Nur für Beobachtung gut

Umweltschützer sehen keinen großen Nutzen von Vogel-Futterhäuschen

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Auch Blaumeisen freuen sich über ein winterliches Futterangebot. Experten warnen allerdings davor, es in solchen Netzen zu servieren. Die Vögel können sich darin verfangen.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Spätestens mit dem ersten Schnee regt sich das Herz der Vogelfreunde. In den Supermärkten und Baumärkten stehen die Kassenbereiche voll mit Vogelfutter, schicke Vogelhäuschen liegen voll im Trend. Aber ist die Fütterung in der kalten Zeit überhaupt sinnvoll? Umweltschützer aus der Region hegen einige Zweifel. Dem Schutz der Tierwelt insgesamt zuträglich sei die Fütterung kaum. Als Anstoß, mehr für den Tierschutz zu tun, seien Futterhäuschen aber schon sinnvoll.

„Den größten Nutzen von Winterfütterung haben die Arten, die ohnehin noch recht häufig sind“, sagt Roland Meyer, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Rotenburg. Von den rund 250 Brutvogelarten in Deutschland seien das rund 15. Dazu gehören vor allem Finken, Meisen, Rotkehlchen und Drosseln. Keine dieser Arten ist in ihrem Bestand gefährdet. Diese Arten würden durch hartes Winterwetter nicht dauerhaft dezimiert, sondern die Bestände erholen sich bald, sagt Meyer. 

Dem stimmt auch der BUND-Kreisvorsitzende und Rotenburger Landschaftswart Manfred Radtke zu. Die Arten seien auf das jahreszeitlich wechselnde Futterangebot eingestellt. Radtke: „ Erst wenn die natürlichen Nahrungsquellen für Vögel knapp werden – also bei einer dauerhaft geschlossenen Schneedecke und anhaltendem Frost – sollte gefüttert werden. Man erreicht damit aber nur wenige, meist allgegenwärtige Arten. Kommen häufige Standvögel wie die Kohlmeise dank der Fütterung vermehrt durch den Winter, finden Zugvögel wie Trauerschnäpper und Gartenrotschwanz bei der Rückkehr keine freien Nistplätze mehr vor.“ 

Beobachtet wird laut Meyer aber auch, dass sich vermehrt Vögel aus der Feldmark in die Gärten zurückziehen. „Das mag damit zusammenhängen, dass die Feldmark heute vielerorts ziemlich ausgeräumt und nahrungsarm ist“, so der Nabu-Experte.

BUND: Mehr Schaden als Nutzen durch ganzjährige Fütterung

Auch wenn man mit einem Futterhäuschen nicht zum Artenschützer werde, so könne es doch aber gerade für Kinder schön sein, bei der Beobachtung der Vögel am Futterhaus der Natur wieder ein Stückchen näher zu kommen. Meyer: „Das macht Freude und schärft den Blick für die verschiedenen Arten. Durch solche Naturerlebnisse sind schon viele Menschen zu Naturschützern geworden. Die achten dann zum Beispiel darauf, den Garten insgesamt insekten- und vogelfreundlich zu gestalten, etwa durch heimische Büsche und Bäume und wilde Ecken.“ 

Radtke empfiehlt diesbezüglich, im Herbst Gartenstauden stehen zu lassen, heimische Gehölze zu pflanzen und Kompost- oder Laubhaufen anzulegen. So schaffe man Nischen für Insekten, die auf dem Speiseplan von Zaunkönig oder Rotkehlchen stehen. Von einer oft empfohlenen ganzjährigen Fütterung erwarte der BUND sogar mehr Schaden als Nutzen.

Keine gesalzenen Essensreste oder Brot füttern

Wenn gefüttert wird, sollte man auf sauberes Futter achten, es vor Nässe und Kot schützen. Man sollte darauf achten, kein Körnerfutter zu kaufen, das Ambrosia-Samen enthalten kann. Die Pflanze sei für Menschen hoch allergen und breite sich derzeit massiv aus. Schädlich für alle Vögel seien in jedem Fall gesalzene Essensreste, gewürzte Nüsse oder gepökelter Speck. Das könne für die Tiere tödlich sein. Auch Brot sei schlecht, da es in den kleinen Mägen aufquillt.

Körnerfresser bevorzugen Sonnenblumenkerne und sonstige grobe Körner, heißt es vom BUND. Man könne sie am kräftigen Schnabel erkennen, mit dem sie auch harte Schalen aufbrechen. Weichfutterfresser mögen Haferflocken, Mohn, Kleie, Rosinen und Obst. Amseln oder Rotkehlchen suchen ihr Futter meist am Boden. Meisen fressen sowohl weiches als auch Körnerfutter. Dass sich an den Futterhäuschen auch mal Eichhörnchen bedienen, falle ebenfalls unter die Kategorie Unterhaltung. Gefährdet seien sie nicht. Meyer: „Aber auch sie machen Freude und können für die Natur begeistern.“

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