Unglaubliches live

Merhawi Fsehaye aus Eritrea hat seine Fluchterfahrungen aufgeschrieben

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Merhawi Fsehaye liest in Rotenburg. 

Rotenburg – Korrupte Soldaten, Misshandlungen, Hunger und Durst – Merhawi Fsehaye hat einiges hinter sich. Mit 15 Jahren beschließen er und seine Familie, sein Heimatland zu verlassen. Merhawi Fsehaye lebt in Eritrea. Das Land ist verrufen wegen seines lebenslangen Militärdienstes. Nach sieben Monaten Flucht zu Fuß und mit dem Boot übers Mittelmeer kommt Merhawi Fsehaye als sogenannter Unbegleiteter Minderjähriger Flüchtling in eine Aufnahmeeinrichtung nach Hamburg. Heute ist er 20 Jahre alt, spricht Deutsch, lebt immer noch in der Hansestadt an der Elbe und sucht einen Ausbildungsplatz als Kfz-Mechatroniker.

Merhawi Fsehaye hat zusammen mit Ulla Grün seine Erfahrungen aufgeschrieben. „Mein Weg in die Freiheit – Mit 15 Jahren allein auf der Flucht“, heißt das Buch. Damit sind die Autoren am Mittwoch zu Gast in Rotenburg gewesen. Die Buchhandlung Müller, die Evangelischen Elise-Averdieck-Schulen und das Diakonissen-Mutterhaus hatten zu einer Lesung in den Musiksaal der Schule eingeladen. Die Auszüge aus dem immerhin 174 Seiten dicken Werk geben zusammen mit seinen Antworten auf die Fragen der Zuschauer im vollbesetzen Musiksaal und persönliche Einblicke in ein globales Drama: die Migration.

Eine Zuhörerin, die ebenfalls aus Eritrea stammt, aber nach eigenen Worten seit 33 Jahren in Deutschland lebt, erklärt den anderen Besuchern, was es bedeutet, lebenslang zum Militär verpflichtet zu werden: „Du hast keine Zukunft, und es gibt keine Bildung.“ Wie viele andere Menschen in dem Land am Horn von Afrika erkennen diese Lage auch Merhawi Fsehaye und seine Familie. Rund 4 000 Dollar müssen sie an einen Schlepper zahlen, damit der Junge das Land verlassen kann.

Er und andere Jugendliche landen im Sudan. Dort haben die Leute haben mit Ablehnung durch die Einheimischen, Korruption auf allen Ebenen und religiösem Hass zu tun. Trotzdem schafft es Merhawi Fsehaye, sich nach Libyen durchzuschlagen. Dort ist die Lage allerdings noch schlimmer als im Sudan. Doch am Ende schaffen sie es, in einem Boot übers Mittelmeer nach Sizilien und weiter nach Hamburg zu kommen.

Der Anfang in der Aufnahmeeinrichtung ist nicht leicht. Es gibt oft Streit zwischen den unterschiedlichen Nationalitäten. Merhawi Fsehaye schreibt, er habe „Dinge, die ich eigentlich nicht tun wollte“ gemacht. Er hat es durchgestanden. Vor allem Deutsch zu lernen sei ihm wichtig gewesen. In Deutschland sieht der heute 20-Jährige seine Zukunft. Zurück in sein Heimatland kann er nicht gehen. Aber zur Familie hat er Kontakt.

„Mein Weg in die Freiheit“ ist im „smm Leichte Sprache Verlag“ erschienen. Es hat 174 Seiten und kostet im Buchhandel acht Euro.

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