Unser Autor testet den Nordpfad Wümmeniederung und entdeckt seine Wanderlust

Auf dem richtigen Weg

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Während der Wanderung hat sich in den Wümmewiesen ein Reh gezeigt.

Rotenburg - Von Michael Schwekendiek. Mit der Zeit haben sich die Nordpfade im Landkreis Rotenburg zu einer Attraktion entwickelt. Nicht nur für Menschen von außerhalb haben die 24 Wanderwege ihren Reiz, auch wer in der Nähe wohnt, kann auf ihnen einiges Neues entdecken. So auch unser Autor, der den Nordpfad Wümmeniederung getestet hat.

Nein, ich bin gar kein großer Wanderfreund. Das mag daran liegen, dass der liebe Gott mir absolut keinen Orientierungssinn mitgegeben hat. Meine Familie kann ein Lied davon singen. Aber ich liebe unsere Gegend. Norddeutschland ist mein Zuhause, und inzwischen ist auch der Sommer endlich zu uns gekommen. So habe ich mich bei der Zentrale des Touristikverbands des Landkreises Rotenburg (Tourow) in der Kreisstadt mit dem nötigen Material versorgt, um den Nordpfad Wümmeniederung zu erkunden. Falls es mit der Beschilderung doch nicht so einwandfrei ist, habe ich eine Karte mit dabei und – viel wichtiger – zwei erfahrene Wanderer. Einer davon ist Falk Lutosch, der ehemalige Forstamtsleiter aus Rotenburg. Der müsste sich ja auskennen, auch wenn wir vor irgendeinem Dickicht landen sollten. Der andere ist Karsten Henning, ein Zahnarzt. Den brauchen wir hoffentlich nicht. Außerdem ist Taco mit dabei – des Försters Hund. „Der findet immer nach Hause“, weiß sein Herrchen. Das klingt beruhigend.

Ausgesucht haben wir uns einen Weg an der Wümme entlang. Start um 6 Uhr morgens am Klärwerk kurz vor Unterstedt. Wetter gut, Rücken stabil, Muskeln locker, Füße ausgeruht, Hund aufgeregt. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern – außer uns kein Mensch zu sehen. Es ist fast schon kitschig schön. Ein deutliches Hinweisschild zeigt uns an, wo wir zu gehen haben. Das ist auch nötig, denn sonst hätten wir den Weg über die Wiese kaum gefunden, da er doch recht zugewachsen ist. Aber regelmäßig treffen wir auf die Nordpfade-Symbole und wissen: Wir sind auf dem richtigen Weg.

Zu so früher Stunde treffen wir auf Rehe. Es ist Jagdsaison, was auch das Rehwild, so der Förster, sehr bald gelernt hat. Und so lassen uns die Tiere nicht besonders dicht herankommen, aber auch ohne die mitgebrachten Ferngläser sind sie gut zu erkennen. Unsere Region gilt als eine mit dem höchsten Wildbestand – in ganz Deutschland, wohlgemerkt. Bussarde kreisen über uns, Krähen bewachen ihre Nester und treulich begleiten uns auch tausende von Mücken. Menschen sind noch immer nicht zu sehen.

Als wir die Westermoorer Dünenlandschaft und das daran angrenzende Wochenendgebiet hinter uns gelassen haben, treffen wir aber noch auf welche – zumindest so ähnlich: Auf der Trienenwiese stehen einige lustige, allerdings hölzerne Zeitgenossen – Werke Ahauser Künstlerinnen. Zu denen hätte ich mir gerne noch weitere Informationen am Wegesrand gewünscht. Überhaupt gibt es einiges an Kunst zu sehen auf dieser Tour, alles irgendwie witzig und verspielt. Weiter geht es am Ahauser Bach entlang mit einem kleinen Abstecher Richtung Ahauser Mühle. Lohnt sich schon wegen des verschlungenen Weges – und auch der ist erstklassig ausgezeichnet. Der Bach ist hier und da mit angelegten Sohlgleiten versehen. Das sorgt, so lerne ich, für mehr Sauerstoff im Wasser. Über das alte – längst stillgelegte, aber sehenswerte – Hassendorfer Wehr geht es schon wieder Richtung Rotenburg.

Pause soll im „Waldklassenzimmer“ an der Strecke sein. Unser forstlicher Begleiter weiß, wo es ist. Wir anderen beiden hätten es wohl nicht gefunden, denn kein Schild weist darauf hin. Außerdem merken wir, dass dort der „Hausmeister“ fehlt. Die Tische und Stühle sind teilweise umgeworfen, Brennnesseln überwuchern einige Bänke. Der angeblich so schöne freie Blick in die Wümmeniederung ist zugewachsen. Dort wuchert, so lernen wir von unserem Förster, die Spätblühende Traubenkirsche. Irgendwann habe man die aus Nordamerika eingeführt, sich davon manchen Nutzen versprochen, aber nun wuchert sie überall, deckt alles zu und lässt langsamer wachsende einheimische Baumarten nicht hochkommen. Längst habe sie sich als ökologisch sinnlos erwiesen. Tatsächlich: Kaum, dass ich mich umsehe, entdecke ich sie jetzt überall.

Kurz darauf begegnen uns drei seltene Exemplare: ein richtiger Mensch – es war tatsächlich der einzige auf der gesamten Wanderung –, eine Blindschleiche und eine Prachtlibelle. Unsere Region beherbergt insgesamt etwa vierzig verschiedene Libellenarten, weiß unser Forst-Freund; darunter sind einige äußerst seltene Exemplare.

Oftmals sind Libellen ein Anzeichen dafür, dass in der Nähe intakte Gewässer sind, die sie brauchen, damit sich ihre Larven entwickeln. Nebenbei lerne ich noch Einzelheiten über die Große Sternmiere, die überall am Wegesrand blüht, über das Wiesenschaumkraut und weiß jetzt, dass besagte Spätblühende Traubenkirsche auch dann nicht eingeht, wenn die Baumrinde beschädigt ist. Das, was nicht erwünscht ist, ist eben oft besonders resistent. Ich denke an manche Pflanze in unserem Garten.

Schneller als gedacht – nämlich nach gut vier Stunden – sind wir wieder an unserem Ausgangsort. Etwa 17 Kilometer Fußweg waren es. Kein Problem, und bestens ausgeschildert. Selbst ich hätte diesen Weg mühelos gefunden. Wir haben uns sofort vorgenommen, weitere Nordpfade zu bewandern. Es lohnt sich, macht Freude, die Touren kann man prima nach eigener Ausdauer anlegen. Ich werde wohl doch noch ein Wanderfreund.

www.nordpfade.info

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