„Ziele bei allen ähnlich“

Lüttjohann will Unterstedts Bürgermeister bleiben

Uwe Lüttjohann will als Ortsbürgermeister in Unterstedt am Ball bleiben.
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Uwe Lüttjohann will als Ortsbürgermeister in Unterstedt am Ball bleiben.

Unterstedt – Die Uhren ticken anders in den Dörfern als in einer Stadt wie Rotenburg. Auch auf der politischen Ebene. Die Parteien, sagt Uwe Lüttjohann, spielen für ihn eher eine untergeordnete Rolle. „Es geht uns mehr um die Gemeinschaft, um das Dorf.“ Klar, dass er sich freut, weil die SPD es erstmals mit fünf Kandidaten in den Ortsrat geschafft und sich damit die absolute Mehrheit gesichert hat.

Aber: „Die Sache ist wichtig, nicht die absolute Mehrheit. Die Ziele sind doch bei fast allen ähnlich.“ Lüttjohann ist seit zehn Jahren Ortsbürgermeister in Unterstedt und möchte noch eine Amtszeit dranhängen. Der Ortsrat entscheidet darüber. Die Zustimmung dürfte sicher sein.

Es sind eine ganze Reihe von Themen, die Lüttjohann für Unterstedt auf dem Zettel hat: Die Stärkung der örtlichen Gemeinschaft, die weitere Unterstützung der Vereine sowie der Jugend und die Ausschöpfung von Förderprogrammen für die weitere Entwicklung des Dorfes stehen dabei ganz oben auf der Liste. Doch auf eben dieser Liste sind auch Vorhaben zu finden, die vor allem eines erforderlich machen: Geld. „Die Stadt Rotenburg stellt uns jährlich Verfügungsmittel bereit“, sagt Lüttjohann. Etwa 80 000 Euro seien es zuletzt gewesen. „Zu wenig“, meint er, „wir brauchen mindestens 100 000 Euro, vielleicht sogar das Doppelte.“

Ein Thema hat es Uwe Lüttjohann in den vergangenen Jahren ganz besonders angetan: die „ökologische und nachhaltige Baulandentwicklung“. Ein Wunsch, für den sich nicht nur Unterstedt, sondern zahlreiche Dörfer im Landkreis Rotenburg stark machen, es dabei aber mit erheblichen Beschränkungen zu tun haben. Allein für Unterstedt haben rund 50 Interessenten Bedarf angemeldet. Sie möchten bauen. Bis 2023 allerdings seien nur sechs weitere Bauplätze erlaubt, sagt Lüttjohann. „Wir haben ein Baugebiet, in dem 22 Bauplätze realisiert werden können.“ Sechs davon für zwei weitere Jahre – zu wenig, denn laufend kämen neue Interessenten dazu. „Das stört mich, und deshalb bin ich auch gegen geplante Fotovoltaikanlagen auf Ackerflächen – denn die sind die wirtschaftliche Grundlage unserer Landwirte.“

Der künftige Landrat Marco Prietz (CDU) hat dieses Thema auf der Agenda – Lüttjohann hat mit ihm schon darüber gesprochen, und er ist zuversichtlich, dass die landkreisweiten Beschränkungen dieses Ausmaßes bald ein Ende haben.

Lüttjohann und Prietz kennen sich aus dem Kreistag. Seit siebeneinhalb Jahren ist Uwe Lüttjohann dort mit von der Partie. Er war seinerzeit für Dieter Gebers nachgerückt und hat sich dort inzwischen etabliert. Seit zehn Jahren mischt der Unterstedter Ortsbürgermeister darüber hinaus im Stadtrat mit, dem Ortsrat gehört er sogar schon 25 Jahre an. Mit seinen 497 Stimmen bei der Kommunalwahl will er jetzt die dritte Amtszeit als Ortsbürgermeister anpacken. „Ich fühle mich nach wie vor mit der örtlichen Entwicklung verbunden und dafür verantwortlich.“ Es sei nicht immer alles gut bei der Aufgabe, „man gerät auch mal ins Kreuzfeuer“, weiß Lüttjohann. Dieser Herausforderung wolle er sich aber noch einmal stellen – mit dem Ziel vor Augen, die Interessen der Alten und Jungen miteinander zu verbinden.

