Die Liebesgeschichte einer Pony-Stute und eines Kalbs

Elfi und Karl: Ein ungleiches Paar ❤

Die Ponystute „Elfi“ und Kalb „Karl“ einträchtig auf der Weide in Borchel.

Wenn ein Pony auf einer Weide in Ruhe grast, dann ist das für Pferdeliebhaber sicherlich ein schöner Anblick. Doch was sich zurzeit auf der Weide des Borcheler Landwirts Heiner Junck abspielt, ist außergewöhnlich. Denn das Pony Elfi steht nicht allein auf der Wiese.

Borchel - Ein Kalb namens Karl säugt an den beiden Zitzen der Stute. Die nimmt das so hin, als wäre ihr eigenes Fohlen auf Nahrungssuche. Wie dieses ungleiche Paar zusammengekommen ist, hört sich fast so unglaublich an, wie das, was der Landwirt täglich beim Blick auf die Weide sieht. „Das ist eine interessante Geschichte, die sich erst kürzlich auf meinem Hof ereignet hat“, erklärt Hofbesitzer Heiner Junck im Gespräch mit der Rotenburger Kreiszeitung.

Elfi bleibt bei den Milchkühen

„Eines Nachts vor rund zwei Wochen herrschte Unruhe auf der Ponyweide. Dort hausierten Wildschweine. Das schreckte die Pferde auf. Ein Pony lief in den Stall und das andere sprang über den Weidezaun“, blickt Junck zurück. Das Pferd habe die nächste Weide erreicht. Völlig in Panik geraten, sprang die Stute auch über die zweite Weideabgrenzung und landete bei einigen trocken stehenden Milchkühen, die kurz vor dem Kalben standen. Genau dort ist Elfi dann wieder zur Ruhe gekommen und auch geblieben.

„Am frühen Morgen sah ich anhand der Spuren auf den Weideflächen, was sich in der Nacht abgespielt haben musste und warum Elfi plötzlich zwischen den Kühen gelandet war.“ Zudem stellte er fest, dass die Kuh Lotte, eine Schwarz-Bunte, in der Nacht ein Kalb bekommen hatte.

Das Pony lief zwischen den Kühen herum. Die haben das aber eher als störend empfunden. „Ich brachte die Kuh zum Melken und das Kalb ins Kälberhaus.“ Danach wollte Junck das Pony wieder in den vorgesehenen Bereich bringen. Doch Elfi war nicht zum Verlassen der Kuhweide zu bewegen, sie ließ sich nicht einfangen. Nach der fünften Runde auf der Weide kam der Landwirt aus der Puste. „Ach, bleib’ doch da ganz alleine zwischen den Kühen“, dachte Junck sich und gab die Absicht auf, das Pony zurückzubringen. Die wird schon von alleine wieder in ihren Bereich zu ihren Artgenossen wollen, hat er sich gedacht.

„Karl“ holt sich ein Schlückchen Milch bei „Elfi“ ab.

Am nächsten Morgen hatte die Kuh „Karla Muh“ gekalbt. „Karl“ war geboren. Die Mutter kümmerte sich nicht um ihr Neugeborenes, aber Elfi beschützte das Kalb und ließ es an ihre Zitzen ran. Der Landwirt habe sich sehr über das ungewöhnliche Gespann gewundert. Er wollte das Kalb aber trotzdem zum Kälberhaus bringen und nahm es auf den Arm. Elfi galoppierte schnell hinterher. Das war die Gelegenheit, das Pony auf seine eigentliche Weide zu bringen. Das tat Junck, schloss das Tor hinter sich und machte sich mit dem Kalb auf dem Weg zum Kälberhaus. Er bemerkte aber, dass Elfi wie verrückt am Zaun hin und her lief und dabei laut wieherte. „Mir tat in dem Moment das Herz weh und ich brachte den kleinen Karl zurück zu Elfi“, sagt er.

Gemeinsam bis zum Lebensende

Die Stute ist zwar nicht trächtig, produziert aber durch den entwickelten Mutterinstinkt etwas Mich, hat Junck festgestellt. „Da die Menge nicht ausreicht, gibt es abends von mir Milch aus der Flasche hinzu“, erzählt Junck. Der Hofbesitzer hat sich geschworen: „Die beiden sollen bis an ihr Lebensende gemeinsam auf dem Hof bleiben.“

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