Ungeplanter Umweg 

Keine Barrierefreiheit: Aufzug am Bahnhof ist defekt

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Lara Rache (l.) konnte durch einen defekten Fahrstuhl den Bahnhof nicht verlassen. Ihre Mutter Ulrike Rache musste warten – ein Umweg über Bremen war nötig.

Rotenburg - Eigentlich wollte Lara Rache nach einer Fahrt nach Hamburg nur entspannt mit dem Zug zurück nach Hause fahren. Die junge Rotenburgerin sitzt aber in einem elektrischen Rollstuhl und ist daher je nach Gleis, auf dem sie in den Bahnhof der Wümmestadt einfährt, auf den Fahrstuhl angewiesen, um durch die Unterführung zu gelangen. Einer von diesen war am vergangenen Sonntag jedoch defekt. Einziger, telefonischer Lösungsvorschlag der Bahn: Sie könne nach Bremen weiterfahren, dort umsteigen in den nächsten Zug zurück nach Rotenburg. Dann käme sie auf dem barrierefrei zugänglichen Bahnsteig sechs an.

Das bedeutete für Lara Rache, deren Mutter Ulrike Rache bereits am Bahnhof wartete, um ihre Tochter und deren Begleiterin abzuholen, einen Umweg von etwa anderthalb Stunden – um lediglich zum Ausgang zu kommen. Eine anstrengende Situation für die Rotenburgerin mit einem Hirnschrittmacher gegen epileptische Anfälle. Dass es manchmal keine andere Möglichkeit gebe, erklärt Sabine Brunkhorst von der Pressestelle der Deutschen Bahn auf Nachfrage: „Da kann ich ganz klar sagen: nein.“ Rotenburg als einer der kleineren Bahnhöfe habe dafür kein Servicepersonal vor Ort. „Natürlich ist es ärgerlich und zeitaufwendig, wir möchten mobilitätseingeschränkten Personen helfen. Aber leider sind die Möglichkeiten nicht immer gegeben“, sagt die Sprecherin.

Der Aufzug war seit dem 8. Juli defekt. Bei einer Personenbefreiung durch die Feuerwehr sei die Mechanik der Tür kaputt gegangen. „Wenn unsere Dienstleister in einem solchen Fall nicht innerhalb von einer halben Stunde vor Ort sein können, rückt die Feuerwehr an – und die brechen die Tür auf, egal wie“, erläutert Brunkhorst. Da erst Ersatzteile bestellt und diese eingebaut werden müssen, sei der Aufzug derzeit außer Betrieb. „Aber unser Dienstleister hat uns zugesichert, dass der Aufzug noch in dieser Woche repariert wird.“

Es ist nicht das erste Mal, dass solche Umwege nötig waren, bemängelt hingegen Ulrike Rache im Gespräch mit der Kreiszeitung. Auch in Scheeßel sei das bereits passiert – verbunden mit einer Tour über Bremen. Nachdem die Begleiterin ihrer Tochter in Rotenburg alleine vor ihr stand und von dem defekten Fahrstuhl berichtete, hatte sie auf den aushängenden Plakaten nach einer Notfallnummer gesucht. Doch die Reaktion der Bahn auf ihre Nachfrage, was sie denn tun könnten, sei schroff gewesen. „Das sei manchmal so und meine Tochter hätte sich informieren können, hieß es lediglich. Aber das war ein großer Schreck für sie, sie war danach fertig“, erklärt Ulrike Rache, die sich mehr Aufmerksamkeit für solche Themen wünscht, mehr Bewusstsein. Auch ein Anruf bei der Polizei brachte die junge Frau nicht weiter – „das fällt nicht in ihre Zuständigkeit“.

Hinzu komme, dass es Lara Rache sehr unangenehm gewesen sei, in der Unterführung nicht weiterzukommen, da sich schnell einige Passanten um sie versammelt hätten. Auch wenn diese sehr hilfsbereit gewesen seien: Situationen wie diese können Stress pur für sie bedeuten. „Den elektrischen Rollstuhl kann man zudem nicht mal eben die Treppen hochtragen – er allein wiegt schon mehr als 100 Kilo“, erklärt ihre Mutter. Und genau davon rät Brunkhorst auch ab: „Das ist sowohl für die Helfer als auch die Person im Rollstuhl viel zu gefährlich – ein Helfer könnte zum Beispiel auf der Treppe ausrutschen“, betont sie. So blieb Lara Rache letztlich nichts anderes übrig, als den Umweg über Bremen in Kauf zu nehmen, um nach Hause zu kommen. „Leider haben wir schon oft ähnliche Erlebnisse gehabt“, bedauert Ulrike Rache.

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