Wie das gehen kann, zeige das Dorf immer wieder aufs Neue. Lüttjohann erinnert an den Bau der neuen Umkleide direkt am Sportplatz gleich hinter dem Mehrzweckhaus. „In der Pandemie, als kein Training und keine Spiele möglich waren, haben die Fußballer viel Eigenleistung in den Bau eingebracht.“ 13 aktive Mannschaften habe der Verein.

Neues Feuerwehrhaus auf der Wunschliste

Nur wenige Meter entfernt ist das Feuerwehrhaus zu finden. „Es ist zu klein geworden“, sagt der Ortsbürgermeister. Die Fahrzeuge sind größer als in früheren Jahren, der Platz drumherum reiche nicht mehr aus, die Umkleide der Damen sei nur über die der Männer zu erreichen. Das Gebäude ist fast 40 Jahre alt und einfach nicht mehr zeitgemäß. Im Klartext: Unterstedt wünscht sich ein neues Feuerwehrhaus. Einen Standort dafür habe man sich schon ausgeguckt. „Es könnte auf der Ziegenwiese mitten im Ort errichtet werden.“ Das Grundstück gehöre der Stadt – eine gute Voraussetzung, findet Lüttjohann. Die Überlegungen laufen. Auch mit Blick auf die Frage, was mit dem alten Feuerwehrhaus einmal werden soll.

Das bietet vielleicht Platz für die Verwirklichung neuer Ideen im Sinne der Dorfgemeinschaft. Es sind Überlegungen, die der Ortsbürgermeister aber nicht alleine anstellt, sondern alle Mitglieder des neunköpfigen Ortsrates werden sich mit diesen Fragen auseinandersetzen – und sie wollen möglichst viele Bürger mitnehmen.

Es gehe auch um Visionen und die Frage, wie Unterstedt in zehn oder 20 Jahren aussehen kann. Dabei spielt nicht zuletzt die Bahn eine Rolle, die ähnlichen Einfluss auf das Dorf hat, wie die Bundesstraße 210, die Unterstedt in zwei Hälften unterteilt. Lüttjohann befasst sich schon seit einiger Zeit intensiv mit der „Städtebaulichen Begleitplanung zum Streckenausbau der Bestandsstrecke Rotenburg-Verden (Alpha-E)“. Es geht in erster Linie um den Lärmschutz. „Das ist alles gar nicht so einfach“, weiß er. Und zugleich diskutiert man in Unterstedt über die Möglichkeit, hier wieder einen Bahnhaltepunkt einzurichten.

Doch mitunter sind es auch scheinbar profane Dinge, um die sich der Ortsbürgermeister und der Ortsrat kümmern müssen. „Die Gehwege sind in einem sanierungsbedürftigen Zustand“, berichtet der 54-Jährige. „Dafür brauchen wir die Stadt.“ Ein entsprechendes Schreiben habe er bereits auf den Weg gebracht. Die Erneuerung der Zaunanlage am Friedhof indes kann sich wieder sehen lassen, weil mehrere Männer sich zusammengetan und an die Arbeit gemacht haben. So geht das in den Dörfern.

Lüttjohann macht das alles nebenbei. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder, er arbeitet als Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung bei der Lebenshilfe in Verden. Dennoch will er schon bald einen Dorfentwicklungsplan anschieben, um Visionen zu entwickeln und möglichst Arbeitsgruppen einzurichten. „Ich fühle mich verantwortlich, aber natürlich kann ich nicht alle Wünsche erfüllen.“ Seine Wiederwahl gilt als sicher – die CDU hatte im Wahlkampf die Unterstützung für den Sozialdemokraten angekündigt.

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