Nur nach Rücksprache / „99 Prozent der Erwachsenen fragen“

Fotografieren im Freibad: Was geht und was nicht?

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In der Sauna im Erlebnisbad Ronolulu in Rotenburg ist nicht nur das Smartphone, sondern auch das Tablet verboten, weil sich auch damit Fotos schießen lassen. 

Rotenburg - Von Inken Quebe. Fotografieren im Freibad – früher kaum diskutiert, ist das inzwischen in Deutschland zu einem Problem geworden. In Zeiten, in denen so gut wie jeder ein Smartphone besitzt, ist ein Foto vom knapp bekleideten Gast auf dem Handtuch nebenan schnell gemacht – und schnell im Netz. Ohne, dass es jemand merkt. Inzwischen reagieren immer mehr Bäder und verbieten das Fotografieren. In der Region ist das zum Beispiel in Sottrum, Scheeßel und Rotenburg der Fall.

Per Hausordnung haben diese drei Bäder geregelt, dass Foto- und Videoaufnahmen generell nicht gestattet sind – auch wenn die Mitnahme von Smartphones und Tablets grundsätzlich nicht verboten sei. In Sottrum beispielsweise würden die Gäste darauf hingewiesen, nur die eigenen Kinder abzulichten. „Die meisten Eltern fragen auch vorher nach, ob sie eine Kamera mit ins Bad nehmen und fotografieren dürfen“, sagt Patrick Wallbaum, der im Sottrumer Freibad tätig ist. „Wenn wir jemanden dabei sehen, sprechen wir denjenigen sofort an. Die meisten sehen es sofort ein.“ Auch kleine, wasserdichte Actionkameras, die um den Kopf geschnallt werden, haben die Situation erschwert: „Ein paar Jugendliche haben gefragt, ob sie damit ihren Sprung ins Wasser filmen dürfen. Wir haben sie aber darauf hingewiesen, das bei schlechtem Wetter zu machen, wenn weniger Gäste kommen.“

In der Umkleide gefilmt

Doch wenn sich bei warmem Wetter viele Sonnenanbeter und Wasserraten auf den Weg in die Freibäder machen, haben es die Mitarbeiter häufig schwer, sich auch noch auf solche Kontrollen zu konzentrieren. „Man sieht nicht alles. Wenn es gerade voll ist, dann kann man nicht jeden Gast im Auge behalten“, sagt Franziska Dreyer, Fachangestellte im Scheeßeler Beekebad. Kürzlich habe ihr ein Mädchen davon berichtet, von einem anderen Mädchen in der Umkleidekabine gefilmt worden zu sein. „Ich habe das andere Mädchen angesprochen und das Video vor meinen Augen löschen lassen. Wir gehen dem also nach“, erzählt sie.

In den 18 Jahren Wallbaums bisheriger Tätigkeit habe er erst zwei Mal Widerstand an seinen vorherigen Wirkungsstätten erlebt. „Das eine Mal mussten wir die Polizei rufen und schriftlich Hausverbot erteilen, das andere Mal hat es mit Flucht und dem Verlust der Kamera geendet“, erinnert sich Wallbaum. Er nimmt vor allem wahr, dass sich das Verhalten der Gäste in Bezug darauf geändert hat, seit jedes Smartphone Fotos schießen kann. „Das ist ein sensibles Thema. Die Eltern gehen damit auch sorgfältig um. Früher waren sie eher unbedarft“, findet er.

Fehlende Einsicht ist selten

Burkhard Oelkers, Leiter des Erlebnisbades Ronolulu in Rotenburg, bestätigt, dass „99 Prozent der Erwachsenen uns fragen, ob sie ein Foto machen dürfen“. Auch dort achte das Personal darauf, ob und wer fotografiert wird. „Vor Jahren hatten wir mal einen Fall, bei dem ein Gast uneinsichtig war. Aber das ist selten“, sagt er. Problematisch sei, dass ein Schnappschuss inzwischen auch mit dem Tablet möglich ist. „Viele nehmen einen E-Book-Reader oder Tablet mit, weil sie darauf ein Buch lesen. Es ist schwer, die beiden Geräte zu unterscheiden“, so Oelkers. Aus diesem Grund hat das Ronolulu reagiert und im Saunabereich ein Schild mit dem Hinweis angebracht, dass neben Handys auch Tablets  verboten sind. E-Book-Reader seien dagegen nach Sichtung durch das Saunapersonal erlaubt.

Auch wenn sich die meisten einsichtig gezeigt hätten, dem Personal bleibt bei denen, die sich weigern, der Schritt, die Polizei zu rufen. Denn wer zum Beispiel ein Foto von jemandem ins Netz stellt, ohne dass derjenige das möchte, verletzt dessen Persönlichkeitsrecht, sagt Heiner van der Werp. Der Polizeisprecher erklärt außerdem, dass solche Einsätze nur selten vorkommen würden. Wallbaum betont trotzdem, dass dieses Mittel wichtig ist: „Man möchte den Ruf des Bades nicht ruinieren. Deshalb nimmt man das auch nicht auf die leichte Schulter.“

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