Überfall ohne Beute in der Sparkasse am Rotenburger Pferdemarkt

Stiller Alarm vertreibt den stummen Täter

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Der Kassenschalter in der Pferdemarkt-Filiale während der Spurensicherung.

Rotenburg - Von Michael Krüger und Matthias Röhrs. Es ist kurz vor 12 Uhr an diesem Dienstagmittag, ein ruhiger Tag. Seit Minuten kein Kunde mehr in der Schalterhalle der Sparkassen-Filiale am Rotenburger Pferdemarkt.

Nur ein Mann, unauffällig gekleidet, wie Zeugen später berichten, geht etwas unsicher auf und ab. Er telefoniert, blickt sich um. Dann geht er zur Kassiererin, spricht nicht, legt nur einen Zettel hin. Er fordert große Scheine, Tausende Euro. Ein Überfall. Gegen 12.45 Uhr beginnt ein Hubschrauber der Polizei, seine Kreise über die Rotenburger Innenstadt zu ziehen. Die Beamten suchen den Täter. Nur ein paar Sekunden hat das Geschehen am Kassenschalter gedauert, der Bankräuber bleibt ohne Beute. „Die Kassiererin hat besonnen reagiert und genau das Richtige getan“, lobt Sparkassen-Chef Reinhard Krüger seine 62-jährige Mitarbeiterin nach dem Vorfall. Sie sei gar nicht auf die Forderung eingegangen und habe umgehend den stillen Alarm ausgelöst.

Der Täter müsse dies an der Handbewegung erkannt haben – er drehte sich um und verschwand flotten Schrittes zu Fuß in Richtung Rathaus. Nur wenig später treffen die ersten Beamten ein. In der Filiale selbst hat außer der Kassiererin kaum jemand den versuchten Raubüberfall mitbekommen, auch Kunden waren nicht in der Nähe. Vielleicht auch das ein Grund, warum die Kassiererin hinter der gesicherten Panzerglaswand so souverän abweisend reagierte.

Das Bankgeschäft läuft derweil fast ungestört weiter. Kunden heben Geld ab, holen Kontoauszüge, tätigen Überweisungen an den Automaten. Die Berater bleiben im Hintergrund, mustern die Hereinkommenden. Nur eine uniformierte Beamtin hält sich in der Halle auf. Zwei Streifenwagen stehen auf dem Pferdemarkt. Mehrere Polizisten kommen die große Treppe im Filialgebäude herunter und ziehen sich zu einem Gespräch zurück. Kurz darauf fährt die Spurensicherung auf dem Pferdemarkt vor. An der Kasse, dem mit Polizeiband abgesperrten Tatort, nimmt ein Beamter einen Abstrich von der Klingel neben der geöffneten Tür. Er fotografiert. Gegen 13.20 Uhr beendet die Spurensicherung ihre Arbeit, die Beamten entfernen das Absperrband.

Sparkasse in Rotenburg überfallen

Was versprach sich der Täter? „Wir haben doch überhaupt nur noch minimale Bargeldbestände vorrätig“, sagt Sparkassen-Vorstand Krüger. Ein Bankraub wie im Wilden Westen? Heute unvorstellbar. Zuletzt 2006 war eine Filiale der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde überfallen worden, damals in Kirchwalsede. Der Täter, ein 35-jähriger Arbeiter aus dem Bördekreis in Sachsen-Anhalt, wurde nur wenige Stunden nach der Tat gefasst. Sein Motiv damals: Geldnot.

Die Fahndung in Rotenburg bleibt zunächst ohne Erfolg. Bis zum Dienstagabend kann die Polizei keinen Erfolg vermelden. Dabei geht der Täter überaus dreist vor: Er ist nicht maskiert, nicht bewaffnet. Die Polizei beschreibt ihn als 30 bis 40 Jahre alten Mann. Er soll 1,80 bis 1,90 Meter groß sein, blonde Haare haben und beim Überfall ein graues Oberteil, eine graue Stoffhose und eine graue Mütze getragen haben. Vermutlich sei er Bartträger, ein sportlicher Typ, schlank. Die Polizei wertet die gesicherten Spuren, Bilder der Überwachungskameras aus und hofft unter der Telefonnummer 04261/9470 auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Sparkassen-Chef Krüger setzt auf den Ermittlungserfolg. Wenige Stunden nach der Tat ist er aber erst einmal froh, dass alles so glimpflich ausgegangen ist. Niemand verletzt: „Eine Situation, die zum Glück noch gut abgelaufen ist.“

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