Klimaschutz vor Ort: CO2-Ausgleich bei Jugendfreizeiten

Umdenken für das Klima

Kirchenkreisjugenddiakon Werner Burfeind und seine Kollegen haben viele Ideen, um die Freizeiten nachhaltiger zu gestalten. Foto: beims

Rotenburg – Nachhaltigkeit ist nicht erst ein Thema seit Greta Thunberg und ihrer „Fridays for Future“-Bewegung. Seit mehreren Jahren achtet die evangelische Jugend im Kirchenkreis Rotenburg bereits auf das Thema. Erstmals betrifft der Gedanke auch die Freizeiten im kommenden Jahr, denn im Jahresprogramm 2020 findet sich ein neuer Posten: ein CO2-Ausgleichsbetrag. „Die aktuelle Diskussion ist natürlich der Auslöser dafür“, sagt Kirchenkreisjugenddiakon Werner Burfeind.

„Dass CO2 bei einer Fahrt ausgestoßen wird, ist nicht vermeidbar“, erklärt er weiter. Seit einigen Jahren gibt es aber Kompensationsfonds, auch einen von den Kirchen. Auf der Internetseite der Klima Kollekte haben die Diakone die Emissionen berechnet und daraus einen Preis pro Teilnehmer und Fahrt. Eltern und ihre Kinder können überlegen, ob sie den höheren Betrag freiwillig zahlen möchten. „Wir wollen Denkanstöße geben. Das Thema hat uns vor Jahrzehnten begleitet, als es noch ,Jute statt Plastik‘ hieß, dann war es eine Zeit lang versackt und wurde jetzt durch die Fridays for Future-Diskussion verstärkt. Es war immer da, aber nicht in dieser Intensität“, erklärt Burfeind.

Aber sind Ferienfahrten und Klimaschutz vereinbar? Denn die Fahrten im kommenden Jahr reichen vom Jugendcamp um die Ecke bis nach Taizé in Südfrankreich und an den Fuß des Olymps in Griechenland. Im Frühjahr haben sich die Diakone erstmals zusammengesetzt und waren sich schnell einig, dass der Ausgleichsbeitrag für die Mobilität ein guter Weg ist. „Für die gesamten Maßnahmen ist das noch zu schwierig“, räumt Burfeind ein. Der Beitrag reicht von einem Euro für die Bootsfreizeit in Holland bis hin zu 22 Euro für die Griechenland-Fahrt. „Teilweise sind die Summen erschreckend klein“, sagt Burfeind. So hat der Rechner pro Person bei der Zugreise mit dem Sommerferienticket durch Niedersachsen einen CO2-Ausgleich von 1,50 Euro berechnet. „Es ist grundsätzlich positiv, Zug zu fahren, aber sie fahren viel, eine Menge Kilometer. Im Vergleich fahren die Kinder mit dem Bus nach Seesen, der fährt leer zurück und es ist ein Euro pro Person – das ist nichts.“ Bei den niedrigen Ausgleichspreisen einen Gesamtpreis pro Fahrt zu machen, kam für die Diakone denn auch nicht infrage: „Dann merkt das keiner“, kommentiert Burfeind. „Wir wollen, dass die Leute darüber nachdenken und sich bewusst entscheiden.“

Dennoch kam die Frage in der Runde der Diakone auf, ob sie sich damit lediglich „freikaufen würden, es ein moderner Ablasshandel ist?“, stellt Burfeind in den Raum. „Natürlich kann man diskutieren, ob ich nach Griechenland fahren muss. Aber bei der Entscheidung für den CO2-Beitrag standen die Ziele bereits fest. Und auch 2021 wird es ins Ausland gehen“, sagt er ganz klar. „Die Frage ist: Will man das Erleben ganz runterfahren? Oder geht man sinnig damit um?“ Jeder müsse sich an die eigene Nase fassen und gucken, wie eine Fahrt klimabewusster gestaltet werden kann. Bisher gibt es positive Rückmeldungen, etwa 70 Prozent der Anmelder haben sich dazu entschlossen, den höheren Betrag zu zahlen. So sind es bei der Griechenland-Reise aktuell 22 mit CO2-Beitrag, 13 ohne. Auch bei den anderen Fahrten sind die Anmeldezahlen mit Beitrag höher.

Doch nicht nur die Fahrt, auch andere Bereiche liegen im Fokus der Betreuer, zum Beispiel das Material. „Müssen wir alles neu kaufen?“, sagt Burfeind und schüttelt gleich selbst den Kopf. Auch das Thema Essen spiele eine Rolle. So wird beim Zeltlager Offendorf abgefragt, wer vegetarisch, vegan oder Fleisch isst. „Wenn nicht viel Fleisch gegessen wird, kann man das Essen ganz anders planen“, erläutert der Diakon. Für das Landesjugendcamp in Verden gibt es einen nachhaltigen Leitfaden, um das Camp weiter grüner zu gestalten. Auch Vorträge und Workshops wird es geben, unter anderem Upcycling. Einweg ist verpönt, und um ihre Getränke kühl zu halten, heben die Camp-Bewohner Erdkühlschränke aus. Die Jugend ist dennoch bei dem Thema gespalten, meint Burfeind. „Die einen interessiert das gar nicht, für andere ist das sehr wichtig. Es gibt viele Jugendliche, die umdenken. Es ist jetzt einfacher, darüber zu sprechen, weil sie es selber aufgebracht haben. Früher war das Thema belehrend.“

Mit den Ausgleichseinnahmen werden Projekte zum Beispiel in Indien und Afrika gefördert. So werden in Ruanda energieeffiziente Kochstellen realisiert und sauberes Trinkwasser dank Wasserfilter, in Indien Strom durch Solarlampen. Eins ist für Burfeind wichtig: „Wir sind auf dem Weg. Wir wissen nicht alles, wir machen nicht alles perfekt. Aber wir wollen uns Gedanken machen und gucken, was wir tun können.“

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