Unbefristeter Post-Streik / Zustellstützpunkt Rotenburg liefert merklich weniger Sendungen aus

„Was zu uns kommt, wird verteilt“

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Ingeborg Stadler aus Rotenburg ist zuversichtlich, dass ihr Brief schnell ankommt.

Und Bettina Diercks - Von Heinz Goldstein. Ingeborg Stadler hat am Dienstag einen Brief an ihre Freundin in den Briefkasten an der Großen Straße gesteckt. Sie ist sicher, dass dieser trotz des Post-Streiks auch schnell ankommt. In der Kreisstadt arbeitet der Zustellstützpunkt ganz normal weiter und auch die Region der Freundin ist nicht betroffen. „Mit flächendeckenden Ausständen sei zunächst nicht zu rechnen“, erklärt die Rotenburgerin, denn sie hatte sich vorher auf der Internetseite der Deutschen Post informiert.

Dort sei am Dienstag zu lesen gewesen, dass es aktuell nur zu Streiks in einzelnen Briefzentren komme. Über die Postleitzahlsuche auf jener Internetseite würden die Postkunden immer aktuell erfahren, ob ihre Sendung von den Streiks betroffen ist, wusste die Rotenburgerin.

Der Hauptgrund der Auseinandersetzung ist der Aufbau von 49 regionalen Gesellschaften für die Paketzustellung. Die dort beschäftigten rund 6000 Boten werden nicht nach dem Haustarif der Post bezahlt, sondern erhalten die oft niedrigeren Löhne der Logistikbranche. Die Gewerkschaft Verdi will erreichen, dass sie tariflich gleich behandelt werden. Dazu äußerte sich eine Mitarbeiterin der Post der Rotenburger Filiale. „Was zu uns kommt, wird zurzeit verteilt. Zustellstützpunkte werden nicht bestreikt. Viele meiner Kollegen sehen den Ansatz anders als die Gewerkschaft. Einige Zusteller haben lediglich befristete Verträge mit der Post AG. Ich kenne einige von ihnen, die lieber einen feste Anstellung hätten und einen Wechsel nicht ablehnen, auch wenn sie etwas weniger verdienen werden“, so die Zustellerin, die nicht namentlich genannt werden möchte.

„Wer keinen festen Vertrag in der Tasche hat, für den ist es nahezu unmöglich, einen Kredit bei einem Geldinstitut zu bekommen, und auch bei der Wohnungssuche haben viele Betroffene Schwierigkeiten, einen Mietvertrag zu bekommen“, erklärte die Mitarbeiterin mögliche Motive der Kollegen. Am Dienstag seien übrigens als Folge des Streiks doch merklich weniger Briefe und Pakete ausgeliefert worden. Das hätten auch einige Kollegen festgestellt. Ein weiterer Austräger aus Rotenburg, der ebenfalls anonym bleiben möchte, sagte: „Ich bin Beamter. Ich streike nicht.“

Die zuständige Pressesprecherin der Deutschen Post / DHL Hamburg, Maike Wintjen, erklärte auf Nachfrage, dass sowohl bei eingehenden und abgehenden Briefe als auch bei Paketen aus den bestreikten Briefzentren eine verzögerte Auslieferung nicht auszuschließen sei.

„Wir versuchen, mit freiwilligen Kräften den Betrieb so gut wie möglich aufrecht zu erhalten“, erklärte die Pressesprecherin. Experten der Branche sind sich ganz sicher, dass dennoch Millionen von Briefen und Paketen verspätet ausgeliefert werden, war im Internet zu erfahren.

Davon könnten dann auch beispielsweise Apotheken betroffen sein. Bislang ist das nach Auskunft der Inhaber nicht der Fall: „Vieles kommt direkt vom Großhändler, beispielsweise per UPS.“ In der Rotenburger Fußgängerzone erhielten die Betriebe gestern noch ihre Post. Wie das heute und in den kommende Tagen auch mit Paketen aussieht, ist unklar.

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