lüttjohanns Vorgänger Erwin Badenhop hatte daran maßgeblichen Anteil – ist heute eher ein „Zankapfel“. Denn auch in diesem Fall ist strittig, wie hier das Drumherum zu gestalten ist. Es gibt also Gesprächsbedarf. Und die Mitglieder des Ortsrates sind sich einig: Die Teilnahme am Wettbewerb bedeutet, viele neue Dinge anzuschieben. Aber sei schon viel gemacht worden – jetzt gehe es darum, diese zu unterhalten. Es gebe schon so „viele Baustellen“ im Ort. Es sei Vieles erst einmal auf Vordermann zu bringen. Es gelte, die Bürger mitzunehmen und zu inspirieren. Immerhin: Das Dorfleben an sich funktioniert nach wie vor gut. Und so ist sich Uwe Lüttjohann ganz sicher: „Auch ohne die Teilnahme am Wettbewerb hat unser Dorf eine Zukunft.“

Von Guido Menker

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Ortsbürgermeister Uwe Lüttjohann bleibt zuversichtlich, setzt aber auf mehr Eigeninitiative im Ort.

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