Unser Autor macht sich auf die Suche nach Männern in für sie untypischen Jobs

Allein unter Frauen

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Mirco Dillenberger ist Zahnarzthelfer im Diakoniekrankenhaus.

Rotenburg - Von Michael Schwekendiek. Vor kurzem gab es in dieser Zeitung einen Artikel über „Frauen in Männerberufen“ zu lesen (Zimmerin, Kfz-Mechatronikerin, Truckerin). Da tauchte die Frage auf, wie es denn eigentlich umgekehrt wäre: Wo sind Männer in typischen Frauenberufen? Unser Autor hat sich auf die Suche gemacht.

Gleich vorweg: Das hatte ich mir leichter vorgestellt! Aber schon die erste Frage war nicht leicht zu beantworten: Was sind denn eigentlich typische Frauenberufe? Spontan fiel mir nur einer ein: der älteste Frauenberuf überhaupt, Hebamme. Aber gibt‘s da auch Männer? Jawohl, nach Auskunft des deutschen Hebammenverbandes in ganz Deutschland allerdings nur zwei oder drei. Übrigens heißen die nicht etwa „Geburtshelfer“, sondern korrekt „Entbindungspfleger“. Und die wenigen scheinen auch nicht direkt bei Entbindungen zugegen zu sein, sondern beschäftigen sich eher mit Geburtsvorbereitung oder Akkupunktur.

Antje Jäger, niedergelassene Hebamme in Rotenburg, meint, weil nach wie vor viele Frauenärzte männlich sind, hätte die „Gebärende eventuell ein großes Problem“, wenn nun auch noch ein männlicher Entbindungspfleger dazu tritt. Ein interessanter Aspekt, den sie am Rande erwähnt: „Nach dem Krieg brauchten auch Hebammen eine Ausnahmegenehmigung, um wieder arbeiten zu dürfen, da erst einmal die Männer wieder ihre alten Plätze einnehmen sollten.“ Trotzdem: Bewerbungen in dieser Frauendomäne gab es wohl eher nicht. Angelika Lisitzki, in Bremen und Rotenburg tätige Lehrhebamme, hat in ihrer langjährigen Tätigkeit noch nie eine Anfrage eines Mannes bekommen.

Und wie ist es in einer anderen medizinischen Disziplin? Arzt- oder Zahnarzthelferin? Dem Eindruck nach ebenfalls ein reiner Frauenberuf. Im Diakonieklinikum Rotenburg sind wir fündig geworden. Dort gibt es in der Abteilung von Prof. Dr. Christian Schippers (Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie) tatsächlich einen männlichen „Zahnmedizinischen Fachangestellten“ – wie Zahnarzthelfer heute korrekt heißen.

Mirco Dillenberger (25) ist der einzige im gesamten Klinikum. Die Rolle als männlicher Solist kennt er. Er war schon in der Berufsschule der einzige Mann in der Klasse. Und Jens Rohde, verantwortlicher Lehrer an den Berufsbildenden Schulen Zeven, wo diese Ausbildung stattfindet, kann in derzeit sechs Klassen für Medizinische und Zahnmedizinische Fachangestellte gerade mal zwei Männer zählen. Wieso nicht mehr? Dillenberger vermutet dahinter „klischeehafte Vorstellungen“, aber eine schlüssige Antwort hat er auch nicht. Er jedenfalls hat viel Freude an seinem Beruf, will aber demnächst doch noch ein Studium anfangen.

Schauplatzwechsel. Floristin ist offensichtlich auch ein typischer Frauenberuf, denn schon der Berufsverband verkündet, dass 93,9 Prozent in diesem Beruf weiblichen Geschlechts sind. Immerhin: Ein paar Männer müsste es doch geben. Aber bei uns? In Kirchwalsede werde ich fündig: Andreas Müller, Juniorchef einer Gärtnerei dort, ist gelernter Florist. Der einzige weit und breit. „Schon in der Berufsschule war ich allein unter 23 Frauen – nicht schlecht“, erinnert er sich. Aber ansonsten? „Ist wohl eher ein femininer Beruf.“

Wenigstens in einer klassischen Frauenkategorie will ich es noch versuchen: Irgendwo muss es doch einen Mann geben, der „erfolgreich ein kleines Familienunternehmen führt“, einen Hausmann. Aber einen hundertprozentigen. Keinen, der nebenbei noch was für die Zeitung schreibt, Häuser vermakelt oder eine Internetfirma hat. Das müsste ja in dieser Zeit der Gleichberechtigung eigentlich kein Problem sein. Gedacht, getan, gesucht, gefragt – nichts gefunden. Vielleicht habe ich die falschen Leute gefragt, aber tatsächlich kannte von denen keiner einen, der sich komplett auf Haushalt und Kinder spezialisiert hatte.

Fazit: In den klassischen Frauenberufen sind Männer kaum zu finden. Warum auch immer. Vielleicht hat es auch was mit der Bezahlung zu tun? Das wollten alle Befragten nicht ganz ausschließen.

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